Die ARD und Das Erste rufen zum Dokumentarfilm-Wettbewerb auf

Kameramann bei der Arbeit
Kameramann bei der Arbeit

Bereits zum fünften Mal lädt die ARD zu einem Dokumentar-Pitch ein: Gesucht wird ein kreatives und innovatives dokumentarisches Highlight für einen Sendeplatz im Ersten. Produzenten sind aufgerufen, ihre Konzepte und Ideen bis zum 05.08.2016 einzureichen.

Die fünf vielversprechendsten Projekte werden im Rahmen des 59. Internationalen Leipziger Festivals für Dokumentar- und Animationsfilm am 02.11.2016 zu einem öffentlichen Pitch eingeladen. Der Gewinner des Wettbewerbs wird bei der ARD-Veranstaltung "Top of the Docs" während der Berlinale 2017 in Berlin bekanntgegeben.

Gesucht wird ein innovatives Filmprojekt zum Thema:

Die Schmerzgrenze – Wie die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich unser Land verändert.

Eine Seniorin holt Geldscheine aus ihrem Geldbeutel.
Für viele recht es kaum für das Nötigste.

Über 300.000 Menschen leben derzeit in Deutschland auf der Straße. Bereits in den nächsten zwei Jahren wird ihre Zahl laut defensiven Schätzungen auf 500.000 steigen. Dann sind so viele Menschen in einem der reichsten Länder Europas ganz unten angekommen, wie derzeit in Hannover oder Leipzig leben. Und viele in diesem Land haben Angst, dass sie demnächst dazugehören werden. Über 16 Millionen Menschen sind in Deutschland akut von Armut bedroht. Als arm gilt, wer weniger als 60 Prozent des Durchschnittseinkommens erwirtschaftet. Im Moment bedeutet das: unter 1000 Euro im Monat.

Und es gibt gesellschaftliche Gruppen, die es überwiegend trifft: Alleinerziehende, Kinder und alte Menschen. Die hohe Zahl von Flüchtlingen dürfte die Lage noch verschärfen. Schon gibt es Verteilungskämpfe unter denen, die wenig oder nichts haben. Ehrenamtliche Helfer der Tafel etwa berichten von zunehmender Aggressivität unter den Bedürftigen bei der Lebensmittelausgabe, und vor Fußballstadien streiten Flüchtlinge und Rentner sich um die Pfandflaschen.

Arm und reich – Deutschland driftet auseinander

Politikern – keineswegs nur von der Linken – dämmert, dass sich ein soziales Großproblem für unsere Gesellschaft entwickelt, denn die Lebensverhältnisse in Deutschland driften auseinander. Immer weniger Menschen verfügen über immer mehr Vermögen. Die Bundesbank veröffentlichte jüngst trockene Zahlen im sogenannten Vermögensbericht. Von insgesamt etwa 40 Millionen deutschen Haushalten verfügen die reichsten vier Millionen über 60 Prozent des Nettovermögens unseres Landes. Mehr als in jedem anderen Land der EU. Sie werden – das belegen alle Statistiken – immer vermögender werden. Steuersparmodelle, Aktien und Immobilienbesitz sind ihre Turbolader.

Hartz IV Stempel
Hartz IV Stempel

Die Zahl der sogenannten prekären Arbeitsverhältnisse und der Hartz-IV-Aufstocker nimmt auf der anderen Seite zu, auch bei den Jüngeren. Prekär ist, was wenig Sicherheit und Schutz bietet. Der Minijob am Wochenende ermöglicht Klassenfahrten oder den Zahnersatz. Was als Chance zu Integration geplant war, als Mittel zum Wiedereintritt in den regulären Arbeitsmarkt, wird nun zum letzten Halt gegen das Abrutschen ins soziale Aus.

Wie verändert die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich unser Land?

Gesucht ist keine Klassenkampflyrik und auch keine Sozialreportage, sondern der kluge Blick auf ein Land, das sich schleichend verändert. Ist es an der Zeit, mehr Gerechtigkeit zu wagen? Und was ist "gerecht" in einer Leistungsgesellschaft? Sollte wenigstens der Spitzensteuersatz wieder erhöht werden oder müssen wir auf die Superreichen setzen, die von ihrem gewaltigen Vermögen Millionen Euro stiften, um sinnvolle Sozial- und somit Perspektivarbeit zu ermöglichen? Kann es richtig sein, dass Unternehmen ihre Gewinne über Firmenkonstruktionen kleinrechnen und sich so – anders als die breite Mittelschicht – ihrer gesellschaftlichen Verantwortung entziehen? Ist die Forderung nach Vermögens- und höherer Erbschaftssteuer nur der Reflex einer Neidgesellschaft oder kann sowas das soziale Gefälle zumindest mildern?

"Die Schmerzgrenze" soll ein spannendes dokumentarisches Format sein, das Mut und Kraft hat, um jenseits der Schemata von links/rechts, gut/böse einen freien, offenen und berührenden Blick auf die soziale Situation in Deutschland zu werfen.

Die beteiligten Sender der ARD-Initiative ermöglichen die Realisierung des Gewinner-Projekts mit einer Summe von bis zu 250.000 Euro (brutto); für darüber hinausgehende Herstellungskosten ist der Einreichung ein Finanzierungsplan beizufügen.

Was wir erwarten

Wir wünschen uns einen Film, der herausragt durch tiefgründige Recherche, exklusive Zugänge und eine außergewöhnliche, neuartige und kreative Machart. Aufgerufen sind TV-Produzenten mit Sitz in Deutschland.

Das Projekt sollte exklusiv für diesen Pitch entwickelt werden. Vorschläge, die bereits einem oder mehreren ARD-Häusern zur Prüfung vorgelegen haben, werden von diesem Wettbewerb ausgeschlossen.

Das sollten Sie einreichen:

Wir bitten Sie, in einem aussagekräftigen Exposé Ihre Idee zu diesem Thema zu entwickeln – das schließt ausdrücklich Fragen der filmischen Umsetzung, der Online-Strategie und der Finanzierung mit ein.

Senden Sie uns (ausschließlich im Format pdf)

  • eine Logline, Synopsis (1 Seite),
  • ein mindestens 10 Seiten umfassendes Exposé, das den hochwertigen Look und die dramaturgischen Strukturen erkennen lässt,
  • Gedanken zur Online-Strategie und Vermarktung (max. 2 Seiten),
  • eine Grobkalkulation und ggf. einen Finanzierungsplan (1 bis 2 Seiten).

Die Einreichfrist endet am 05. August 2016

Eine Jury bestehend aus programmverantwortlichen Vertretern/innen der beteiligten Rundfunkanstalten unter Leitung des ARD-Chefredakteurs Rainald Becker wird zunächst über die Teilnehmer des Pitches in Leipzig und schließlich über den Sieger entscheiden.

Die Einreichungen (im Format pdf) unter Nutzung des angegebenen Betreffs senden Sie bitte an:

ard-dokupitch@mdr.de
Betreff:   Schmerzgrenze

Ansprechpartnerin für Pressefragen:
Sabine Krebs
ARD-Sprecherin
Tel. 0341/300-6430
sabine.krebs@mdr.de