SENDETERMIN So, 20.01.13 | 16:30 Uhr

Dunkle Kleidung - Risiko im Straßenverkehr

Blendender Gegenverkehr, Dunkelheit: Gerade im Winter ist Autofahren anstrengend und gefährlich. Und da sind noch andere unterwegs. Fußgänger zum Beispiel, oft dunkel gekleidet, für Autofahrer kaum zu sehen und leider immer wieder Opfer im Straßenverkehr. Doch für ihre Sicherheit sollten Fußgänger auch selbst etwas tun.

Dunkle Kleidung

Dunkle Kleidung

Zusammen mit der Polizei wollen wir herausfinden, ab wann Fußgänger, je nach Kleidung, wirklich zu sehen sind. Das Risiko für Fußgänger im Dunkeln unterschätzen viele. Deshalb machen wir die Versuche auch nicht mit echten Fußgängern, sondern mit Schaufensterpuppen.

Sichtbarkeit im Test

Auf einem abgesperrten Prüfgelände haben wir zunächst die dunkel gekleidete Puppe postiert. Wo sie steht, wissen unsere Testfahrer, ganz normale Autofahrer mit unterschiedlicher Fahrpraxis, natürlich nicht. Mit Tempo 50 geht es über den Parcours.

Die dunkel gekleidete Person ist wie ein Schatten, erst 15 Meter vor dem Fahrzeug taucht sie undeutlich im Scheinwerferlicht auf, weil dunkle Kleidung Licht förmlich schluckt. Zeit zu reagieren gibt es nicht. Auch Fahrerfahrung spielt da keine Rolle mehr.

Unterschätzte Gefahren

Ein Problem, nicht nur auf der Landstraße. Viele Fußgänger überqueren Straßen auch in Städten häufig dort, wo die Beleuchtung schlecht ist. Kommt es zum Unfall, endet das oft schwerwiegend.

Bei 50 Kilometern pro Stunde beträgt allein die Reaktionszeit eine Sekunde und damit 14 Meter Fahrstrecke, bevor das Auto abgebremst wird.  Man kann sich vorstellen, dass Fahrer gar keine reale Chance haben, dann dem Gegenstand oder der Person auszuweichen, erklärt Peter Lang von der Verkehrspolizei Emmendingen.

Die Polizei versucht immer wieder, darauf aufmerksam zu machen. Radfahrer ohne Licht können die Polizisten verwarnen, dunkel gekleidete Fußgänger aber nicht.

Markus Häringer von der Verkehrspolizei Emmendingen sagt dazu: "Ist natürlich schwierig, wenn man keine Rechtsgrundlage hat hierfür, man kann nur sensibilisieren, Leute drauf aufmerksam machen, mehr kann man nicht machen."

Wie wichtig Prävention ist, zeigt der Blick in die Unfallstatistik. Allein 2011 starben 614 Fußgänger, viele, weil sie bei Dämmerung und Dunkelheit von Autofahrern schlicht übersehen wurden.

Helle Kleidung besser

Helle Kleidung soll die Sichtbarkeit bei Dunkelheit verbessern, sagt etwa der Deutsche Verkehrssicherheitsrat. Klingt einleuchtend. Aber wie viel macht das  wirklich aus?

Wir ersetzen die dunkle Puppe durch eine, die auffälliger gekleidet ist. Und sie steht an einer anderen Stelle. Unsere Tester sehen die Puppe schon deutlich früher.

Statt vorher aus 15 Metern ist die Puppe jetzt schon aus fast 50 Metern zu erkennen. Ein Sicherheitsgewinn, allerdings ein trügerischer. Denn mit Abblendlicht sieht man nur den unteren Teil der Puppe deutlicher. Das könnte aber auch ein harmloser Gegenstand sein.

Peter Lang, Verkehrspolizei Emmendingen erklärt: "Die helle Kleidung reflektiert das Licht besser, aber es ist sehr schwer zu erkennen, auf Grund der Scheinwerferhöhe, dass es sich um einen Mensch handelt, der am Straßenrand steht, weil der Scheinwerfer nicht den Menschen in seiner Größe erfassen kann." Autofahrer erkennen also auch einen hell gekleideten Fußgänger nicht automatisch als Menschen, bremsen nicht automatisch.

Sich selbst schützen

Reflexstreifen verbessern die Sichtbarkeit im Dunkeln deutlich

Reflextreifen

Sicherer wäre reflektierende Kleidung. Das Problem: Die gibt es praktisch nur als Berufskleidung, etwa für Polizei oder Feuerwehr. Für den Alltagsgebrauch ist fast nichts im Angebot und manche Billigware bringt nicht viel. Aber es gibt einfache, günstige Lösungen, beispielsweise gut reflektierende Bänder, die man um den Arm legen kann. Außerdem kann man reflektierende Streifen mit einem Klebefilm auf der Rückseite auf seine normale Jacke kleben.

Wir statten die Puppe mit solchen Reflex-Streifen aus, die es zum Beispiel in Sportläden für ein paar Euro gibt. Dabei werden vor allem Arme und Beine markiert, die Konturen des Körpers so nachgezeichnet, damit man als Person erkennbar wäre und ein Autofahrer dann entsprechend reagieren kann.

Ist das auch bei unseren Fahrern so? Wir erhöhen den Schwierigkeitsgrad, stellen die Figur dort auf, wo Gegenverkehr blendet.

Ergebnis: Reflektoren auf der Kleidung erhöhen die Sichtbarkeit von Fußgängern fast um das Fünffache, selbst im Licht des Gegenverkehrs.  Und alle Tester reagieren früh und verringern ihre Geschwindigkeit.

Das bedeutet: Reflektoren retten Leben, und das für nur ein paar Euro.

Stand: 20.06.2013 17:01 Uhr

Sendetermin

So, 20.01.13 | 16:30 Uhr

Produktion

Diese Sendung wurde vom
Südwestrundfunk produziert.