Julia Koschitz als Amy McCoy

Julia Koschitz als Amy McCoy

Amy McCoy lässt Anneliese Strumm gegenüber nicht erkennen, dass sie sich in Deutschland besser auskennt als ihre Gastgeberin wissen kann.
Amy McCoy lässt Anneliese Strumm gegenüber nicht erkennen, dass sie sich in Deutschland besser auskennt als ihre Gastgeberin wissen kann. | Bild: SWR/FFP New Media GmbH / Martin Valentin Menke

Amy McCoy kennt beide Welten, die "Ein Hauch von Amerika" erzählt. Wie blickt sie auf Kaltenstein und das Nachkriegsdeutschland?

Es bleibt zwar nur eine Andeutung, aber wir sind davon ausgegangen, dass Amy McCoy einen jüdischen Hintergrund hat. Insofern ist das Zurückkommen in das Nachkriegsdeutschland für sie mehr als ambivalent und erstmal nur als Zugeständnis zu ihrem Ehemann und dessen beruflicher Situation zu verstehen. Sie wäre von sich aus nie zurück gegangen. Kaltenstein ist für sie die Begegnung mit einer komplett zurückgebliebenen Welt, rückständig in jeder Hinsicht, die mit ihrer grausamen Vergangenheit sehr unaufgeklärt umgeht. Auf der anderen Seite ist Deutschland ihre verlorene Heimat, die sie durch die Begegnung mit Marie ein wenig zurück bekommt.

Amy McCoy unterstützt Marie und ist bereit, für sie ins Risiko zu gehen. Was verbindet die beiden Frauen?

Beide Frauen haben den Drang nach Unabhängigkeit und nach Selbstverwirklichung. Amy hatte die Möglichkeit, ihrem Bedürfnis nach Freiheit mit einer gutbürgerlichen Erziehung und Bildung in einem fortschrittlichen Land wie Amerika und an der Seite eines gut verdienenden Mannes in angesehener Stellung nachzugehen. Die ungleichen Bedingungen für Marie sind offensichtlich, aber Amy sieht von Anfang an das Potential in ihr. Und sie mag sie, sehr sogar. In Kaltenstein ist Amy zurückgeworfen auf sich selbst, ziemlich einsam und ohne Aufgabe. Marie füllt diese Lücke und wird zu ihrer Aufgabe. Dafür geht sie auch große Risiken ein.

Amy eröffnet Marie das Tor zu einer freien Welt. Wie frei ist sie selbst?

Sie fühlt sich so unfrei, wie es Marie nie für möglich halten würde. Um so mehr, da sie eine Ahnung hat von Freiheit, der äußeren wie vor allem der inneren. Ihre Liebe für Kunst und Literatur, für die Menschen, die sich innerlich befreit haben, oder es zumindest versuchen, ist groß. Ihre Sehnsucht nach genau diesem Gefühl ist es auch, nur muss sie sich spätestens in Kaltenstein eingestehen, dass ihr Mut dafür nicht gereicht hat. Mit Alkohol versucht sie, diese Niederlage zu betäuben, und durch ihren Einsatz für Marie kann sie ihr ein bisschen was entgegensetzen.

Handelt es sich bei Amy um eine "emanzipierte" Frau?

In ihrer Zeit auf jeden Fall. Genauso wie Marie hat Amy ein großes Potential, über den Tellerrand hinauszuschauen. Sie ist intelligent, feinfühlig, hat Humor und hatte durch ihre gesellschaftliche Stellung gute Voraussetzungen, um etwas aus ihren Fähigkeiten zu machen. Ob es der fehlende Mut, der fehlende Antrieb oder ein selbstzerstörerischer Zug in ihr ist, sie ist neben ihrem Mann gewissermassen eingeknickt. Trotzdem halte ich ihr zugute, dass sie sich als Frau in ihrer Zeit und die Gesellschaft ihrer Zeit hinterfragt, einen jungen Menschen wie Marie auf ihrem Weg der Emanzipation unterstützt und dabei bereit ist, auch unbequeme Konsequenzen zu tragen.

4 Bewertungen
Kommentare
Bewerten

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Bitte beachten: Kommentare erscheinen nicht sofort, sondern werden innerhalb von 24 Stunden durch die Redaktion freigeschaltet. Es dürfen keine externen Links, Adressen oder Telefonnummern veröffentlicht werden. Bitte vermeiden Sie aus Datenschutzgründen, Ihre E-Mail-Adresse anzugeben. Fragen zu den Inhalten der Sendung, zur Mediathek oder Wiederholungsterminen richten Sie bitte direkt an die Zuschauerredaktion unter info@daserste.de. Vielen Dank!

*
*

* Pflichtfeld (bitte geben Sie aus Datenschutzgründen hier nicht Ihre Mailadresse oder Ähnliches ein)

Kommentar abschicken

Ihr Kommentar konnte aus technischen Gründen leider nicht entgegengenommen werden

Kommentar erfolgreich abgegeben. Dieser wird so bald wie möglich geprüft und danach veröffentlicht. Es gelten die Nutzungsbedingungen von DasErste.de.

Die Darsteller:innen und ihre Rollen