Personen der Zeitgeschichte

Die Serie beruht auf wahren Begebenheiten im Spannungsfeld des Kalten Krieges. Hier erfahren Sie mehr über die Personen der Zeitgeschichte, wie Otto John, Reinhard Gehlen oder Albert Radke, die auch in der Serie eine Rolle spielen.

Otto John

Dr. Otto John (Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz; undatierte Aufnahme)
Dr. Otto John (Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz; undatierte Aufnahme) | Bild: picture-alliance / dpa | DB

Otto John (1909—1997) ist zwischen 1950 und 1954 der erste Präsident des deutschen Inlandsgeheimdienstes Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV). Der gebildete Charismatiker gehört im Zweiten Weltkrieg der Widerstandgruppe um Stauffenberg an; nach dem Scheitern des Attentats auf Adolf Hitler gelingt ihm die Flucht ins Ausland. Nach dem Weltkrieg lebt er zunächst in England. Für ihn ist das BfV auch Mittel zum Zweck, seine eigene Agenda hinsichtlich der Verbesserung demokratischer Strukturen in Deutschland, einer Verfolgung untergetauchter Nationalsozialisten und eigener Wiedervereinigungspläne zu verfolgen. Denn trotz seines humorvollen, großzügigen Auftretens ist er extrem ehrgeizig — und sogar skrupellos, sofern es seiner Sache dient. Die unbeugsame Energie für diese seine Sache speist sich aus einem persönlichen Trauma: Sein Bruder Hans (Jahrgang 1911) gehört ebenfalls der Widerstandsgruppe um Stauffenberg an. Im Gegensatz zu seinem älteren Bruder wird Hans aber nach dem gescheiterten Attentat im August 1944 verhaftet. Im Februar 1945 schließlich wird Hans John vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt und in der Nacht zum 23. April 1945 auf einem Gelände beim Berliner Zellengefängnis Lehrter Straße von einem Sonderkommando aus dem Reichssicherheitshauptamt erschossen.

Reinhard Gehlen

Reinhard Gehlen; Aufname von 1943
Reinhard Gehlen; Aufname von 1943 | Bild: picture alliance / ASSOCIATED PRESS | -

Der ehemalige Generalmajor der Wehrmacht (1902—1979) leitet im Zweiten Weltkrieg die Abteilung Fremde Heere Ost (FHO) im Generalstab des Heeres. Anfang März 1945, rechtzeitig vor Kriegsende, läßt Gehlen die gesamten nachrichtendienstlichen Materialien von wenigen handverlesenen Mitarbeitern auf Mikrofilm vervielfältigen und, in wasserdichten Fässern verpackt, verteilt auf mehrere Bergwiesen in den Alpen vergraben. Mit diesem Pfand ist er ein interessanter Gesprächspartner für die Alliierten, besonders die Amerikaner. Nach seiner Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft im Juli 1946 baut er mit dem Einverständnis und der finanziellen Unterstützung der amerikanischen Besatzungsmacht einen Auslandsnachrichtendienst auf, die "Organisation Gehlen", die 1956 in den Bundesnachrichtendienst (BND) überführt wird. Der überaus machtbewusste Gehlen führt seine Organisation systematisch auch als Auffangbecken für alte Kameraden, die er als "freie Mitarbeiter" in seinem Dienst unterbringt. Bei der Verschleierung dieser Tatsache helfen ihm auch seine ausgeprägt guten Kontakte zu Politik und Wirtschaft. Der gewandte Menschenkenner Gehlen will, dass sich sämtliche deutsche Geheimdienstaktivitäten unter einem Dach sammeln. Dem Dach der Organisation Gehlen.

Lucie John

Die in Berlin geborene und 1933 nach London emigrierte Lucie Manén war Sängerin und Musikwissenschaftlerin. Sie stammte aus einer gutbürgerlichen, jüdischen Familie; ihr Vater war Arzt und gut mit dem späteren Bundespräsidenten Theodor Heuss bekannt. Noch in England heiratete sie 1949 den zehn Jahre jüngeren Otto John — und ging mit ihm 1950 nach Deutschland, in das Land der Täter, zurück. Sie brachte eine Tochter in die Ehe ein.

Hans Globke

Bundeskanzler Konrad Adenauer (r.) und sein engster Vertrauter Hans Globke, Staatssekretär im Kanzleramt; Aufnahme vom Januar 1963
Bundeskanzler Konrad Adenauer (r.) und sein engster Vertrauter Hans Globke, Staatssekretär im Kanzleramt; Aufnahme vom Januar 1963 | Bild: picture alliance/dpa | UPI

Der Verwaltungsjurist Hans Globke (1898—1973) ist während der Nazi-Herrschaft im Reichsinnenministerium tätig. Er ist Mitverfasser und Kommentator der Nürnberger Rassengesetze von 1935; außerdem ist er verantwortlicher Ministerialbeamter für die Namensänderungsverordnung von 1938, deren Ziel es ist, jüdische Deutsche anhand ihres Vornamens kenntlich zu machen. In seinem Entnazifizierungsverfahren gibt Globke an, im Widerstand gewesen zu sein; er wird schließlich als "unbelastet" eingestuft. Seit 1949 arbeitet Globke im Bundeskanzleramt unter Bundeskanzler Konrad Adenauer, zunächst als Ministerialdirigent, später als Ministerialdirektor. Zwischen 1953 und 1963 ist Globke Chef des Bundeskanzleramts und gehört damit zu den engsten Mitarbeitern des Kanzlers. In seinen Zuständigkeitsbereich fällt auch die Kontrolle der deutschen Geheimdienste, was ihm zu einer nicht zu unterschätzenden Machtfülle verhilft. 1958 verfasst Globke den "Globke-Plan", einen Vorschlag zur deutschen Wiedervereinigung, der allerdings nur wenig Widerhall und keine Umsetzung fand.

Albert Radke

Albert Radtke (Vizepräsident des Bundesamtes für Verfassungsschutzes; Aufnahme vom 11.02.1955)
Albert Radtke (Vizepräsident des Bundesamtes für Verfassungsschutzes; Aufnahme vom 11.02.1955) | Bild: picture alliance / Georg Brock | Georg Brock

Der ehemalige Verbindungsoffizier der Wehrmacht zur Gestapo (1899—1979) ist von 1951 bis 1964 Vizepräsident im Bundesamt für Verfassungsschutz. Als Oberst ist Radke an den Untersuchungen gegen die Teilnehmer des Attentats vom 20. Juli 1944 beteiligt. Unter dem Decknamen "Riedinger" ist der undurchsichtige Mann zwischen 1946 und 1950 leitender Mitarbeiter der Organisation Gehlen. Als klar wird, dass Reinhard Gehlen sich 1950 erfolglos darum bewirbt, neben seiner eigenen Organisation auch das Bundesamt für Verfassungsschutz zu leiten, kann er immerhin durchsetzen, dass mit Radke einer seiner engsten Vertrauten als Vizepräsident des BfV eingesetzt wird. Radke hält durchgehend Kontakt zu Reinhard Gehlen und gibt skrupellos und von den eigenen politischen Interessen geleitet Informationen weiter: Einsätze, Zielpersonen, Untersuchungsergebnisse des BfV, alles landet schließlich auf Gehlens Schreibtisch. Zudem nutzt der Vizepräsident seine Aufgabenbereiche, um nach dem Vorbild der Organisation Gehlen alte Nazi-Schergen als freie Mitarbeiter für das Bundesamt einzustellen.

Gerhard Schröder

Gerhard Schröder (CDU-Politiker; undatierte Aufnahme)
Gerhard Schröder (CDU-Politiker; undatierte Aufnahme) | Bild: picture-alliance / Kurt Rohwedder | Kurt Rohwedder

Der CDU-Politiker (1910—1989) bekleidet zwischen 1953 und 1961 das Amt des Bundesministers des Inneren; im Anschluss daran ist er als Außenminister (1961—1966) und Verteidigungsminister (1966—1969) Mitglied des Bundeskabinetts. Bei der Wahl zum Bundespräsidenten unterliegt er 1969 dem SPDKandidaten Gustav Heinemann nur knapp. Seit 1941 ist Schröder mit seiner Frau Brigitte verheiratet, die laut den Nürnberger Rassengesetzen als "Mischling" zu bezeichnen ist. Als Obergefreiter der Wehrmacht nimmt er am Russland-Feldzug teil, wird aber verletzt und ist bis 1943 kriegsuntauglich. Nachdem Schröder im Juni 1945 aus britischer Kriegsgefangenschaft entlassen wird, gehört er zu den Mitbegründern der CDU.

Alois Brunner

Alois Brunner; Aufnahme von 1940
Alois Brunner; Aufnahme von 1940 | Bild: picture alliance / ---/Polizei/dpa | ---

Der SS-Hauptsturmführer Alois Brunner (1912—2001 oder 2009 oder 2010) ist der wichtigste Mitarbeiter von Adolf Eichmann. Der fanatische Judenhasser trägt die Verantwortung für die Deportation von Hunderttausenden Juden; an den Stationen seiner Tätigkeiten (z.B. Wien oder Paris) hinterläßt er eine Spur des Grauens. Nach 1945 arbeitet Brunner unter wechselnden Identitäten als LKW-Fahrer in Bayern oder als Bergmann in Nordrhein-Westfalen. Von französischen Militärgerichten wird er 1954 in Abwesenheit zweimal zum Tode verurteilt. Kurz vor seiner Enttarnung in der Bundesrepublik setzt er sich unter falschem Namen und mit der Hilfe regierungsnaher Personen 1954 in die syrische Hauptstadt Damaskus ab — einer seiner wichtigsten Fluchthelfer ist dabei Reinhard Gehlen. Die offizielle Fahndung nach Alois Brunner wird erst im Juli 2022 beendet, der bis dahin immer noch existierende Haftbefehl wird aufgehoben.

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