v1.0 Untertitel: WDR mediagroup GmbH im Auftrag des WDR Wir begrüßen Sie zur Live-Untertitelung Herzlich willkommen zum Talk am Dienstag. Diesmal mit dem Kölner Treff. Wir haben tolle Gäste heute Abend. Wir beginnen mit ihm. Schauspieler, Musiker, Autor. Einer, der keine Grenzen akzeptiert. Ulrich Tukur (UT) Freue mich sehr, herzlich willkommen. Die beiden sind Weltmeister der Mentalmagier. Ich kann nur sagen, Vorsicht. Die können in Ihre Köpfe gucken. Amelie van Tass (AT) Thommy Ten (TT) Herzlich willkommen. Ihre ersten Erfolge am Schauspiel Bochum hatte sie als Theaterfotografin. Längst zählt sie zur allerersten Garde deutscher Schauspielkunst. Ich freue mich sehr. Margarita Broich (MB) Spätestens seit dem Eurovision Song Contest im vergangenen Jahr startete er komplett durch und wurde zum Publikumsliebling. Michael Schulte (MS) Man kennt sie als Schauspielerin. Ihre Mutter stammt aus dem Iran, aus dem sie floh. Jetzt enthüllt sie ein Familiengeheimnis. Ich bin sehr gespannt. Maryam Zanee (MZ) Herzlich willkommen. Und ich freue mich sehr auf ihn, den Comedian. Der alle und sich selbst durch den Kakao zieht. Kaya Yanar (KY) Schön, dass du da bist. Du bist seit vielen Jahren sehr erfolgreich auf den Bühnen unterwegs. Es gibt dieses Label Ethno-Comedy. Das ist bei dir schwierig. Deine Eltern sind Türken, du lebst in der Schweiz. Was passt jetzt? Ich bin verwirrt. Es ist so, meine Eltern haben Türkisch, Arabisch und Deutsch gesprochen zu Hause. Sie haben eigentlich versucht mir Deutsch beizubringen, aber auf Deutsch, was nicht gut geklappt hat. Ich habe meine Eltern zum Teil gar nicht gut verstanden. Mein Vater hat gesagt: Kaya, gehst du Schule, Abitur, Banane. Wie ein Lückentext, ich musste den selber ausfüllen. Ich hatte die türkische Seite und habe Deutsch eigentlich im Kindergarten gelernt, und jetzt lebe ich in der Schweiz. Jetzt wiederhole ich das Karma meines Vaters. Er ist von der Türkei nach Deutschland, ich von Deutschland in die Schweiz. Das ist wie beim Spiel des Lebens: Gehen Sie zurück auf Start. Du bist jetzt in der Schweiz. Dein Vater wollte aus dir einen perfekten Deutschen machen, damit du nie Schwierigkeiten bekommst. Jetzt bist du in die Schweiz gegangen. Wie hat dein Vater reagiert? Gar nicht mehr. Er ist 2002 leider schon verstorben. Er hat gerade noch meinen Erfolg mitbekommen. 2001 war mein Durchbruch. Er war mein größter Fan. Er hat am Anfang nicht so richtig verstanden, was ich im Fernsehen mache. Aber ich hatte Einspieler, wo ich unter die Leute gegangen bin und die Leute veräppelt habe, aber ich hatte auch Sketsche und Schauspielerei. Und mein Vater konnte das nicht unterscheiden. Ich habe einen heißblutigen Italiener gespielt, und eine Frau klatscht mir eine und geht. Und mein Vater hat mich jedes Mal nach der Sendung angerufen und gesagt, das kann die nicht machen, Kind. Er hat nicht unterschieden, dass sie Schauspielerin ist. Aber er war mein größter Fan. Aber er hat ja auch 5 Jahre in der Schweiz gelebt. Was ist an dir wirklich typisch deutsch geworden? Das merkst du vielleicht erst jetzt, wo du in der Schweiz bist. Das ist korrekt. Man merkt erst, was typisch deutsch an einem ist, wenn man ins Ausland geht. Denn dann hat man die Möglichkeit zu vergleichen. Ich fahre gerne flott und schnell Auto, das ist an mir typisch deutsch. UT: 120 km/h Geschwindigkeitsbegrenzung bei uns. KY: 120, so parken wir in Deutschland rückwärts ein. Aber egal ob in der Schweiz oder sonstwo, diesen Satz zu sagen, es ist nicht wie in Deutschland hier, das ist ein Spruch, den bringe ich auch oft, auch in meinem Buch. In dem Buch bekennst du, dass du anonymer Auto-Choleriker bist. Das traut man dir gar nicht zu. Ich bin eigentlich ein netter Kerl, aber kaum habe ich Blech um mich herum... Meine Frau kommt gar nicht mehr mit. Ich mecker die ganze Zeit beim Autofahren. Was macht der Twingo hier? Der muss ab ins Gehege. Es gibt auch immer wieder neue Sachen, die sich die Leute einfallen lassen. Ich war auf dem Weg von Zürich nach München, da habe ich 3,5 Stunden gebraucht, 3 Stunden in der Schweiz, eine halbe Stunde in Deutschland. Und dann bremsten ein anderer und ich uns gegenseitig aus. Und ich sagte: Junge, das ist die Beschleunigungsspur, keine Bremsspur. Eine Bremsspur hast du gleich in der Hose. Das sind so die Sprüche. Deswegen fährst du jetzt Zug. Ja, Zug, ab und zu muss ich auch fliegen. Ja, aber dein Vater wollte, dass du dich immer gut und korrekt verhältst. Du solltest Arzt werden. Meine Mutter sagte oft zu meiner Frau, ich bin stolz auf den Sohn, er hat es geschafft, aber er sollte eigentlich Arzt werden. Aber ich hatte nie Talent für gar nichts. Meine Frau kennt mich, die sagt, du und deine Diagnosen. Ich habe überhaupt keinen Bezug zu Körper oder Medizin. Meine Mutter wollte gerne, dass ich Arzt oder Anwalt werde. Diese typischen Ideen vom Aufstieg bei Migrationsfamilien. Und dann wird er Komiker. Ja, zum Glück. Das ist ganz lustig. Es gibt oft Verbindungen zwischen den Gästen. Bei Margarita Broich weiß ich, deine ganze Familie bestand aus Ärzten. Und du als Mädchen solltest bitte einen Arzt heiraten. MB: Ja, ich war dafür ausgerüstet, ich konnte Tennis spielen, reiten. Aber der kam nicht. Es war eine große Enttäuschung. Du bist auch Künstlerin geworden. Nichts mit den familiären Plänen der Eltern. Obwohl ich Arzt einen tollen Beruf finde, je älter ich werde. Was ich rührend finde, was du in deinem Buch beschreibst, deine Mutter ist eine liebenswerte ältere Dame, die wollte für dich ernsthaft die Braut aussuchen. Mit Ende 30. KY: Ja, sie wollte alles für mich aussuchen. Meine Mutter ist lieb, aber sie hat mein ganzes Leben durchgetaktet. Ich wollte nicht mal, dass sie einen Pullover für mich auswählt, und sie wollte eine Frau für mich auswählen. Ich war Single bis ich 39 war. Diese lange Zeit, wo ich solo war, hat meine Mutter gedacht, das geht nicht, der Junge kriegt das nicht selber hin. Sie hat gesagt, ich bringe eine aus der Türkei. Eine gute, türkische Frau. Ich liebe meine Mutter. Aber ich verstehe sie teilweise heute auch nicht, weil ihr Deutsch ist... eben ihr Deutsch. Sie spricht deutsch, aber so, wie es ihr gefällt. Namen merkt sie sich überhaupt nicht. Sie nennt dich so, wie sie möchte. Wenn du Hans heißt, sagt sie, wie heißt du? Du sagst, Hans, und sie sagt, Peter, bitte setz dich. Und nach 2 Stunden gehst du und denkst wirklich, du heißt anders. Aber sie ist eine tolle Frau. Sie sagt zum Beispiel statt Räucherstäbchen Geräusch-Stäbchen, sie erfindet oft eigene Worte. Und das hat mich geprägt. Ich überlege mir gerade. Deine Frau ist aus der Schweiz. Da ist alles ein bisschen langsamer, nicht nur die Autos auf der Straße. Wie hält deine Frau dich und dein Temperament aus? Sie hat so eine Energie, sie ist das Gegenteil von mir. Der Züricher würde sagen, die in Bern sind viel langsamer als wir. Meine Frau ist das Gegenteil von mir und irgendwie gleicht sich das aus. In meinem neuen Bühnenprogramm rede ich darüber, dass ich ausraste und laut werde, so wie jeder in Deutschland. Man tickt halt hier aus. Und meine Schweizer Frau ist genau das Gegenteil. Sie rastet nicht aus, sie rastet ein. Wenn sie sauer wird, wird sie leise, so, dass ich sie irgendwann gar nicht mehr höre. Am Anfang der Beziehung habe ich gefragt, Schatz, was machst du da? Betest du? Es ist nicht nur meine Frau, ich kenne die Schweizer seit einigen Jahren. Die Schweizer Sprache ist eine andere Sprache. Wenn die Schweizer ausrasten, klingt das sehr niedlich. Die sagen nicht, ich raste aus, sondern: "Do hauts mir den Nuggi use". Der Nucki ist der Schnuller. Die ganze Sprache ist sehr niedlich. Du hast vor Kurzem geheiratet. In dem Buch, was du geschrieben hast, gibt es eine Stelle. Es ist eine der schönsten Liebeserklärungen, die ich je gelesen habe. Du schreibst, du musst einfach nur auf dem Sofa sitzen. Mehr brauchst du nicht zu machen. Da war sie das 1. Mal bei mir zu Hause und wir verbrachten die Nacht sehr nett miteinander. Und sie saß auf der Couch und hatte die Füße so angezogen mit diesem Look nach der 1. Nacht. Ich habe sie angeschaut und gesagt, du bist unverschämt, du kannst einfach nur da sitzen, und ich bin glücklich. Und diesen Satz habe ich bei der Trauung auch gesagt. Die Frau muss einfach nur in meiner Nähe sein, mehr braucht es nicht. Liebeserklärung. Ich muss Michael Schulte fragen. Du hast auch vor Kurzem geheiratet. Welcher Satz passt auf deine Frau? Du musst einfach nur das und das machen. MS: Das ist schwer zu toppen. Wenn man die richtige Person gefunden hat, mit der man das ganze Leben verbringen möchte, dann reicht es, wenn sie einfach da ist. Ich bin als Musiker oft unterwegs, jetzt haben wir auch noch ein Kind bekommen, da ist es echt doof, von zu Hause weg zu sein. Man freut sich so sehr, nach Hause zu kommen. KY: Machen wir einen Song zusammen. Wobei man sagen muss, es treffen in dem Fall Mentalitäten aufeinander. Der Deutsche mit türkischen Eltern in der Schweiz. Wenn ihr auf Tour seid, deine Frau kommt sicher oft aus dem Staunen und Lachen nicht heraus. Weil du dich im Ausland als Deutscher mit deiner Mentalität entpuppst. Auf deiner Reise bist du der deutschen Leidenschaft nachgekommen. FKK-Kultur. Ich stelle mir vor, Kaya Yanar steht in Kanada ohne Badehose da. Da hat deine Frau gelacht. KY: Sie wirft mir generell vor, dass ich erst mal ablehnend Dingen gegenüberstehe. Das ist aber die Mentalität eines Komikers. Dann waren wir an einem FKK-Strand in Kanada. Und plötzlich waren wir in dieser Nudisten-Kolonie. Und ich habe einen Spruch nach dem anderen gemacht. Und 20 Minuten selber war ich selber der stolze Pfau, der dann nackt rumgelaufen ist. Das hat Spaß gemacht, das war das 1. Mal. Und damit zieht mich meine Frau immer auf. Wenn etwas Neues in mein Leben kommt, muss ich es immer erst ablehnen und Witze machen, und dann bin ich begeistert. Spricht für die Lebensfreude. Sie hilft mir ja auch dabei. Sie ist diejenige, die mich am meisten auf den Arm nimmt. Oft sagt man über Komiker, die mögen es nicht, wenn man sie auf den Arm nimmt. Aber ich mag das sehr. Es ist ein liebevolles Widerspiegeln, ich mag das sehr. Wenn ich das in meiner Comedy mache, ist das eine Liebeserklärung. Veräppeln ist für mich die größte Aussage zu sagen, ich liebe dich. Wunderbar. Kaya Yanar. Liebe Grüße an deine Frau. Danke, dass du da bist. Margarita Broich, du bist an so vielen Bühnen gewesen. Bin ich dran? Ja, du bist dran. Ich möchte einfach zuhören. Du bist es so gewohnt, gesehen zu werden. Du hast in vielen Filmen und Fernsehrollen gespielt. Aber die Tatort-Kommissarin-Rolle gibt immer einen solchen Schub an Popularität. Hast du irgendwann gedacht, hoppla, jetzt bin ich Tatort-Star? Nein, aber was einen verwundert, man müsste 500 Jahre alt werden, um die Zuschauer zu erreichen mit Vorstellungen, wo 800 Leute drinsitzen. Und dann macht man im Fernsehen etwas, und die halbe Welt steht Kopf. Theaterarbeit ist anders. Wir haben vor kurzem eine Reportage gemeinsam gedreht über dich und dein Leben. Da bin ich auch an das Schauspiel in Bochum gegangen, wo du angefangen hast, als Theaterfotografin. Du kamst aus dem Westerwald, als eine behütete, fast höhere Tochter. Und du kamst in diese wilde Theaterwelt. Warst du da die Kleine, Naive? Nein, das glaube ich nicht. Ich hatte das ja gelernt. Ich habe mich als Theaterfotografin beworben. Ich wusste nichts von Theaterarbeit und habe die ersten Proben mit einem Holzklotz... Das schlechteste Werkzeug. Das habe ich aber dann begriffen. Ich wusste nicht, was wichtig ist. Welche Probe ist wichtig? Dann gab man mir noch Ferienfotos, die man abziehen kann. Ich habe tagsüber gearbeitet, nachts war ich in der Dunkelkammer. Nach ein paar Monaten merkte ich, dass ich immer alleine im Dunkeln bin. Und die anderen mit mehreren im Hellen. Und dann dachte ich, blöd. Dann habe ich versucht, die Aufnahmeprüfung in Berlin zu machen. UT: Hast du sie bestanden? MB: Ich habe sie bestanden. Das war aber eine böse Frage. Eine tolle Schauspielerin und eine tolle Fotografen. MB: Wenn sie mich nicht genommen hätten, hätte ich sofort etwas anderes gemacht. Es war nicht so, dass ich schon mit 5 wusste, was ich machen möchte. Wenn die gesagt hätten, nein, hätte ich sofort umgeschaltet. Du wolltest doch als junge Frau Rennfahrerin werden? Ja, zum Beispiel so was. Wir haben auch ein Foto von dir als sehr kleines Kind mit deinem 1. Auto. Vor deinem Elternhaus im tiefen Westerwald. Ja. Das 1. Auto, neben der Kinderfrau. Aber die Fotografie hat dich nie losgelassen. Auch als Tatort-Kommissarin bist du ja immer mit der Kamera unterwegs. Und es gibt ein berühmtes Foto von Ulrich Tukur, das du gemacht hast. UT: Auf dem FKK-Strand. Was war das? MB: Das war nach einer Vorstellung. UT: Du hast tolle Fotos gemacht mit Schauspielern nach der Vorstellung. MB: Das Foto von dir habe ich schon sehr gerne. Ich mag das. Du siehst da so elegant und trotzdem bäuerlich aus. Aber was zu deiner Biografie auch gehört, du hast ja damals... Ich war mal so jung. Du hast eine Liaison gehabt mit Heiner Müller. Was hat er dir ganz neu gezeigt an der Welt? Ja, der war 30 Jahre älter. Das habe ich gar nicht mehr wahrgenommen. Das war ein ziemlich junger Vogel im Kopf. Ich weiß es nicht. UT: Er war entzückend. Ein wahnsinnig unterhaltsamer Mensch. MB: Ich weiß auch nicht. Wir sind zusammen in die Wohnung nach Ostberlin gefahren. Wo ich jahrelang nachts eingereist bin. Um 12:05 Uhr, dann wartete Heiner. Dann sind wir nach Hause gefahren. Am anderen Tag 11:50 Uhr bin ich wieder ausgereist. Heiner saß da und trank Wein. Dann bin ich um eine Säule und bin wieder eingereist. Ich dachte, das war nicht mein Leben. Das versteht man heute gar nicht mehr. Man hatte immer nur ein Visum für eine begrenzte Zeit? Als Westberliner konnte man einreisen, musste aber vor 12 ausreisen. Man konnte nicht dableiben. Ich sehe mich immer um diese Säule herumlaufen. Er hat mir Welten eröffnet. Es war ein toller Kopf. Wir sind viel gereist, obwohl er lange in Ostberlin gelebt hat. Das ist ein Stichwort, Welten eröffnen. Das ist immer ein gutes Stichwort. Du hast viele Jahre mit Martin Wuttke zusammengelebt. Jetzt kommt aber einiges zusammen. Wir waren ja gemeinsam auf deinen Lebensspuren. Deine beiden Söhne, Hans und Franz, die ja schon erwachsen sind. Du bist erwachsen, musst dich nicht mehr kümmern, und aus heiterem Himmel trifft dich eine neue Liebe. Wie hast du deinen neuen Mann kennengelernt? UT: Ich weiß es, ich sag es aber nicht. MB: Im Flugzeug. Und? Er ist toll. UT: Er ist Pilot. Ich sehe eine Spur von Verlegenheit bei dir. MB: Ja, ich bin ganz rot, nicht? UT: Weil es der Pilot war. Nein, war es nicht. Ich fand es toll, wir haben bei der Reportage darüber gesprochen, dass du dein ganzes Leben in Künstlerkreisen verbracht hast. Und plötzlich lernst du einen Mann kennen, der mit Kunst überhaupt nichts zu tun hat. War das befreiend oder befremdlich? Der hätte sein können, was er will. Ich habe in meiner Umgebung nicht zu viele Künstler. Ich habe alles durcheinander. Meine Freunde sind Lehrer, Arzt, alles durcheinander. Er interessiert sich genauso wie ich. Deswegen passt das so. Er ist wie ich. Ich kann das jetzt nicht so sagen. Ich trinke mal was. Alkohol hilft. Manchmal. UT: Guckt er zu? MB: Ich weiß nicht, er hat keinen Fernseher. Das gehört eigentlich zu der Flugzeug-Geschichte, die du mir erzählt hast. Die Geschichte ist deshalb komisch, weil dieser Mann, Dirk, dich nicht kannte. Nee, der hat keinen Fernseher. Gott sei Dank. Womit hast du denn dann Eindruck gemacht? Viele Menschen erstarren doch, wenn ein Star neben ihnen sitzt. Der kannte dich aber nicht. Nee, ich meine, ich war noch nie so attraktiv, dass da einer umgefallen ist, wenn ich angekommen bin. Dann setze ich mich. und dann kommt so etwas: Kennen Sie den Witz? Das war Zufall, weil alle umgesetzt wurden. Und wir auch und saßen plötzlich nebeneinander. Dann waren die Gurte vertauscht. Ich sah den Anzug neben mir. Und dachte so, okay. Bank oder so etwas. Und sage: Kennen Sie den Sketch von Loriot im Flugzeug? Das ist aber eine billige Anmache. Das habe ich eher zu mir selber gesagt. Ich habe mit keiner Antwort gerechnet. Dann drehte er sich um und sagte, ja. Das sind die "Duineser Elegien" von Rilke. Er kannte den Sketch vorwärts und rückwärts. Und da war es um dich geschehen. Wir haben eben eine besonders schöne Liebeserklärung gehört, jetzt hören wir von dir den absoluten Urknall aller Liebesbeziehungen. Am 20. September habt ihr geheiratet. Ja. In unserem Ring steht auch 7A und 7B. Die Sitznummern vom Flugzeug? UT: Hast du dich von Martin auch scheiden lassen vorher? MB: Ulli, das war eine wilde Ehe. Wenn man so lange in einem Familienverbund ist mit 2 Söhnen... Jetzt komme ich stark in Bedrängnis. Wie ist es dann, so spät noch mal zu heiraten? Das war schon sehr schön. Man muss sich in dem Alter nicht mehr streiten, wer die Kinder in den Kindergarten bringt. Das ist super. Das ist schon komisch. Weil es natürlich anders ist als mit 30. Der Satz: Bis dass der Tod euch scheidet, wird anders wahrgenommen. Man hat nicht mehr so viel Angst, wie lange das noch werden kann? Ja, es ist bittersüß, weil man weiß, dass man nicht mehr die nächsten 50 Jahre zusammen hat. Es ist deshalb auch besonders. Und wie haben deine beiden erwachsenen Söhne darauf reagiert, dass ihre Mutter noch mal auf einem Honeymoon ist? Ich glaube, die haben sich sehr gefreut. Das kann ich jetzt hier nicht alles so erklären. Das war alles gut. Gott sei Dank alles sehr gut. Wenn du auf dein Leben guckst, mit den Irrungen und Wirrungen, an welcher Stelle bist du? Du hattest eine nicht so einfache Kindheit, bist jetzt eine sehr erfolgreiche Schauspielerin, hast 2 tolle Söhne, die du sehr liebst, hast einen neuen Mann, den du liebst. Ich kriege Angst, wenn du so über mein Leben redest. Ist das zu schön? Ich weiß nicht. Ich glaube, bei mir ist es schön, dass alles so spät ist. Ich bin, glaube ich, ein Spätzünder. Ich habe mich sehr lange aufgehoben. Ich habe eine sehr späte flache Karriere gemacht. Bei mir dauert alles länger, glaube ich. Vielleicht. Aber 1/3 ist ja vor dir. Ja, jetzt trinke ich noch was. Wir trinken auf Margarita Broich. Und auf dein Glück. Vielen Dank. Und grüß bitte deinen Mann. Ja, das mache ich sehr gerne. Ich bin knallrot. UT: Nein, du siehst ganz bleich aus. Ihr habt auch mal zusammen gedreht. UT: Sie spielt die Kommissarin in dem Film und ich den Kommissar. MB: Der war toll. Ich fand den ganz toll. UT: Sehr abgedreht. Die Rolle des Schauspielers trennt sich vom Kommissar, er sagt, ich habe keine Lust mehr immer nur in der Virtualität zu existieren. 2 Tatort Kommissare in einer Sendung, ich freue mich sehr. Und eine frühere Gerichtsmedizinerin aus einem früheren Tatort. Danke noch mal. Alles Gute für dich. Jetzt mal ehrlich. Wir hatten schon ein paar magische Momente. Aber jetzt setzen wir noch einen drauf mit euch. Amelie van Tass und Thommy Ten. Ihr seid Weltmeister der Mentalmagie. Ihr seid absolute Superstars in den Vereinigten Staaten. Ihr hattet bis zu 18 Mio. Zuschauer. Heidi Klum ist fast umgefallen. Eines hat mich total sprachlos gemacht. Vor Kurzem, am 29.09, gab es die österreichischen Nationalratswahlen. Die beiden haben unter notarieller Aufsicht das Wahlergebnis bis auf die Stelle hinterm Komma in eine verplombte Box getan. TT: In ein Briefkuvert. Die war unter öffentlicher Beobachtung. Bis 1/10 hinter dem Komma lagen die richtig. ÖVP 38,4, SPÖ 21,5, FPÖ 17,3. Was schlimm genug ist, aber das ist ein anderes Thema. Die haben das so genau prognostiziert. Das ist mir ein Rätsel. TT: Wir sind sogar einen Schritt weiter gegangen. Eine Woche vorher durften wir die Spitzenkandidaten treffen. Wir haben Selfies mit ihnen gemacht. Und wir haben Ihnen dabei schon, ohne dass sie es gemerkt haben, ihr Ergebnis vor die Nase gehalten. Das war sehr spannend. AT: Spannend auch für uns. Angefangen habt ihr mit dem Zaubern. Dann seid ihr zu Mentalmagie. Also was in den Köpfen los ist. Natürlich verratet ihr nicht, wie ihr das macht. Aber könnt ihr uns einen Hinweis geben, wie man das so genau prognostizieren kann. TT: Bei uns geht es immer über die Verbindung, zwischen allen Menschen. AT: Das war das größte Experiment, es ging ins Eingemachte. Wenn das so geklappt hat, muss ich ehrlich sagen, wenn du die Gabe hättest, könntest du auch die Lottozahlen vorhersagen. KY: Absolut. Oder ich würde Arzt werden, endlich. Ich weiß nicht, ob ihr noch einen Lottogewinn braucht. So erfolgreich wie ihr seid, Las Vegas, Hollywood. TT: Gewonnen haben wir noch nicht, sonst wäre hier mehr Geld drin. Ich habe hier nur ein paar Dollarnoten drin. Und einen Lottoschein aus Kalifornien. Aber ich habe gedacht, wir probieren einfach etwas mit euch. Michael, ich habe eine kurze Frage an dich. Tu mir einen Gefallen, spontan, intuitiv, wie viele Paar Schuhe hast du zu Hause? MS: Eins. Nein, ich hab ein paar mehr. 8. TT: Ich notiere die Nummer 8. AT: Was ist dein Lieblingsessen zum Beispiel? MZ: Gute Pasta. AT: Wie viel mal Pasta isst du im Jahr? MZ: 365 Tage. Nein, aber bestimmt 150 mal im Jahr. TT: In der Woche. Im Monat? MZ: Ich habe eine ganz schlimme Dyskalkulie... TT: Jeden 3. Tag? Dann sind wir bei 10. 10 oder 11? MZ: 10. TT: Ulrich, was ist dein Lieblingsgetränk? UT: Weißwein. Wie viel Weißwein trinkst du im Jahr? UT: Flaschen oder Gläser? TT: Das darfst du dir aussuchen. UT: Wie viele Flaschen ich am Wochenende trinke? Sagen wir mal 2. TT: 2, sehr schön. Margarita, was ist dein liebstes Reiseziel? MB: Ich dachte, jetzt muss ich mit einer Zahl kommen. Ein Lieblingsort. Dann sage ich mal ganz kurz... MB: Ich glaube, das ist Sizilien. AT: Wie oft warst du dort? MB: Vielleicht 15- oder 20-mal. 17. Irgendeine Zahl zwischen 17 und 49? 23. Und irgendeine Zahl zwischen 23 und 49? 48. Wir haben euch ein paar Fragen gestellt. AT: Es kommen immer Fragen, ihr habt die Nationalratswahl vorausgesagt. Und ich muss euch sagen, wir haben Lotto gespielt und wir haben gewonnen. 2,75 Euro. Vielleicht ist dieser kleine Gewinn etwas ganz Wichtiges für uns hier heute Abend. Meine Geldbörse liegt ja hier, mit einem Lottoschein drin. Kannst du mir mal die Zahlen vorlesen? KY: Die 02. Ulrich, du trinkst gerne 2 Flaschen Wein. UT: 08. Wir hatten auch die 8 dabei. KY: 17,23. Wir hatten die 10, die 17 und die 23. 6 aus 49. Kaya wird es unheimlich neben euch. Die Zahlen würde ich übrigens spielen. Ihr seid Weltmeister der Mental... Du hast auch mal gezaubert. MB: Mein Vater hat gezaubert. Der war Arzt und Zauberer. Behaupten viele Ärzte von sich. MB: Der konnte aus einer komplett geschlossenen Orange einen 10-Mark-Schein rausholen. Und ich habe nie verstanden, wie. Und dieser Trick mit dem Daumen und der Zigarette. TT: Die Zigarette verschwinden lassen. Bei Ihnen hat es auch angefangen. Bei dir hat es angefangen mit einem ganz normalen Zauberkasten. TT: Das 1. Kunststück war, wie man ein Schuhband zerschneidet und wieder ganzmacht. Ich habe es mit den Schuhen meiner Eltern probiert, es hat die ersten Male nicht funktioniert. Thommy Ten, der Name kommt daher, die 10 ist eine Glückszahl für dich. Du wurdest ganz früh in den Magierzirkel aufgenommen. Du warst ein hochbegabter Magier. TT: Ich habe mit 10 Jahren meinen 1. Zauberkasten bekommen, dann habe ich in der Schule Aufführungen gemacht. Aber die meisten Schüler in meinem Alter hatten den gleichen Kasten. Ich habe also gemerkt, ich muss mir eigene Tricks ausdenken. Du hast uns vorher gesagt, okay, das sind die Gäste heute Abend. Da spielt der "Tatort" eine Rolle. Lassen wir uns etwas einfallen über einen Tatort. TT: Wir sind wahnsinnige Fans von Tatort. Wir würden gerne einen magischen Tatort heute spielen. Wir beginnen mit Maryam. Tatorte gibt es mittlerweile über 2.000. Maryam, wir gehen jetzt in die Zukunft. Du darfst wählen, welche Episode es ist. Sagen wir, eine Episode zwischen 2.000 und 9.999. MZ: 4.444. Margarita, Tatorte gibt es in vielen verschiedenen Städten. Du darfst aussuchen, wo wir unseren Tatort spielen. Es kann einer von den klassischen Orten sein, oder etwas Absurdes. Wo spielt unser Tatort? MB: Neuwied. Neuwied am Rhein, für die Bayern. Meine Damen und Herren, willkommen zum Tatort 4.444 in Neuwied. Und wir brauchen natürlich einen Täter. Ulrich, ich habe dich vor der Sendung gebeten, überlege dir, wer ein Täter sein kann. Du darfst es aber keinem sagen oder zeigen. Nur auf einen Zettel notieren und den Zettel einstecken. Den Zettel hat niemand gesehen. UT: Das stimmt. Meine Damen und Herren, Ulrich Tukur ist der einzige, der unseren Täter kennt. Willkommen in unserem Tatort 4.444 aus Neuwied. Lieber Ulrich, ich möchte, dass du dich konzentrierst. Ich glaube, ich höre im Hintergrund ein bisschen Musik. AT: Du bist auch Musiker. Deswegen glaube ich, du hast dich für ein Musikinstrument entschieden. Es ist eine Frau, du denkst an eine Klavierlehrerin als Mörderin. Ja, wie habt ihr das... Wie habt ihr das... Das stimmt. TT: Meine Damen und Herren, Amelie hat den Fall gelöst. Wie geht das? TT: Ganz kurz, Maryam, du hast die 4.444 ausgewählt. Und Margarita, du hast gesagt Neuwied. Wir haben vorher nichts abgesprochen. Und hier steht es. Es war der Tatort 4.444 aus Neuwied. Ich klatsche und staune. Um auf euch persönlich zurückzukommen. Jetzt seid ihr zusammen. Amelie, du hast dich als Assistentin beworben mit einem Foto, das den unteren Teil deines Körpers zeigt. Nicht dein Gesicht. Darauf hast du, Thommy, reagiert? TT: Es kam ein Bild von diesen Beinen in diesen Strümpfen und ich dachte, wer so viel Selbstvertrauen hat... AT: Mein Mathelehrer hat gesagt... Ich habe früher für ihn Choreografien gemacht. Das sieht man auf dem Foto nicht. Er hat gesagt, was machst du am Samstag? Ich kenne einen Magier, der braucht jemanden, der auf der Bühne erscheint. Er hat gesagt, wir bräuchten noch ein Foto. Dann sagte ich, du weißt doch, wie ich aussehe. Dann sagte er, nein, der Magier. Dann dachte ich, sicher nicht. Ich schicke doch kein normales Bewerbungsfoto. Aber man muss dazu sagen, ihr seid Anfang des Jahres... Da hat Thommy ihr einen Heiratsantrag gemacht. TT: Genau. Ich stelle mir vor, 2 Hellseher sind ein Paar. Da weiß doch der eine... Der braucht doch nichts zu sagen. TT: Jetzt muss man sich vorstellen, wie schwer das ist, wenn deine Frau die Gedanken immer lesen kann. Aber ich habe es, glaube ich, hinbekommen. AT: Also 30 min vorher habe ich schon so ein Gefühl gehabt, aber es war trotzdem wunderschön und eine Überraschung. KY: Du hast nicht damit gerechnet, dass sie Nein sagt? Amelie van Tass und Thommy Ten, vielen Dank. Es ist heute ein Zufall im Grunde genommen, dass wir über so viele glückliche Begegnungen reden können. So viele Hochzeiten. Michael, Margarita, und die anderen sind verlobt. MB: Die jüngste Braut. MZ: Es ist in Ordnung, allein zu sein. Maryam, ich fürchte, Sie sind die einzige in der Runde, die nicht geheiratet hat. 2018 war für dich, Michael Schulte, ein besonderes Jahr. Der Höhepunkt war der Eurovision Song Contest. Für viele ist das eine Angstveranstaltung, weil Deutsche häufig weit hinten liegen. Und jetzt hast du Platz 4 gemacht. * Applaus * Und zwar ohne große Show. Einfach mit diesem Song "You let me walk alone". Ein Song über deinen Vater, der verstorben ist, als du 14 warst. Wieso hast du dich getraut, so ein persönliches Lied dort zu bringen? Ich habe mir das schon lange überlegt, ob ich das machen möchte. Weil es ein Thema ist, wo man nicht so schnell auf eine Bühne geht, wo 2 Mio. Menschen zuschauen. Das war damals 2018. Ich habe ihn mit 14 verloren. Und ich habe realisiert, wie viele Menschen schon einen Elternteil verloren haben. Da muss man nicht schweigen. Das sollte man ansprechen. Ich hatte die Chance, beim ESC zu singen für Deutschland. Und ich wollte über das Thema singen, was mich am meisten bewegt. Weil der Zuschauer merkt, wenn derjenige, der auf der Bühne steht, das auch meint und fühlt. Und es ist nach 10 Jahren immer noch das Thema, was mich am meisten bewegt. Deswegen habe ich das Lied geschrieben, hätte aber nicht gedacht, dass ich so viel Erfolg damit habe. Du hast auch vorher einen Aufruf gemacht, Leute, schickt Fotos von euch, Söhne und Väter. Aber ein eigenes hast du nicht hochgeladen? Nein, habe ich nicht gemacht. Ich glaube, weil ich meinen Vater hätte fragen wollen, ob das okay ist, es auf einer großen Bühne zu zeigen. Mein Vater hat nicht mitbekommen, was nach seinem Tod passiert ist. Dass ich als Musiker erfolgreich geworden bin. Das ist schade. Weil ich würde mir wünschen, dass er sieht, dass ich Erfolg habe. Damals, als er noch da war, ich habe ihm gerne auf der Gitarre etwas vorgesungen. Er hat oft Tränen bekommen. Wir hatten eine ganz besondere Beziehung. Was hat diese Beziehung ausgemacht? Er war einfach ein wahnsinnig toller Mensch. Jemand, der schon etwas älter war. Es war die 2. Ehe von ihm. Er hatte schon Kinder aus 1. Ehe. Er war so wunderbar weise und ruhig. Er war entspannt. Das hat er mir mit auf den Weg gegeben. Ich habe das genossen. Die Person, die als starker Mann für mich immer da war. Ich war 14. Da schaust du zu deinem Vater in den meisten Fällen hoch. Und willst so werden wie er. Und dann ist er nicht mehr da. Das ist in dem Alter fies. Mein größter Wunsch wäre, mit ihm an der Bar zu stehen und ein Bier zu trinken und über Frauen zu reden. Das ist etwas, was ich leider nicht machen kann. Du hast eben schon gesagt, 200 Mio. Menschen haben damals zugeguckt. Hast du bis heute das selbst mal angeguckt, was du da performt hast? Nee, ich habe den Auftritt selbst noch nicht gesehen. Ich habe mich noch nicht getraut. Es gibt ein Juryfinale und ein richtiges Finale. Am Vorabend gibt es das Juryfinale, dass für die Jury da ist, um es zu bewerten. Nach dem Juryfinale war ich sehr glücklich. Nach dem Finale, was live im Fernsehen war, war ich nicht so ganz zufrieden. Ich habe nachher viele Nachrichten bekommen, du hast so toll gesungen. Ich wusste aber, dass ich für mich nicht perfekt gesungen habe. Ich habe Angst, wenn ich mir das ansehe, dass ich sehe, es ist nicht so perfekt gewesen. Das war im Grunde genommen auch der vorläufige Höhepunkt eines sehr langen Weges. Du hast ja eben gesagt, du hast sehr früh angefangen, hast deine Songs auf YouTube hochgeladen. Vorher wolltest du Profifußballer werden? Das war lange Zeit mein großer Wunsch. Ich habe 12 Jahre lang aktiv gespielt. Teilweise 5- bis 6-mal die Woche Fußball in der Jugend. Das war meine große Leidenschaft. Ich bin immer noch großer Fußballfan. Aber ich habe gemerkt, es gab immer Jungs, die besser waren als ich. Deswegen habe ich aufgehört und bin in Richtung Musik gegangen. Ich habe als 1. Musiker Deutschlands 2006 YouTube Videos hochgeladen. Ich war meist abonnierter deutscher YouTuber. Danach haben alle YouTube für sich entdeckt. Aber du hast ja auch Angebote bekommen, in eine Castingshow zu gehen. Du hast aber gesagt, das möchte ich eigentlich nicht. Bis ein Anruf kam von einem ganz Großen, den du bewundert hast. Es war so, dass wir große Reamonn-Fans wearen. Es gibt noch ein Video. Ich hatte meine 1. Digitalkamera gekauft und habe meinen Vater gefilmt. Im Hintergrund lief "Supergirl". Es war verrückt, dass genau der Musiker später anrief, der die krasse Verbindung zu uns in der Familie hat. Er hat mich gefragt, ob ich nicht Lust habe, mit ihm zu singen. Das war auf der Kieler Woche. Er war Coach bei "The Voice Of Germany". Ob ich nicht Lust hätte zu singen. Ich war ein sehr schüchterner Typ. Kameras und Fernsehen, ich weiß nicht, ob das meins ist. Ich habe es probiert. Und es lief gut. Es läuft seitdem wie am Schnürchen, kann man sagen. Du kommst aus dem hohen Norden, du hast eine ganz enge Verbindung zu Dänemark. Das war so grenznah, du hast auch Dänisch gelernt. Nicht direkt eine Sprache, wo viele sagen, das muss ich unbedingt noch lernen. Es ist eine schöne Sprache. Ich bin im Umkreis von Flensburg aufgewachsen. Da gibt es eine dänische Minderheit und in jedem 5. Dorf eine dänische Grundschule. Ich hatte die Wahl, auf welche Schule ich meine Kinder schicke. Meine Eltern konnten kein Dänisch sprechen. Aber dieses System der dänischen Schule gefiel uns gut. Da wird alles auf Dänisch unterrichtet. Mit 3 oder 4 bin ich in den Kindergarten gekommen. Da lernt man es wie die 2. Muttersprache. Was heißt denn: Mein Bambi steht auf dem Kaminsims? Das kann ich nicht mehr. Das ist zu lange her. Wir haben leider auch keinen Kamin. Aber der kommt vielleicht noch. Du bist jemand, der sich gerne an andere Mentalitäten, Nationalitäten annähert. Hast du einen Bezug zum Dänischen? Ja. Es ist eine interessante Sprache. Wenn du rote Grütze mit Vanillesauce bestellst, heißt das: (imitiert Dänisch) Es kursiert im Internet, ich weiß nicht, ob es stimmt, dieser Satz, Ich bin böse und knalle die Tür zu. D.h. auf Dänisch: Ich bin schwul und bumse einen Stier. MS: Davon weiß ich jetzt nichts. Nein. KY: Das geistert durch das ganze Internet. MS: Ich werde mich schlaumachen. Aber was die Sprachbegabung angeht, Margarita Broich hat ja mal Ulla Hahn, "Der Teufelsbraten" gemacht. Da musstest du Kölsch lernen. Das wurde minutiös geübt. Jedes Kölsche Wort wurde genau festgelegt. Da war so ne Situation: Mein Kind liest zu viel, und ich verstehe das nicht. Das Kind sollte besser im Garten arbeiten. Dann sagte man, das heißt Böscher, nicht Bücher. Das ging stundenlang. Das hörte sich jetzt genauso an. Es ist wirklich fies. Dieses stumme "D" ist als Deutscher nicht auszusprechen. Die Deutschen können das nicht. Meine Frau versucht es immer wieder, aber es ist ganz schwierig, wenn man es nicht als Kind direkt lernt. UT: Das ist die einzige von den germanischen Sprachen, von denen man nichts versteht. Ich verstehe bisschen norwegisch, bisschen schwedisch, aber dänisch... MS: Für mich ist Norwegisch ein bisschen so, wie für einen Hochdeutschen Bayerisch. Also ich verstehe es, aber ich empfinde einen komischen Dialekt. Aber Schwedisch finde ich noch komischer. Kannst du dir vorstellen, mal auf Dänisch zu singen? MS: Ich habe ein Video auf YouTube, wo ich Dänisch gesungen habe. Und bei den Pressekonferenzen beim Eurovision Song Contest habe ich auch immer Dänisch gesprochen, um mir die Punkte aus Dänemark zu sichern. Im vergangenen Jahr gab es viele berufliche Erfolge. Es kam aber auch dein Sohn zur Welt. Als du über deinen Vater erzählt hast und das Glück und die Trauer, was möchtest du für deinen Sohn bedeuten? Was möchtest du für ihn sein? MS: Im Idealfall möchte ich, dass er so über mich denkt, wie ich über meinen Vater gedacht habe und immer noch denke. Ich habe meinen Vater vergöttert. Ich weiß nicht, ob es daran liegt, dass ich meinen Vater so früh verloren habe. Ich habe immer gedacht, mein größtes Lebensziel ist, Vater zu werden. Es hat funktioniert. Letztes Jahr war ein verrücktes Jahr. Es geht weiter. Am 25.10. erscheint dein neues Album. Du singst jetzt einen Teil. Hier live im Kölner Treff. Einen kleinen Teil davon. Michael Schulte. Der Mann, der nur eine Gitarre braucht. Danke, dass du da bist. Alles Gute für dich. Und Grüße an Frau und Sohn. Ulrich Tukur. Du bist dran. Was war das Lieblingsziel? Sizilien hattest du gesagt. Die meisten Deutschen wollen unbedingt irgendwann mal nach Venedig fahren. Sie leben an die 20 Jahre in Venedig und verlassen Venedig. UT: Ja, weil jedes Ding hat seine Zeit. 20 Jahre ist ein ordentlicher Zeitraum. Man fragt sich sowieso, wenn man Venedig ein bisschen kennt, unfassbar viele Touristen, unfassbar teuer. UT: Touristen gab es schon zu Albrecht Dürers Zeiten. Warum gehen Sie weg? Weil ich mal da wohnen möchte, wo ich auch arbeite. Und weil die Stadt irre anstrengend ist. Ich mochte das natürlich gerne, die ersten 10 Jahre, Sie schleifen Ihre Koffer aus dem Bahnhof, alles ist überall voll. Und übermorgen geht das Ganze von vorne los. Das ist eine tolle, wunderbare Stadt, aber es ist anstrengend, wie Italien überhaupt als 1. Wohnsitz anstrengend ist. Alles ist schwierig, die Leute sind hinreißend, aber das Land ist nicht unkompliziert. Aber warum war Italien überhaupt der gewünschte Wohnort? Oder kann man sagen, Sehnsuchtsort Das war nicht mein Sehnsuchtsort. Es war eigentlich eher Frankreich. Ich konnte Französisch gut, habe mich für die französische Kultur interessiert. Ich lernte eine Frau kennen, mit der war ich dann verheiratet. Bravo. Ich hatte die Beziehung ein bisschen versaubeutelt. Ich habe viele Fehler gemacht, dann war die Dame weg. Dann bin ich zu Kreuze gekrochen und habe gesagt, bitte, ich möchte mit dir mein Leben verbringen. Du darfst auch den Wohnort aussuchen. Und sie sagte, nach Frankreich will sie nicht, Franzosen sind wie Deutsche, die Italiener spielen. Das ist interessant. Und sie sagte, ich will nach Italien. Und ich habe gesagt, na gut. Dann sind wir nach Genua geflogen, das war aber nichts, und dann kamen wir bei Hochwasser in Venedig an. Diese Stadt war so irrsinnig schön, wir saßen da, bis zu den Knien im Wasser in einer Pension in antikem Mobiliar, es kam eine kleine Kellnerin rein, die hatte eine Schürze, die schwamm dann auf dem Wasser. Und ich sagte, das kann ich mir vorstellen. MB: Mein Sohn Hans war vor einer Woche das 1. Mal in Venedig. Er rief mich morgens an und sagte, hier ist der ganze Marmor. Das fand ich eine ziemlich lustige Bemerkung. Aber Sie haben sich in die Sprache vertieft? Sie sprechen Italienisch? Ja, das muss man auch. Wenn du in eine andere Kultur gehst, musst du die Sprache lernen. Und Sie sind auch ein Kommunikator, Ulrich Tukur. Es gibt da einen Dokumentarfilm, da sieht man, wie Sie in einer Trattoria in Italien mit den Leuten kommunizieren und Musik machen. Das ist auch ganz einfach in Italien. Die Leute sind wunderbar verspielt und offen. Das liebe ich. Und das Essen ist auch fantastisch. Trotzdem, ich gehe nach Belmonte. Belmondo. - Nicht Belmondo, Belmonte. Aber die Musik nehmen Sie mit? Die Musik nehme ich mit, klar. Italienische Chansons. Die sind wunderbar. Sie sind Schauspieler, international erfolgreich, Sie sind Musiker mit einer eigenen Gruppe, die im Schlafanzug auftritt. Sie sind Autor, haben gerade ihren 1. Roman vorgelegt. Morgen kommt er raus. "Der Ursprung der Welt". Ein spannendes Buch. Wie das berühmte Gemälde. Das hat auch mit dem Skandalgemälde von 1866 sehr viel zu tun. Aber zurück ins Italien von heute, welches Lied möchten Sie uns als Abschiedslied aus Venedig spielen? Das wäre schon ein Nachtlied, ein Abschiedslied. Ich liebe Domenico Modugno, ein italienischer Poet. Berühmt geworden durch "Volare". Ein wunderbarer Text. In kurzen Sätzen ist er in der Lage, eine romantische, heitere, lichte, wunderbare Welt zu zaubern. Es ist die Geschichte eines alten Mannes, der durch ein mittelalterliches Städtchen läuft. Mit Zylinder und Frack und Halsschleife und Spazierstock. Er grüßt den Mond, die Straßenlaterne. Ein Fuhrwerk verschwindet im Dunkeln. Eine Katze verschwindet im Dunkeln. Dann singt er noch "Bon nuit". Zum nächsten Vers komme ich wahrscheinlich nicht mehr, weil wir so einen Druck haben. dann sieht er auf dem Fluss etwas davon schwimmen. Es ist ein Lied von einem Suizid. Ein Abschied von Italien. Abschiede sind kleine Tode. ♪ Neulich war ich in Dänemark. Da ging ich in den Nansen-Park. ♪ Falsch. Es ist Mitternacht. Die Straßenlaternen erlöschen. Ein letztes Wirtshausschild erlischt. (singt italienisch) * Musik: Domenico Modugno "Vecchio frac" * (pfeift) Ich kann nicht pfeifen. Ist es manchmal eine Last, so viel zu können? Ach, ich kann viel halb. Mann muss sich irgendwann mal auf etwas ganz konzentrieren. Man verzettelt sich leicht. In dem Roman geht es um die Hauptfigur, die im Grunde genommen mit der Gegenwart nicht klarkommt. Sie dockt an, an die Vergangenheit und an die Zukunft. Ein Roman über 60 Jahre. Er spielt 2033 in einem Europa, das sich in einem ziemlichen Durcheinander befindet. Und es spielt 1943. Es geht um eine Figur, die in verschiedenen Zeiten lebt. Was hat das mit Ihnen zu tun? Sind Sie auch ein Typ, der sich schwer tut in der Realität? Ich bin in einer Familie großgeworden. Ich hatte auch eine Mutter, die sprach nicht türkisch, sondern schwäbisch. Ein typischer Satz meiner Mutter war: Als ich Hamlet am Schauspielhaus spielte. Ich fragte meine Mutter, wie hat es dir gefallen. Sie sagte, es war nicht schlecht, aber fass dir doch nicht andauernd ins Gesicht. Das war mein Elternhaus. Es es waren eigentlich wunderbare Eltern. Aber es war sehr spießig, bürgerlich, schwäbisch. Ich bin großgeworden mit der Literatur meines Großvaters. Also der Generation vor der Generation. Es war diese Nachkriegszeit. Ich habe mich weggeträumt in andere Welten. In andere fantastische Bereiche. In Märchen und Sagen. Das Haus meiner Großmutter hat mich geprägt. Das findet sich in diesem Buch wieder. Man schreibt natürlich über sich. Da geht es auch um bestimmte Häuser, um bestimmte Personen. Es geht darum, dass ein junger Mann auf einmal ein Fotoalbum findet, ein historisches aus den 1920er-Jahren, und sieht sich dutzendfach abgebildet. Wir befinden uns in Paris 2033. Er fährt in einen Ort an der französisch-spanischen Grenze. Er merkt, dass er eine Reise in seine eigene Seele und Familiengeschichte und die der letzten 100 Jahre macht. Wenn Sie sagen, das hat immer mit demjenigen zu tun, der schreibt, dann reden Sie jetzt von dem, wo man sich überhaupt nicht zurechtfindet. Wenn man aber Ihr Leben anschaut, haben Sie ein extrem gutes Leben. Ich beklage mich auch nicht. Aber ich bin trotzdem dunkel grundiert. Ich komme aus einer eher düsteren Familie. Ich habe Glück, dass ich ein bisschen Blut von meiner Großmutter, die heiter war, in mir fließen habe. Man ist als Komiker besonders gut, wenn man unten drunter eine Verzweiflung hat. Das macht so eine Komik plastisch und komplex. Das Leben ist dunkel und hell. Und Sie sind eigentlich immer unterwegs als Schauspieler, der international spielt. Sie haben mal gesagt, ich sehe meine Frau immer nur die Hälfte des Jahres. Das ist unser Geheimnis. Wir sehen uns nicht sehr oft. Das stimmt. Sie haben Ihre Frau noch nie ungeschminkt gesehen? Das ist einer dieser Sprüche, die man mal ablässt. Nein, ich habe sie schon... Sie ist auch ungeschminkt sehr schön. Es ist eine von diesen Menschen, die sich toll schminken können, ohne dass man es merkt. Und sie ist eine Erscheinung. Es ist eine sehr spezielle Person. Eine wunderbare Person. Übrigens auch eine Fotografin. Herr Tukur, Sie haben vor 9 Jahren angefangen, auch einen Tatort-Kommissar zu spielen. Er hat einen Gehirntumor, er lebt aber immer noch. Ja, das war die Möglichkeit, möglichst schnell aussteigen zu können. Der nächste Tatort kommt übernächsten Sonntag. Und jetzt halten wir uns alle fest, wir haben einen kurzen Ausschnitt. Scheiße. Wer sind die da draußen? Sie haben sich zusammengetan. Verdammte Scheiße, das ist Krieg. Wenn sich der Abschaum der Welt zusammenrottet, gnade uns Gott. Wir müssen uns gemeinsam gegen diese Plage wehren. Viva la revolucion. Wir sind am Arsch. Wir müssen diese Plage ausbrennen. Wahnsinn. Ein Mann mit unendlich vielen Facetten. Ulrich Tukur, vielen Dank. Bin ich durch? Darf ich jetzt trinken? Sie dürfen trinken. Zum Wohl. Maryam Zaree, Sie sind vielen als Schauspielerin bekannt durch viele Rollen im Fernsehen und im Kino. Aber heute geht es um Ihre eigene Geschichte. Ihre Eltern kommen aus dem Iran. Ihre Mutter ist geflohen, Sie sind, als sie klein waren, in Frankfurt aufgewachsen. Wussten Sie damals, warum Ihr Vater nicht bei Ihnen war? MZ: Es ist schwierig zu sagen. In meinem Dokumentarfilm gibt es Ausschnitte, wo es Videobotschaften von ihm gibt. Ich wusste, dass er nicht bei uns sein konnte. Aber ich hatte keine wirkliche Vorstellung davon, wo er war. Kinder ahnen manchmal, dass irgendetwas nicht in Ordnung ist. Das etwas als Schatten über dem Leben liegt. Hatten Sie eine Vorstellung von dem, woher Sie kommen? Oder warum Sie nach Deutschland gekommen sind? Hat Ihre Mutter davon erzählt? MZ: Nein. Ich habe das erst mit 12 Jahren erfahren, durch einen Zufall. Meiner Tante, die in Frankreich lebt, ist es rausgerutscht. Da habe ich erfahren, dass ich im politischen Gefängnis geboren bin. Mein Vater war zu diesem Zeitpunkt schon in Deutschland und meine Eltern haben keinen Weg gefunden, mir das zu sagen. Man möchte natürlich seinem Kind ein lebensbejahend Bild vom Leben vermitteln und es ist schwierig, zu sagen, du bist in einem Foltergefängnis geboren. "Born in Evin", so heißt der Film, der Premiere in Frankfurt hat, dann in Berlin. Er kommt auch in die Kinos. Wir zeigen einen Ausschnitt, wo man Sie als kleines Mädchen sieht. Ich weiß 2 oder 3 Dinge über meine Kindheit. Meine Mutter und ich kamen aus dem Iran, aber lebten alleine in Deutschland. Ich hatte auch einen Vater, aber damals wusste ich nicht, warum er nicht bei uns war. Heute bin ich 35 Jahre alt. Und ich weiß dass er nicht bei uns sein konnte, weil er in einem politischen Gefängnis saß. Außerdem weiß ich, dass ich in diesem Gefängnis geboren bin. Vielmehr weiß ich allerdings nicht. Meine Mutter und ich verstehen uns sehr gut. Und trotzdem können wir nicht über die Vergangenheit sprechen. Ich will wissen, was meine Geschichte ist. Aber wo in aller Welt fängt man an? Es ist ein Film, der jetzt erst in die Kinos kommt, aber schon 4 Preise eingeheimst hat. Unter anderem auf der Berlinale. Es ist nicht nur Ihre eigene Geschichte, sondern die vieler Menschen, die im Iran Folter erlebt haben. Warum war es Ihnen ein Bedürfnis, diesen Film zu drehen? MZ: Es gibt viele Gründe. Einer war, auf der einen Seite sind die Täter nach über 40 Jahren immer noch an der Macht. Menschen wurden entwürdigt, gefoltert, ermordet. Und es gibt keine Aufarbeitung. Der Film geht also auch über diese Straflosigkeit. Darüber hinaus war es mir ein Anliegen, darüber zu erzählen, was es bedeutet, wenn innerhalb der Familie nicht gesprochen werden kann. Gerade in Deutschland. Wenn man die Eltern oder Großeltern nicht fragen kann, was ist denn eigentlich passiert. Haben Sie denn Ihre Mutter gefragt? Ja, das erzählt der Film. Ich wollte sagen, es ist nötig, diese Fragen zu stellen. Denn unsere Gegenwart basiert auf dieser Vergangenheit. Und diese Traumata prägen uns. Deshalb ist es wichtig, die Verdrängung nicht fortzusetzen, sondern einen Ausdruck dafür zu finden. Ihre Mutter ist eine beeindruckende Frau. Ich kenne sie nur durch den Film. Sie hat sich zur Wahl als Oberbürgermeisterin in Frankfurt gestellt. Sie ist studiert, ist Psychologin geworden ist in die Kommunalpolitik gegangen. Können Sie verstehen, warum Ihre Mutter nicht mit Ihnen darüber sprechen wollte, darüber, was vorher geschehen ist? Absolut. Ich kann es sehr gut verstehen und ich habe auch eine große Anerkennung dafür. Ich denke, Menschen, die solche schrecklichen Sachen überlebt haben, das ist schon ein Akt der Resilienz und des Widerstandes gegenüber dieser Gräueltaten. Und deshalb liegt es nicht in ihrer Verantwortung, unbedingt sprechen zu müssen. Aber ich denke auch, man kann nicht wirklich von Schweigen sprechen. Wir kommunizieren durch so viele verschiedene Kanäle. Ich fand das interessant, bei diesem Lied, das ja auf Italienisch war. Man spürte trotzdem, worum es geht. Durch die Art, wie wir unser Leben gestalten, kommunizieren wir ganz viel. Wie stand Ihre Mutter zu dem Vorhaben Film? Es kam doch nah an sie ran. Meine Mutter bildet die Klammer des Filmes. Ich habe den Film in 5 Ländern gedreht, ich habe sehr viele Überlebende gefunden, Kinder, die mit mir im Gefängnis geboren waren. Meine Mutter und mein Vater sind aber natürlich Protagonisten im Film. Und sie waren von Anfang an einverstanden. Aber es war trotzdem nicht einfach. Aber ich glaube, es gibt eine Aufgabe, die über das Persönliche hinausgeht. Und ich denke, sie wollten eine Stellvertreterfunktion übernehmen. So viele ihrer Freunde, die nicht sprechen können, sie stellen sich dafür zur Verfügung. Wir erzählen unsere Geschichte und hoffen, dass wir die Geschichten von vielen anderen miterzählen. Sie sind sozusagen auf Ihre eigenen Spuren gekommen. Sie haben sich klargemacht, was bedeutet es für Ihre Mutter, ein Kind im Gefängnis zur Welt zu bringen. Unter unvorstellbaren Bedingungen. Was hat der Film bei Ihnen ausgelöst? Es ist nicht so einfach, das zu beschreiben, diesen Prozess. Denn ich bin ja die Regisseurin und begleite mich selbst als Protagonistin. Oft denken Menschen, ich habe den Film gemacht, um etwas aufzuarbeiten. Aber ich glaube, wenn ich nicht selbst jahrelang Psychoanalyse usw. in meinem privaten Raum gemacht hätte, wäre ich gar nicht in der Lage gewesen, mich künstlerisch und politisch mit dem Thema auseinanderzusetzen. Aber es waren 4 Jahre meines Lebens, ich habe 4 Jahre an diesem Film gearbeitet. Es hat mich enorm geprägt und teilweise musste ich in Abgründe hineinschauen und das aushalten. Dann darin aber auch Schönheit zu finden. Und auch ein Vertrauen ins Leben. Man gewinnt da ganz schön viel, gerade wenn man Leuten zuhört, die Seiten vom Leben mitbekommen haben, die nicht so schön sind. Es gibt sehr schöne Szenen in diesem Film. Wir haben ein paar davon gesehen. Auch die Bilder von Ihnen als Kind und der glücklich wirkenden Mutter. Gleichzeitig gibt es Schilderungen von Folterungen. Wo man ganz tief durchatmen muss, um das auszuhalten. Was sagt dieser Film denen, die keinen persönlichen Bezug haben? Ich muss gestehen, ich war vorgestern in Ravensbrück, ein Konzentrationslager in der Nähe von Berlin. Ein Frauenlager, da sind auch Kinder geboren worden, sind Menschen vergast und umgebracht worden. Und das ist nur ein bisschen von Berlin entfernt. Es ist viel, was mit uns zu tun hat. Ich glaube, es ist schwierig, sich das anzuschauen. Und es ist trotzdem notwendig. Und es ist auch politisch notwendig. Sie haben eben angedeutet, dass Ihre Mutter Psychologie studiert hat. Der 2. Mann, den sie geheiratet hat, ist Psychoanalytiker. Man hat sich also sehr viel mit dem Verarbeiten von Traumata beschäftigt. Wenn das nicht gewesen wäre, wie hätte Ihr Leben anders ausgesehen? Wenn die nicht Psychologen gewesen wären? Wenn diese Tradition nicht in der Familie dagewesen wäre, sich damit zu beschäftigen? Das prägt einen natürlich. Nicht nur auf psychologischer Ebene. Meine Mutter ist auch Politikerin, die sich immer wieder gegen Ungerechtigkeit und Ungleichheit einsetzt. Mein Vater ist auch ein politisch aktiver Mensch. Und was ich von all diesen 3 Eltern, die ich nun mal habe, mitbekommen habe, ist ein großes Gefühl für die Suche nach Integrität, nach Wahrhaftigkeit. Etwas zu tun, das einen Wert hat, das Bedeutung hat. Und die Wege, die sie sich gesucht haben, spielen natürlich auch eine Rolle. Wenn ich es richtig verstehe, hat Ihre Mutter versucht, das war ihr Wunsch und Wille, diesen Schatten von der Tochter fernzuhalten. Damit sie nicht in dieser Dunkelheit aufwächst, sondern ins Helle geht. Wenn ich sehe, wie erfolgreich Sie als Schauspielerin sind, dann hat das doch geklappt. UT: Wenn der Knoten nicht gelöst ist, geht das immer weiter. Man muss diese Dinge ansprechen. Der Mensch ist ein Abgrund. MZ: Ich denke, es geht darum, anzuerkennen, was stattgefunden hat. Und trotzdem sich für das Ja zum Leben zu entscheiden. Es ist ein "trotzdem". Deswegen muss man da hinschauen, kann es nicht unter den Teppich kehren. Ansonsten hat es fatale Folgen. Das war eine Art Schlusswort. Dieses Ja zum Leben. Dass dieser Film, der viele Dinge vermittelt, die traurig, brutal und schrecklich sind, aber trotzdem hinterlässt als Gefühl. Ich kann den Film nur empfehlen. Ich danke Ihnen, dass Sie ihn gemacht haben. Maryam Zaree. Vielen Dank. Das war der heutige Talk am Dienstag. Heute mit dem Kölner Treff. Nächste Woche mit den Kollegen von "2nach9", "3nach9", Entschuldigung. Aber es sind 2: Judith Rakers und Giovanni di Lorenzo. Bis dahin alles Gute. Tschüs zusammen. Copyright WDR 2019