Writers' Note

Von Robert Krause und Beate Fraunholz

Edith Salzmann (Luisa- Céline Gaffron)
Edith Salzmann  | Bild: ARD Degeto/REAL FILM/AMALIA Film / Bernd Schuller

»AUGUST 1961: Johanna und Kurt Krause, Roberts Großeltern, sitzen im Zug auf der Heimreise von Westdeutschland nach Dresden. Erst im Zug erfahren sie von Mitreisenden, dass in Berlin die Mauer gebaut und die innerdeutsche Grenze für immer dichtgemacht werden soll. Sie stehen plötzlich vor der großen Entscheidung: Aussteigen oder zurückfahren?

Was hatten sie zu verlieren, wenn sie den Zug verließen? Ihre beiden Kinder lebten in Dresden – Roberts Vater Bernd (17) und dessen Schwester Ursula (21) waren zwar flügge, hatten aber beide eine enge Beziehung zu ihren Eltern. Roberts Großeltern hatten in Dresden ein wunderschönes Mehrgenerationenhaus gebaut, in dem auch die Urgroßeltern lebten. Kurt war Dozent für Architektur an der TU Dresden und Johanna wollte ihre Enkel aufwachsen sehen. Und vor allem: Beide liebten ihre Heimatstadt. Und so kehrten sie an diesem Tag zurück.

WINTER 2019: Auf 3 ½ Seiten schreibt Robert, basierend auf seiner Familiengeschichte und Fragmenten andere Begebenheiten aus seiner Jugend in Ostdeutschland, die Grundgeschichte für '3 ½ Stunden' auf und fragt Beate Fraunholz, ob sie mit ihm als Co-Autorin das Drehbuch zu '3 ½ Stunden' schreiben will. Als 'wiedervereintes' Autorenteam, ostdeutscher Autor und westdeutsche Autorin, beginnt eine einzigartige Reise. Beate und Robert lernen Menschen kennen, die nur darauf warten, endlich ihre Geschichte zu erzählen. Es sind Menschen voller Hoffnungen und Abgründe, bereit, ihre dunklen Geheimnisse, Ängste und Sehnsüchte zu offenbaren. Für manche Figuren, wie die Familie Kügler oder das homosexuelle Paar Sigmund Tremper und Peter Laschke oder die junge Leistungsturnerin Sabine Schulz, haben sich Robert und Beate von realen Menschen aus Roberts DDR-Jugend inspirieren lassen. Aber auch seine Eltern und Großeltern tragen immer wieder Details zur Geschichte bei – auch wenn am Ende Figuren und deren Hand-lungen fiktional sind. Im kreativen Rausch fügen sich nach und nach alle Handlungsstränge – auf gelben Zetteln an die Wand geklebt – zusammen, und am Ende der Woche sind die Plätze in den Abteilen vergeben.

Nur ein halbes Jahr später besteigt ein hochmotiviertes Team um den Regisseur Ed Herzog wieder einen Zug, diesmal aufgebaut in einem Studio und dreht den Film '3 ½ Stunden'. Doch auch für Robert Krause und Beate Fraunholz war die Reise noch nicht zu Ende. Da beide die Ideenfülle der Geschichten nicht annähernd im Drehbuch unterbringen können, beginnt Beate ein Theaterstück zu schreiben und Robert einen Roman, der im Juli 2021 im deutschen Buchhandel erscheint.«