Kostümbildnerin Myriam Tümmers im Interview

"Wir arbeiten wie Profiler!"

Myriam Tümmers und Isabell Ege
Myriam Tümmers kleidet Isabell Ege als "Jessica" ein. | Bild: ARD / Christof Arnold

Ob elegant, sportlich oder total ausgeflippt – jede Rolle bei "Sturm der Liebe" hat ihren eigenen, unverkennbaren Stil. Verantwortlich dafür ist seit August 2017 Myriam Tümmers. Sie leitet die Kostümabteilung der Produktion. Aber wie entsteht eigentlich der Look einer Figur? Ein Gespräch über Kreativität, Ideen und den Drehalltag.

Liebe Myriam, wie kamst du auf den Beruf Kostümbildnerin?

Über das Theaterspielen. Ich habe in der Schulzeit und auch später noch selbst gespielt und war lange hin- und hergerissen, auf welche Seite ich später gehen möchte. Mit 18 habe ich meinen ersten Kurzfilm kostümiert, so bin ich parallel zum Theaterspielen und Kostüme machen zum Film gekommen. Da ich mir eine gute Basis schaffen wollte, habe ich Textil- und Modedesign studiert und später den Diplom-Ingenieur gemacht, um auch das technische Wissen zu haben. Das war das Beste, was ich machen konnte.

Wie ging es dann weiter?

Nach dem Studium habe ich vier Jahre lang als Strickdesignerin gearbeitet. Parallel habe ich aber weiterhin noch Kostüme gemacht. Dafür habe ich teilweise meinen Urlaub geopfert oder sogar unbezahlten Urlaub genommen. Aber das war es mir wert, denn es waren alles interessante Projekte, die ich unbedingt machen wollte.

Du sprichst vom "Kostüme machen". Was kann man sich darunter vorstellen?

Das ist zum einen ein Kostümkonzept zu erstellen, was einen Prozess vom ersten Entwurf bis zum Anfertigen bedeutet. Zum anderen gehört aber genauso dazu, Kleidung dementsprechend zu kaufen oder auszuleihen.  Es ist im Idealfall eine Kombination von beidem.

Myriam Tümmers in der Garderobe
Myriam Tümmers vor einer Auswahl an Kleidern. | Bild: ARD / Christof Arnold

Wie bist du zu "Sturm der Liebe" gekommen?

Nach vier Jahren im gleichen Unternehmen hatte ich das Bedürfnis nach einer Veränderung und bewarb mich bei der Bavaria erst mal als Kostümassistentin. Plötzlich klingelte nur noch das Telefon, die Nachfrage war riesig. Als ich meinen festen Job schließlich für eine vergleichsweise unsichere Anstellung kündigte, schüttelten alle den Kopf. Aber ich habe es nie bereut, meine Chefposition zu verlassen, um als Assistentin anzufangen. Mein erstes Projekt war die Serie "Die Unzertrennlichen". Ein Jahr später wurde ich die Assistentin einer hochschwangeren Kostümbildnerin bei meinem ersten Film "Ein Mann für gewisse Sekunden". Nach der gemeinsamen Vorbereitung habe ich dann die Leitung übernommen. Es folgten die nächsten Jahre viele weitere Projekte, bis ich schließlich im August 2017 zum Sturm kam.

Welche ist die wichtigste Eigenschaft, die man beim Kostüm mitbringen muss?

Kreativität. Das kannst du für die ganze Branche sagen. Du musst kreativ sein, filmisch denken können, flexibel und spontan sein. Und natürlich das fachliche Wissen haben.

Was ist der größte Unterschied zwischen einer täglichen Serie und einem Film?

Beim Film ist es viel komprimierter als bei einer Serie. Die Hauptarbeit ist die Vorbereitung, drei Wochen lang ist volle Power geboten. In dieser Zeit muss das Kostüm zum größten Teil stehen. Danach betreust, beziehungsweise begleitest du hauptsächlich den Dreh. Im Prinzip ist der Unterschied, dass du beim Film zeitbegrenzt, sehr intensiv arbeitest und nach wenigen Wochen oder Monaten  ist es wieder vorbei. Wie beim Hochleistungssport: Du powerst 100 Meter durch und danach erholst du dich. Die Arbeit bei einer Serie vergleiche ich dagegen mit einem großen, ruhigen Fluss. Du arbeitest über einen langen Zeitraum jeden Tag recht stetig.

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