Das Gästebuch für Ihre Erlebnisse

Welche Erfahrungen mit der Mauer und dem Mauerbau haben Sie oder Ihre Familie gemacht? Wie hat die Mauer Ihr Leben geprägt? Waren Sie oder Ihre Familie auch in der Situation sich im August 1961 entscheiden zu müssen: Ost- oder Westdeutschland?

Im Gästebuch können Sie Ihre Geschichte erzählen.

C.S. schrieb am 17.08.2021, 14:46 Uhr

1961 war ich 8 Jahre alt, lebte nahe Nürnberg und hatte nur ein eingeschränktes Verständnis für politische Ereignisse. Trotzdem erinnere ich den 13. August sehr gut in emotionaler HInsicht. Die Erwachsenen waren alle plötzlich in bodenloser Katastrophenstimmung. Im Radio (Fernsehen hatten wir noch nicht) kam nichts Anderes als Meldungen daüber und verzweifelte Stimmen von Leuten, die nicht wußten, was sie tun sollen, plötzlich getrennt waren von ihren Eltern uw. Ich hatte große Angst, dass jetzt bald wieder KRIEG sein würde, das bedrohliche Horror-Wort meiner Eltern: "Sei bloß froh, dass Du NACH dem Krieg geboren bist, hoffentlich kommt nicht bald wieder einer!" Unsere Tanten, Onkels und meine Cousins im Osten schienen nun lebenslang eingesperrt. In den 70ern habe ich dann in Westberlin studiert, bin häufig mit "Transitzügen" gefahren - mit etwa 1-stündigem Kontroll-Halt in Probstzella, intensiven Ausweis- und Gepäckkontrollen, Suchhunden der DDR-Grenzpolizei im Zug, auf den Bahnsteigen, unter und auf dem Zug (zu hören am gespenstischem Hundetapsen und den Kommandos der Hundeführer). Im Zug oft neben Westdeutschen, Berlinern auch Rentner aus Ost-Berlin, die ein paar Tage "rausdurften" und vor der Grenzkontrolle zu zittern anfingen aus Angst, dass etwas Verbotenes im Gepäck gefunden würde. Im studentischen Lebensalltag war ich täglich mit der MAUER konfrontiert - wie jeder, der in Ost- oder Westberlin gelebt hat. Diese Mauer durch Berlin schien mir damals wie für die Ewigkeit festzementiert, war für mich elementarer Bestandteil von Berlin geworden, fast normal, hätte sie Westberlin aus meiner noch immer jugendlichen Sicht nicht sogar etwas interessant Kultiges gegeben. Und hatte bei diesem Gedanken natürlich ein ganz schlechtes Gewissen, weil man ja wußte, was sie für Freiheitsliebende und um Demokratie Ringende in Ostberlin/DDR bedeutete. Noch 1988 habe ich mich nicht getraut zu glauben, dass die Mauer ohne Krieg und Schüsse fallen würde. Für mich der Glücksfall der Deutschen Geschichte!

Weltenbummler schrieb am 11.08.2021, 20:56 Uhr

Der Themenabend war eine Zeitreise: - ich war 17 Jahre alt, als die Mauer errichtet wurde - 20 Jahre alt (nach der Rekrutenschule in der Schweiz) als ich am Brandenburger Tor vor der Mauer stand, und am Potsdamerplatz vom Aussichtspodest aus, die Verbauungen sah - 65 als ich erstmals durch das Brandenburger Tor gehen konnte und im aufgebauten Adlon einkehrte - mit 72 lief ich die Mauer auf Berliner Gebiet rundum ab - und nun mit 77 lerne ich durch die Sendungen am Deutschen Fernsehen über die Geschichten, die das wirkliche Leben schrieb. Über Trennungen, Hilflosigkeit und Tod. Die Topographie des Terrors dient, wie so Vieles hier in Berlin dazu, dass wir auch nicht vergessen, weshalb diese Mauer überhaupt gebaut wurde. - als ich Heute auf dem Mauerweg bei den Fluchtwegen die Gedenktafeln für die ermordeten Flüchtigen las, dann fühlte ich, dass dies auch mein Schicksal hätte sein können, wäre ich hier geboren worden.

Ulrich Häßelbarth schrieb am 11.08.2021, 16:58 Uhr

60 Jahre Mauerbau-gut und schön.Aber ich habe noch keinen Zeitzeugen gesehen,der berichtet,ob er wirklich glücklich im Westen nach der "Flucht" geworden ist!Die DDR war ja nur in den Katgorien Stasi,Unrechtsstaat,Mangelwirtschaft und Unfrei eingeteilt.

Ralf schrieb am 09.08.2021, 11:30 Uhr

Fragt bitte meinen Vater. Er musste an dem Tag raus auf Wache. Er war unfreiwillig freiwillig bei der Grenzpolizei in Rudolstadt. Für ihm war es das Ende des ruhigen und beschaulichen Grenzerlebens.

Katrin Martens schrieb am 08.08.2021, 20:47 Uhr

Meine Familie wurde getrennt. Mein Großvater wurde falsch verdächtigt ein Spion zu sein, saß im Gefängnis und hat dann die DDR verlassen. Durch den Mauerbau wurde seine Frau meine Großmutter und meine Mutter von ihren Verwandten getrennt. Unser Leben im Westen verlief nicht besonders glücklich. Meine Eltern mein Vater war auch aus dem Osten wurden geschieden. Ich wurde teilweise ausgegrenzt und musste wirklich kämpfen um Arbeit. Im Osten hatten auch alle unsere weiblichen Verwandten sehr gute Arbeitsplätze. Fazit in jedem System gab es Probleme. Meine Großmutter durfte einmal im Jahr ihre Schwester besuchen, beim Abschied gab es Tränen. Mich interessiert wie es anderen aus meiner Generation ging, die auch von ihrer Familie getrennt wurden.

Gunhild schrieb am 07.08.2021, 22:45 Uhr

Danke für diesen wunderbaren Film! Meine Eltern sind kurz vor dem Mauerbau in den Westen geflüchtet, sie haben ihr ganzes Leben mit ihrer Entscheidung gehadert, vor allem mein Vater hatte immer große Sehnsucht nach seiner Heimat, dem Eichsfeld. Der Film gibt diese Zerissenheit zwischen Heimat und Aufbruch in einer wunderschönen poetischen Sprache wieder. Ich habe die Gedanken und Gefühle meiner Eltern in dem Film wiedergefunden. 10 von 10 Punktren!

Ulrich Berlin schrieb am 07.08.2021, 00:12 Uhr

Liebe ARD, als die Mauer fiel, war ich 18 Jahre alt. Am 09.11. selbst war ich einfach nur überwältigt und saß den ganzen Abend vor dem Fernseher, obwohl ich damals direkt im Zentrum des Geschehens, in Berlin (West), wohnte. Aber nur einen Tag später, am 10.11., bin ich mit einem Freund, Ali, zum Grenzübergang gefahren, um neugierig Richtung Berlin (Ost) zu gehen. Am Grenzübergang verlangte man unsere Personalausweise - die wir nicht dabei hatten. So fuhren wir zurück nach Hause, um sue zu holen. Als wir zum zweiten Mal am Grenzübergang aufschlagen, war es schon so voll und unübersichtlich, dass niemand mehr nach einem Ausweus fragte. Wir sind einfach durchgelaufen und hatten einen der aufregendsren Abende, an die ich mich erinnern kann. Viele Grüße, Ulrich Berlin

Schmalz, Hartmu schrieb am 06.08.2021, 12:16 Uhr

Also.Ich habe damals im Dresdner Raum auf dem Bau gearbeitet. Und in den Frűhstűcks u Mittagspause wurde ja auch viel erzählt. Aber ich wűsste nicht das der August eine besondere Rolle gespielt hat. In Sachsen waren die Berliner Geschichten sowieso ziemlich wurst. Und in der Familie war der Opa der einzige der einmal den Rias abhörte. Ich glaub mal, da sind auch die meisten froh gewesen das die abhauerei endlich mal aufhört. In Berlin wird man das evtl anders gesehen haben. Wie heute auch noch

Kommentar hinzufügen

Bitte beachten: Es dürfen keine externen Links, Adressen oder Telefonnummern veröffentlicht werden. Kommentare erscheinen nicht sofort, sondern werden erst durch die Redaktion freigeschaltet.

* Pflichtfelder