Mercedes Müller ist Toni Schmidt

Toni (Mercedes Müller) hört ein verschwörerisches Gespräch zwischen Gehlen (Martin Wuttke) und Radke (Daniel Drewes) mit.
Toni hört ein verschwörerisches Gespräch zwischen Gehlen und Radke mit. | Bild: ARD/Odeon Fiction / Kai Schulz

Gemeinsam mit ihrem Vater Gerd, ihrer Mutter Else und ihrer jüngeren Schwester Ingrid wohnt die 20-jährige Toni in einer großzügigen Villa in Bonn. Ihr Vater ist ein erfolgreicher Bauunternehmer und tut alles, um seine beiden Töchter — vor allem aber Toni — glücklich zu machen. So ermöglicht er ihr auch ein Auslandsjahr als Au Pair im fernen London. Nach Tonis Rückkehr ist die Freude über das Wiedersehen mit ihrer Familie und ihrem Verlobten Hartmut Redlich zunächst riesig. Doch die Zeit in England hat Toni verändert; sie ist eine selbst- bewusste Frau geworden, die die bestehenden Strukturen und gesellschaftlichen Ansprüche ihrer Zeit und vor allem der bundesdeutschen Gesellschaft in Frage stellt — und damit das für sie vorgesehene Leben. Denn für die neugierige und kluge junge Frau ist ein Leben mit Ehemann, Kindern und Eigenheim keine besonders attraktive Perspektive. Sie sehnt sich nach Selbstbestimmung und will vor allem nicht — wie ein Großteil der deutschen Gesellschaft — die Lügen der Vergangenheit vergraben, selbst wenn davon ihre eigene Familie betroffen ist. Das Schicksal ihres Bruders Stefan, der nicht aus dem Krieg heimgekehrt ist, liegt ihr dunkel auf der Seele; und die Gräben, die sich zwischen ihr und ihrem Vater nach und nach auftun, fordern ihr Mut und Haltung ab. Vielleicht erstaunt sie sich sogar selber damit, wie unnachgiebig und stark sie nicht nur reagieren, sondern auch handeln kann.

Was macht „BONN — Alte Freunde, neue Feinde“ so besonders?

Jeder Charakter ist vielschichtig erzählt und hat spannende Entwicklungen. Die vielen Handlungsstränge, die geschichtlich relevant sind, bieten jedem die Möglichkeit mitzufiebern, egal ob man das Drama, die Liebesgeschichte oder den Thriller präferiert. Die Serie kombiniert alles miteinander und lässt einen nicht mehr los.

Was treibt Ihre Figur an und welche Konflikte machen sich in ihrem Innersten bemerkbar?

Toni möchte mehr vom Leben, als zu der Zeit für Frauen vorgesehen war. Sie sieht sich nicht als Mutter und Hausfrau, sondern möchte ihren Interessen nachgehen und beginnt in der Organisation Gehlen zu arbeiten. Dort und in ihrer eigenen Familie wird sie mit brutalen Wahrheiten konfrontiert, die ihre Welt erschüttern. Sie weiß nicht mehr, wem sie vertrauen kann und muss entscheiden, ob sie in die „sichere, heile“ Familienwelt zurückkehrt, die nur durch Lügen und Schweigen bestehen bleibt, oder ob sie ihrem moralischen Kompass folgt, wodurch sich ihr Leben maßgeblich verändern würde.

Die Serie beruht auf wahren Geschehnissen. Wie wichtig ist dieses Kapitel der deutschen Nachkriegsgeschichte in der heutigen Zeit?

Ich finde es wichtig, dass einem bewusst wird, wie groß der Einfluss von Altnazis beim Wiederaufbau Deutschlands war. Rechtsextreme, rassistische und fremdenfeindliche Gedanken sind leider auch heute noch aktuell und werden gerade wieder lauter. Wir dürfen nicht vergessen, wohin Hass führen kann und sollten immer dagegen ankämpfen!

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