"Auf Augenhöhe mit Holmes"

Interview mit Martin Freeman alias Dr. Watson

Martin Freeman als Dr. Watson
Martin Freeman als Dr. Watson | Bild: ARD Degeto/BBC/Hartswood Films

Wie würden Sie die moderne Version von Holmes und Watson beschreiben – verglichen mit dem Original?

Unsere Sicht ist sehr am Original und dem Geist von Conan Doyle orientiert. Wir sind nur abgekommen von der Idee, dass Watson nur eine Art Assistent ist. Wir sehen ihn als einen gleichberechtigten Kollegen von Holmes. Immerhin sind die Geschichten ja auch aus der subjektiven Sicht des Watson von Doyle aufgeschrieben worden. Im Original ist Watson ein verwundeter Militärarzt, der aus Afghanistan zurückkehrt. Und man wird schließlich nicht Militärarzt, wenn man ein völliger Trottel ist! Ich freue mich, eine Figur zu spielen, die auf Augenhöhe mit Holmes steht.

Sherlocks Welt ist eine klassische Männerwelt. Und Sie machen sich ein bisschen lustig darüber in ihrer Interpretation. Sie spielen mit der Möglichkeit, dass Watson und Holmes ein Paar seien und jeder glaubt auch irgendwie, dass das stimmen könnte ...

Ich glaube, – oder sagen wir mal lieber: Ich nehme an, wir sind es heutzutage eher gewohnt, das Männer nicht wirklich erwachsen werden. Sie bleiben Jungs. Was im Übrigen auch auf die Macher der Serie zutrifft. Sherlock und John gehören schon zur recht männlichen Fraktion – aber vielleicht mit einem kleinen Hang zum Metrosexuellen.

Man kann ja froh sein, dass Sherlock Watson getroffen hat. Was wäre sonst aus den beiden geworden? Sherlock hat eine einzige Freundschaft in seinem Leben geschlossen und dasselbe gilt auch für Watson.

Ja, definitiv. Und deshalb ist das auch so etwas wie eine 'Liebesgeschichte', in der sich zwei Menschen zur absolut richtigen Zeit treffen; genau dann, wenn sie sich gegenseitig am meisten brauchen. Zumindest gilt das für Watson, der gerade aus Afghanistan gekommen ist. Bei Sherlock bin ich mir da doch gar nicht so sicher, wenn ich länger darüber nachdenke. Naja, naturgemäß habe ich mich ja auch mehr mit meiner eigenen Rolle auseinandergesetzt.

Ärzte braucht man und Watson wäre irgendwie durchgekommen. Aber geniale Detektive?

Zugegeben, es gibt wenige Dinge, mit denen man sich an geniale Detektive wendet. Ich glaube, bevor er John Watson traf, war Sherlock extrem frustriert. Lauter Ignoranten um ihn herum, die ihm intellektuell nicht das Wasser reichen können. Und in diesem Umfeld muss er sein "Geschäft" etablieren. Was Watson angeht, der war in London vollkommen allein. Er fühlte sich nutzlos – nicht zuletzt wegen seiner Verletzung – und ihm fehlte das Abenteuer.

War es schwierig, die Rolle des Watson zu spielen?

Nein, gar nicht. Ich denke, alles auf der Welt ist ganz einfach machbar. Aber wenn du etwas extrem gut machen willst, dann fangen die Probleme an. Dann wird's schwierig. So ging es mir auch mit der Rolle. Aber bedingt dadurch, dass das Buch einfach klasse geschrieben ist, ich die Rolle unbedingt spielen wollte, mit der Regie bestens klar kam und auch noch mit Benedict als Partner zusammenarbeiten konnte: Was will man mehr? Es war die reinste Freude!

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