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Krieg der Träume: 13 reale Schicksale

11. November 1918. Der Erste Weltkrieg ist zu Ende. Für Millionen von Menschen in Europa beginnt eine Reise ins Ungewisse. "Krieg der Täume" folgt den Lebenswegen von 13 ausgesuchten Protagonisten Protagonisten, überwiegend jungen Frauen und Männern aus Frankreich, Deutschland, Polen, Österreich, Schweden, Großbritannien, der Sowjetunion und Italien, die auf der Suche sind nach einem neuen Leben und von einer besseren Welt träumen. Als Quelle für die Drehbücher dienten ihre Aufzeichnungen: Tagebücher, Memoiren, Briefe, aber auch Biographien.  | Bild: SWR

11. November 1918. Der Erste Weltkrieg ist zu Ende. Für Millionen von Menschen in Europa beginnt eine Reise ins Ungewisse. "Krieg der Täume" folgt den Lebenswegen von 13 ausgesuchten Protagonisten Protagonisten, überwiegend jungen Frauen und Männern aus Frankreich, Deutschland, Polen, Österreich, Schweden, Großbritannien, der Sowjetunion und Italien, die auf der Suche sind nach einem neuen Leben und von einer besseren Welt träumen. Als Quelle für die Drehbücher dienten ihre Aufzeichnungen: Tagebücher, Memoiren, Briefe, aber auch Biographien.

Hans Beimler (Jan Krauter), geboren 1895, dient im Ersten Weltkrieg als Obermaat in der Kaiserlichen Marine und beteiligt sich am Matrosenaufstand 1918. Beimler zählt zu den Gründungsmitgliedern der Kommunistischen Partei. Während seiner politischen Laufbahn wird der gelernte Schlosser Stadtrat von Augsburg, Abgeordneter im Bayerischen Landtag und im Deutschen Reichstag. Nach der Machtergreifung der NSDAP geht er in den Widerstand. Nach mehreren Jahren auf der Flucht und in Moskau schließt er sich 1936 den Internationalen Brigaden im Spanischen Bürgerkrieg an. Am 1. Dezember 1936 fällt Hans Beimler in Madrid.

Pola Negri (Michalina Olszanska) wird 1897 als Apolonia Chałupiec in der polnischen Stadt Lipno geboren. Durch ihre Zusammenarbeit mit dem Regisseur Ernst Lubitsch wird sie nach Ende des Ersten Weltkriegs in Berlin zum Stummfilmstar. 1922 erhält sie einen Vertrag von Paramount Pictures und geht nach Hollywood. Nach der Erfindung des Tonfilms wird Pola Negri allerdings kaum noch besetzt, da ihr starker Akzent die Zuschauer irritiert. Durch die Weltwirtschaftskrise verliert sie ihr Vermögen. Daraufhin kehrt Pola Negri nach Deutschland zurück, wo das NS-Regime ab 1935 versucht, sie für seine Propagandafilme zu instrumentalisieren. Sie flieht zunächst nach Frankreich und kehrt Anfang der 1940er Jahre in die USA zurück.

Rudolf Höß (Joel Basman) wird 1900 in Baden-Baden als Sohn einer streng katholischen Familie geboren. Während des Ersten Weltkriegs meldet er sich freiwillig und schließt sich nach Kriegsende einer Freikorpsgruppe an, die in Polen und im Baltikum gegen deutsche Gebietsabtretungen aufgrund des Versaillers Vertrags kämpft. Nach einer mehrjährigen Haftstrafe zieht er Ende der 1920er Jahre mit seiner Familie zunächst aufs Land, wo er sich dem völkischen Artamanen-Bund anschließt. Die Begegnung mit Heinrich Himmler, 1934, ist der Beginn seiner steilen Karriere bei der SS. Höß wird 1940 Kommandant des Konzentrationslagers Auschwitz und ist verantwortlich für den Tod von mehr als einer Million Menschen.

Marie-Jeanne Picqueray (Solène Rigot), 1898 in Savenay im Westen Frankreichs geboren, geht nach dem Ersten Weltkrieg nach Paris, wo sie sich den Anarchisten anschließt. Leidenschaftlich kämpft sie im Paris der 1920er Jahre für das Ideal einer klassen- und hierarchielosen Gesellschaft. Sie bleibt ihr Leben lang politisch engagiert. In den 1930er Jahren beherbergt sie Flüchtlinge aus dem Spanischen Bürgerkrieg, und während des Zweiten Weltkriegs fälscht die dreifache Mutter Pässe für Juden und politisch Verfolgte.

Edith Wellspacher (Roxane Duran) gehört zu den ersten Frauen in Österreich, die zum Medizinstudium zugelassen werden. Die politischen Verstrickungen der überzeugten Sozialistin in der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg sind privater Natur: Ihr Lebensgefährte ist Jude. Gleichzeitig hat Edith Wellspacher eine Affäre mit einem älteren Kollegen, der sich zwar als Kommunist ausgibt, jedoch Mitglied der NSDAP ist. Kurz nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich wird ihr jüdischer Lebensgefährte verhaftet und ins KZ deportiert. Im Sommer 1938 flieht Edith Wellspacher aus Österreich nach Tasmanien.

Marcel Jamet (Robinson Stévenin) strebt nach den Entbehrungen des Ersten Weltkriegs ein angenehmes Leben im Luxus an. In Argentinien verdient er als Zuhälter ein Vermögen. Er kehrt nach Paris zurück und steckt das Geld in ein kleines, heruntergekommenes Bordell. In kurzer Zeit macht er das „OneTwoTwo“ zum berühmtesten Edeletablissement des Landes, wo die internationale High Society, aber auch Militärs, Geheimdienstmitarbeiter und Politiker ein- und ausgehen.

Marina Yurlova (Natalia Witmer) wird um 1900 in einem kleinen Dorf nördlich des Kaukasus geboren. Die Tochter eines Obersts der Kuban-Kosaken ist gerade 14 Jahre alt, als ihr Vater im August 1914 in den Krieg zieht. Auf der Suche nach ihm wird sie zur Kindersoldatin in der Russischen Armee. 1917 gerät sie in die Wirren des Bürgerkriegs, flüchtet aber schließlich in die Vereinigten Staaten. Dort macht sie Karriere als Tänzerin und Schriftstellerin.

Silvio Crespi (Gennaro Cannavacciuolo), Großindustrieller und Politiker, nimmt für Italien an den Versailler Friedensverhandlungen teil. Der erfolgreiche Textilunternehmer ist ein überzeugter Liberaler. Dennoch unterstützt er die Faschisten unter Benito Mussolini. Mit der Weltwirtschaftskrise 1929 gerät das kreditfinanzierte Wachstum von Crespis Firmengruppe ins Wanken. Anfang der 1930er Jahre muss er Konkurs anmelden.

Elise Ottesen (Rebecka Hemse) wird 1886 als 17. Kind eines norwegischen Pfarrers geboren. Sie wird Schwedens erste Sexualaufklärerin – in einer Zeit, in der sexuelle Aufklärung, Verhütung und Abtreibung noch verboten sind. Überall in Westeuropa gelten in den 1920er Jahren strenge Sexualgesetze. Elise Ottesen schreibt Artikel für linke Zeitungen und veranstaltet sozialistische Bildungsabende für Arbeiterfrauen. 1926 veröffentlicht sie ihr Buch "Unwillkommene Kinder" und wird dadurch als Frauenrechtlerin auch international bekannt.

Stepan Podlubny (Pyotr Skvortsov) muss als Sohn eines ukrainischen Kulaken im bolschewistischen Russland schon früh seine wahre Identität verbergen. Im Moskau der 1930er Jahre wird der Medizinstudent als Spitzel vom Geheimdienst NKWD rekrutiert. Als immer mehr Kommilitonen und schließlich auch seine Mutter verschwinden, nimmt Podlubny eine zunehmend kritische Haltung gegenüber dem stalinistischen System ein. Im Herbst 1939 wird er selbst verhaftet und muss für mehrere Jahre in ein Arbeitslager.

Unity Mitford (Charlotte Merriam) wächst als Tochter des zweiten Barons Redesdale auf. Sie ist eine glühende Verehrerin Adolf Hitlers und lernt ihn 1935, mit 21 Jahren, in München persönlich kennen. Ihre Begeisterung für den Faschismus steht in krassem Gegensatz zum kommunistischen Engagement ihrer jüngeren Schwester Jessica. Neben zahlreichen privaten Treffen mit Hitler nimmt Unity auch an öffentlichen Auftritten der NS-Elite in Deutschland teil und wirbt gleichzeitig in Großbritannien für die NS-Ideologie und für ein starkes Bündnis mit Deutschland. Als Großbritannien dem Deutschen Reich am 3. September 1939 den Krieg erklärt, schießt sich Unity Mitford in München eine Kugel in den Kopf.