Jürgen Maurer ist Gerd Schmidt

Gerd Schmidt (Jürgen Maurer) und Else Schmidt (Katharina Marie Schubert) schauen ihrer Tochter Toni nach.
Gerd Schmidt und Else Schmidt schauen ihrer Tochter Toni nach. | Bild: ARD/Odeon Fiction / Zuzana Panská

Der erfolgreiche Bauunternehmer ist ein echter Macher und für seine Beschäftigten ein kumpelhafter Arbeitertyp. Aber er ist ebenso sehr gut vernetzt bis in die höchsten gesellschaftlichen und politischen Kreise. Im Krieg war Gerd nicht nur ein ranghoher Offizier; er hat seinem alten Freund Reinhard Gehlen auch noch entscheidend dabei geholfen, einen Nachkriegsdeal mit den Amerikanern zu verhandeln. Das hat Gehlen ihm in seiner Funktion als Geheimdienstchef nicht vergessen – und so kann sich Gerd Schmidt über eine stets gute Auftragslage freuen. Jedoch bewegt sich nicht alles, was Gerd mit seinen LKWs transportiert, im Rahmen der Gesetze. Und auch sonst hat er seine Geheimnisse. Nach außen ist Gerd stets der liebende Familienvater. Vor allem seine Tochter Toni liegt ihm am Herzen. Er verschafft ihr eine Stellung als Fremdsprachensekretärin in der Organisation seines alten Freundes Gehlen – ohne zu ahnen, dass dies ihre Beziehung maßgeblich verändern wird.

Was macht „BONN — Alte Freunde, neue Feinde“ so besonders?

Die Serie beleuchtet eine Zeit der jüngeren deutschen Geschichte, die noch keinen differenzierten Eingang ins kollektive Bewusstsein gefunden hat. Die innenpolitischen Zustände in den 50er Jahre waren so weit vom konfliktfreien Klischee des „deutschen Wirtschaftswunders“ entfernt, dass es einen umhaut.

Was treibt Ihre Figur an und welche Konflikte machen sich in ihrem Innersten bemerkbar?

Als Vater der weiblichen Hauptfigur spiele ich einen zeittypischen Patriarchen. Ex-Nazi mit besten Verbindungen zur Organisation Gehlen, und als Bauunternehmer sehr involviert in bis heute unter Verschluss stehenden Maßnahmen zur Abwehr des Kommunismus in WestDeutschland. Eine sehr ambivalente Figur zwischen Familienmensch und politisch fehlgeleitetem Silberrücken. Mit einem sehr, sehr dunklen Fleck in seiner Vergangenheit. Es war ein großes Vergnügen, diesem Schmidt auf die Schliche kommen zu wollen.

Die Serie beruht auf wahren Geschehnissen. Wie wichtig ist dieses Kapitel der deutschen Nachkriegsgeschichte in der heutigen Zeit?

Nach dem ersten Lesen der Bücher habe ich unsere Regisseurin und Headautorin Claudia Garde nach dem Fiktions-Realitäts-Gehalt der Geschichte gefragt und sie sagte 20:80 – ich hätte eher geglaubt, es wäre umgekehrt. Und das zeigt: Es ist hoch an der Zeit, dass wir anfangen, uns auch mit unserer jüngeren Vergangenheit auseinander zu setzen.

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