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Hans-Joachim Kulenkampff

Hans-Joachim Kulenkampff (Bild: HR/Kurt Bethke) Bild vergrößern bzw. verkleinern Bildunterschrift: Hans-Joachim Kulenkampff, Meister der Samstagabendunterhaltung. ]
Er war der unbestrittene König der TV-Abendunterhaltung in den 60er, 70er und 80er Jahren. Hans-Joachim Kulenkampff, genannt "Kuli", war drei Jahrzehnte lang die Nummer 1 der Fernsehunterhaltung. Einzigartig und unerreicht. Vor allem mit der Sendung "EWG – Einer wird gewinnen" erreichte er traumhafte Einschaltquoten. Wenn die Sendung "nur" 82 Prozent hatte, pflegte er zu sagen: "Wenn uns die Leute nicht mehr sehen wollen, dann hören wir eben auf."

Wie erklärt sich dieser unglaubliche Erfolg, wofür stand "Kuli" gesellschaftlich und wie war er privat? Der Film von Philipp Engel zeigt Hans-Joachim Kulenkampff als einen herzlichen, direkten und politisch engagierten Menschen, der öffentlich kaum anders war als privat. Zugleich aber zeichnen seine Kinder und enge Freunde das Bild eines sensiblen, bisweilen unsicheren Mannes, der davon träumte, als Schauspieler von den Feuilletons gefeiert zu werden. Vor allem aber war "Muckel", wie er liebevoll von seiner Familie genannt wurde, ein Mann, der seine Sorgen und Ängste für sich behielt. Über den mörderischen Russlandfeldzug, bei dem ihm ein Zeh abfriert und den er nur mit großem Glück überlebt, spricht er ebenso wenig, wie über den dramatischen Verlust seines erstens Sohnes, der 1957 bei einem Autounfall stirbt. Der wortgewandte Showmaster findet keine Worte, wenn es um die Tragödien seines Lebens geht.

Kulenkampff fällt in den 50er Jahren schnell auf, als talentierter Moderator, zunächst von Radio-, später von Fernsehsendungen. Sein Witz, seine "Frechheit" und die ungemeine Schlagfertigkeit gefallen dem Publikum. Er bedient gekonnt das Bedürfnis einer Nachkriegsgesellschaft nach Zerstreuung und Vergessen. Er ist Vorbild der Jugend, Lehrer, Lausbub und Vater der Nation. Ein Mann, den die Kriegswitwen gerne an ihrer Seite hätten und dem selbst Universitätsprofessoren gerne zusehen, weil Kuli eben nicht nur unterhaltsam ist, sondern auch die Rolle des belesenen Intellektuellen beherrscht. Dabei hadert er damit, dass er den Akademiker zwar überzeugend verkörpert, aber keiner ist. Zwar ist er prominenter als sein Bruder Helmut, ein angesehener Medizinprofessor, aber insgeheim, so vermutet Sohn Kai, träumte er wohl von einer seriösen Karriere, etwa als Professor für Kunstgeschichte. Schließlich stammte er aus einer berühmten und alteingesessenen Bremer Familie.

Menschen, die über Generationen hinweg gewohnt sind, unabhängig, selbstbewusst und global zu denken. Diese Souveränität prägt ihn. So wenig er öffentlich und privat über seine innersten Sorgen und Nöte spricht, so offen und beredt ist er in seinem politischen Engagement: Kulenkampff ist sozialdemokratisch eingestellt, bekennender Pazifist und er hält mit seiner politischen Überzeugung auch als Moderator nicht hinter dem Berg.

Nicht erst als er 1969 Wahlkampf für Willy Brandt macht, geht ein Aufschrei der Empörung durch den konservativen Blätterwald, privat wird er mit Schmähpost und Morddrohungen überzogen. Regelmäßig sorgen seine Äußerungen für kleine Skandale, aber am Ende liebt ihn sein Publikum für eben diese Offenheit.

Scheinbar unbeeindruckt perlen die Schmähungen seiner Kritiker an ihm ab. Doch war es wirklich so? "Kuli" der Steuermann, die Hand am Ruder, jedem Sturm mutig trotzend? So sahen ihn seine Fans und so erlebt ihn seine Familie, wenn er an Bord eines Segelschiffs wochenlang auf der Nordsee Ruhe suchte. Das Schiff ist auch der einzige Ort, an dem er für seine Kinder wirklich greifbar ist. Denn vor allem sein jüngster Sohn Kai leidet unter der permanenten Abwesenheit des Vaters. So präsent der Star im TV und auf der Bühne ist, so selten ist er zu Hause. Wenn, dann wird er von seiner Frau Traudel abgeschirmt, die für Kuli ihre eigene Schauspielkarriere an den Nagel gehängt hat. Die Liebe der beiden hält ein Leben lang und seine Frau ist für Kulenkampff die wichtigste Stütze im Leben.

Für die Reihe "Legenden" erzählen die Kinder Merle und Kai von der großen Liebe ihrer Eltern und geben Einblick in das Leben der Legende Hans-Joachim Kulenkampff. Zu Wort kommen außerdem seine Schwägerin Ingeborg Stecher, der frühere Bremer Bürgermeister Hennig Scherf, seine langjährige Showassistentin Gabi Kimpfel, Fernsehkollege Alfred Biolek und zahlreiche weitere private und berufliche Weggefährten.

Film von Philipp Engel

Sendetermin
Mo, 25.04.11 | 19:15 Uhr