Kostümbildnerin Myriam Tümmers im Interview

"Wir arbeiten wie Profiler!"

Myriam Tümmers in der Garderobe
Für jede Rolle hat Myriam Tümmers die passenden Kleider ausgewählt. | Bild: ARD / Christof Arnold

Wie sieht denn deine Arbeitswoche bei "Sturm der Liebe" aus?

Für gewöhnlich kümmere ich mich montags um jeglichen Papierkram und lese die Outlines, also die Szenenbeschreibungen, die wir in ca. vier Wochen drehen werden. Ab Dienstag bin ich dann im Studio. Ein Tag sieht ungefähr so aus: Anproben, Änderungen und viele Kleinigkeiten, es ist immer etwas anderes. Momentan sind wir beispielsweise am Aussortieren, Reduzieren und Strukturieren. Mittwochs gehe ich mit einem der Assistenten in die Stadt, um das zu kaufen, was in der nächsten oder übernächsten Woche gebraucht wird. Donnerstags und freitags haben wir durchgehend Anproben, ändern ab und planen, was zum Schneider muss. So vergeht die Woche ruckzuck und schon ist Wochenende.

Welche Arbeitsfelder gibt es beim Kostüm?

Wir sind aktuell ein Team aus zehn Personen. Die Garderobieren betreuen die Schauspieler und den Dreh direkt am Set. Die Assistenten bereiten abwechselnd den nächsten Block vor. Das heißt, sie suchen für alle Szenen Outfits aus, die sie dann mit mir besprechen. Ich halte die Fäden in den Händen und versuche, den Überblick zu behalten und zu sehen, wo fehlt was, was muss geändert oder ergänzt werden. Ich habe zum Beispiel in den letzten Wochen die Kleiderschränke der Figuren aussortiert und so komprimiert, dass es eine Linie gibt. So ist jede Figur klarer zu erkennen.

Jede Rolle beim Sturm hat ihren eigenen Stil. Wie entstehen die einzelnen Looks?

Im Prinzip arbeiten wir wie Profiler und erstellen ein psychologisches Rollenprofil. Je mehr Infos, desto besser. Nehmen wir Xenia Saalfeld als Beispiel. Ihr Rollenprofil brachte sehr viel mit, das wir benutzen konnten. Xenia hat beispielsweise jahrelang in Paris gelebt. Da war mir sofort klar, dass wir sie Französisch anlegen, wie eine typische Pariserin. Diese Frauen sind relativ schlicht-elegant angezogen. Ohne große Spielereien, sehr clean. Dann kam bei ihr auch noch ein High-Class-Background durch eine Ehe mit einem reichen Mann dazu.

Wie äußert sich das in ihren Outfits?

Xenia kann man gut über Silhouette definieren, das heißt wenig Ablenkung, kleine Akzente. Das Innenleben einer Figur ist ebenfalls sehr wichtig. Xenia hat zum Beispiel auf der einen Seite etwas Dämonisches und Rachsüchtiges, auf der anderen Seite ist sie sehr verletzlich. Um das zu zeigen, haben wir besonders auf die Farben geachtet. Deswegen ist ihre Hauptfarbigkeit Schwarz-Weiß. Sie trägt aber auch Komplementärfarben wie Rot-Grün oder Gelb-Schwarz als schizophrene Farbkombination. Gleichzeitig hat jedes einzelne Teil etwas sehr Feminines, wie zum Bespiel Rüschen oder Schleifen und die Materialien sind ganz weich. Das ist ein weiterer Gegensatz, der gut zur Figur passt.

Wie geht es weiter, wenn du deine Ideen hast?

Meine Ideen bespreche ich mit der Producerin und der Produzentin. Dann lege ich los, besorge die Sachen, mache die Anproben. So bekommt die Figur ein reales Bild. Ich fotografiere jedes Outfit und sammle die Bilder an einer Pinnwand. So erkennt man am besten, ob sie funktionieren. Zum Schluss gibt es eine finale Abnahme. Dann steht der Look der Figur fest.

Myriam Tümmers in der Garderobe
Myriam Tümmers fotografiert alle Outfits und sammelt diese an einer Pinnwand. | Bild: ARD / Christof Arnold

Jessicas Stil ist ziemlich auffällig. Was steckt dahinter?

Die Rolle Jessica ist ein bisschen ausgeflippt. Sie wollte Model und Kosmetikerin werden. In diesem Milieu ist es ja fast schon ein Klischee, extravagant zu sein und das bedienen wir auch. Für uns ist das toll, denn wir können uns richtig austoben. Letztens haben wir zum Beispiel eine wahnsinnig tolle Tour durch Edel-Second-Hand-Läden gemacht. Da habe ich einige Kleidungsstücke gesehen und sofort gewusst: "Das ist Jessica!"  Das macht wirklich großen Spaß. Ich sage ja auch immer, ich arbeite eigentlich nicht, sondern übe mein Hobby aus.

Was macht dir in deiner Position bei "Sturm der Liebe" am meisten Spaß?

Alles! Der kreative Austausch mit dem Team. Es gibt wahnsinnig intensive Zeiten, in denen du auf die Uhr guckst und denkst: "Was, schon sieben Uhr? Das kann doch nicht sein." Aber dann gibt es auch wieder ruhigere Phasen. Es ist immer im Wechsel, das liebe ich.

Gibt es ein Wunschprojekt, das du gern umsetzen würdest?

Eine Zeitlang hatte ich den Wunsch, einmal einen "Tatort" zu machen. Aber ich habe in den  letzten Jahren bei so vielen Krimis gearbeitet, dass ich genug von Mord und Totschlag habe. Worauf ich sofort wieder Lust hätte, wäre eine richtig gute, intelligente, deutsche Komödie. Das fände ich super.

Das Interview für DasErste.de führte Daniela Westermayer.

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