Sebastian Blomberg ist Otto John

(Person der Zeitgeschichte)

Otto John (Sebastian Blomberg) stimmt der Vereinbarung mit dem Mossad zu.
Otto John stimmt der Vereinbarung mit dem Mossad zu. | Bild: ARD/Odeon Fiction / Kai Schulz

Otto John ist seit 1950 der erste Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz (BfV). Der gebildete Charismatiker gehört im Zweiten Weltkrieg der Widerstandgruppe um Stauffenberg an. Nach dem Scheitern des Attentats auf Adolf Hitler gelingt ihm die Flucht nach England. Er ist mit Lucie verheiratet, einer Sängerin und Musikwissenschaftlerin, die aus einer gutbürgerlichen jüdischen Familie in Berlin stammt. Für John ist das BfV Mittel zum Zweck, seine eigene Mission, insbesondere das Aufspüren untergetauchter Nationalsozialisten, zu verfolgen. Mit allen Mitteln will er diese an der Flucht ins Ausland hindern. Hier setzt John seinen besten Agenten Wolfgang ein, der wie er ein obsessiver „Nazijäger“ ist. Reinhard Gehlen, Chef der Organisation Gehlen, ist Johns größter Kontrahent. John ist überzeugt, dass dieser seine Arbeit sabotiert. Trotz seines humorvollen, großzügigen Auftretens ist John extrem ehrgeizig — fast skrupellos, sofern es seiner Sache dient.

Was macht „BONN — Alte Freunde, neue Feinde“ so besonders?

Es ist deswegen so aufregend, die frühen 50er Jahre aus den Geheimdiensten Verfassungsschutz und Organisation Gehlen heraus zu erzählen, weil sich darin das ganze Spektrum deutscher Nachkriegsgeschichte abbildet. Schon ihre Leiter Reinhard Gehlen und Otto John gehörten gegensätzlichen Seiten dieses Spektrums an und waren unterschiedlich erfolgreich damit beschäftigt, dem neuen deutschen Staat eine Prägung zu geben. Der eine als eiskalter Taktiker, Unterhändler der Westmächte und kalter Krieger, der andere als Humanist und Überzeugungstäter.

Was treibt Ihre Figur an und welche Konflikte machen sich in ihrem Innersten bemerkbar?

Otto John ist der erste Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, des neu gegründeten deutschen Inlandsgeheimdienstes. Dieses Amt wurde zum Schutz der Verfassung des noch jungen demokratischen Staates erschaffen, weil man verhindern wollte, dass sich Geschichte wiederholt. Und das treibt ihn an, das ist seine Mission, der er sich zu 100 Prozent verschrieben hat. Ich habe mich natürlich mit der Figur beschäftigt, auch viel mit meinem Vater gesprochen, der 1954 sein Abitur gemacht hat und zu der Generation der Kriegskinder gehört. Es ist ein Wagnis, wenn man so eine große historische Figur in einem fiktionalen Umfeld spielt. Aber die Szenen haben ihren Schwung und ihre Dynamik, ihren Suspense und ihre Spannung und eine große Eleganz zwischen den fiktionalen und historischen Teilen.

Die Serie beruht auf wahren Geschehnissen. Wie wichtig ist dieses Kapitel der deutschen Nachkriegsgeschichte in der heutigen Zeit?

Das Thema der Serie weist bis in unsere Zeit. Rechtes Gedankengut, Xenophobie und Rassismus sind weiter, vielleicht mehr denn je, lebendig. Populisten haben Konjunktur, rechtsextreme Politiker gewinnen Wahlen mit der plumpen Verbreitung von Hass und Angst, autoritäre Herrscher führen Krieg in Europa und anderswo, gegen fremde Länder und das eigene Volk. Damit weist die Serie erschreckend viele historische Parallelen zu heute auf.

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