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Air France Flug 447

Animation eines Tauchroboters
Ein Tauchroboter soll die Black-Box bergen | Bild: SWR

Die Suche der Aufklärungsflugzeuge nach Trümmerteilen im Atlantik verläuft schleppend. Bisher gibt es kaum Spuren von der verunglückten Air-France-Maschine. Die bislang entdeckten Wrackteile und die Obduktion der gefundenen Leichen haben den ursprünglichen Verdacht einer Explosion nicht bestätigt. Die Absturzursache von Flug AF 447 bleibt rätselhaft.

Fieberhaft suchen das Atom-U-Boot "Emeraude" und ein französisches Forschungsschiff nach dem Flugschreiber der Maschine. Er könnte das Rätsel lösen. Aber es ist ein Wettlauf gegen die Zeit, denn die Blackbox sendet nur noch bis Ende Juni Signale – dann ist die Batterie leer. Wird der Flugschreiber geortet, sollen Tauchroboter das Schuhkarton-große Gerät bergen. In dem zerklüfteten, über 4.000 Meter tiefen Unterwassergelände gilt das jedoch als äußerst schwierig.

Was sind die Ursachen einer Flugzeug-Katastrophe?

Wrackhalle der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung
Wrackhalle der BFU | Bild: SWR

Bricht der Kontakt zu einem Flugzeug unvorhergesehen ab, bedeutet das meist eine Katastrophe. Herauszufinden, was in den letzten Minuten davor passiert ist, gleicht einem detektivischem Puzzle. Warum es so kompliziert ist, zeigt ein Blick in die Wrackhalle der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU). Die BFU ist Deutschlands Spezialbehörde für die Aufklärung von Flugunfällen. Aus den traurigen Überresten die Unfallursache herauszulesen, erfordert viel Geduld und technisches Know-How. Oft ist es die Suche nach der Nadel im Heuhaufen.

Hatte das Flugzeug einen Flugschreiber und einen Stimmenrecorder an Bord, werden die als erstes gesucht. Das Gerät zeichnet wichtige Flugdaten auf: unter anderem Höhe, Kurs, Geschwindigkeit, den Zustand der Triebwerke. Der Stimmenrecorder speichert den Sprechfunkverkehr der letzten 30 Minuten und kann Hinweise auf mögliche Pilotenfehler geben. Mit den Flugdaten kann ein Simulator die Ereignisse vor der Katastrophe nachbilden: Wie waren die Steuerbewegungen, was haben die Instrumente angezeigt, hatten die Triebwerke genügend Schub?
Flugschreiber sind im Heck des Flugzeugs eingebaut, weil das bei einem Aufprall meist am wenigsten beschädigt wird. Trotzdem bleiben manche Geräte für immer stumm. Obwohl sie große Hitze und enorme mechanische Belastungen aushalten, kann ein Crash sie zerstören.

Schicksalsjahr 1996: TWA- und Birgen-Air-Katastrophe

Beim 1996 vor New York abgestürzten TWA-Jumbo finden die Ermittler zwar einen intakten Flugschreiber, doch der allein kann die Unglücksursache nicht aufklären.
Erst nachdem Tausende Wrackteile aus dem Meer geborgen und akribisch zusammengesetzt sind, kommen die "Crash-Detektive" der rätselhaften Explosion in einem Treibstofftank auf die Spur. Ursache war vermutlich ein Kurzschluss in einem Kabelschacht.

Fünf Monate zuvor: Auch der Absturz einer Boeing 757 der Fluggesellschaft Birgen-Air in der Karibik bringt technische Mängel ans Licht. Ein Geschwindigkeitssensor ist defekt und zeigt falsche Werte an. Doch hier liefert der Stimmenrecorder den Beweis für die eigentliche Absturzursache. Die Piloten sind mit der Situation total überfordert und begehen verhängnisvolle Fehler. Die Untersuchungskommission gibt ihnen deshalb auch die Hauptschuld an dem Unglück, bei dem 189 Menschen ums Leben gekommen sind.

Task-Force deckt technische Mängel auf

In Deutschland hat man Konsequenzen aus dieser Katastrophe gezogen. Seit 1996 fahndet eine Task-Force des Luftfahrtbundesamtes nach Maschinen mit mangelhaften Sicherheitsstandards. Auf allen großen deutschen Flughäfen führt die Spezialeinheit unangemeldete Kontrollen bei ausländischen Airlines durch. Funktionieren Instrumente nicht korrekt, oder ist die Sicherheitsausrüstung nicht komplett, gibt es Startverbot bis alle Mängel behoben sind. Bei schwer wiegenden Defekten, etwa an den Tragflächen, dem Fahrgestell oder den Triebwerken, droht ein generelles Einflugverbot nach Deutschland. Andere europäische Länder sind inzwischen dem deutschen Vorbild gefolgt und führen ähnliche Kontrollen durch.

Ob technisches Versagen zum Absturz der Air-France-Maschine geführt hat, ein schweres Unwetter oder Pilotenfehler, kann derzeit niemand sagen. Antworten wird es nur geben, wenn die Unfall-Ermittler das Wrack finden und den Flugschreiber auswerten können.
Deshalb fordern Experten, dass die Flugdaten im Falle einer Störung über Satellit ausgelesen werden, statt sie nach der inzwischen veralteten Methode an Bord eines Flugzeugs in der Black-Box zu speichern. Technisch möglich wäre das längst.

Adressen & Links

Auf der Homepage der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung wird über Unfälle und schwere Störungen im Flugverkehr berichtet:
www.bfu-web.de

Autor: Harald Brenner, (SWR)

Stand: 28.07.2015 11:38 Uhr

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