SENDETERMIN So, 19.02.12 | 17:00 Uhr

Das Leben eines Haares

Haaraufbau und -wachstum

Schematischer Aufbau eines Haares
Aufbau der Haarwurzel

Haare sind zarte, lange Hornfäden, die im Wesentlichen aus Keratin bestehen. Gut sichtbar ragen sie aus der Kopfhaut heraus. Lediglich die Haarwurzel ist nicht von außen zu sehen. Sie steckt in einer Einstülpung der Oberhaut, die als Follikel bezeichnet wird.

Am unteren Ende des zwiebelförmig verdickten Follikels wird das Haar in der Haarzwiebel gebildet, wo sich auch die so genannte "Papille" befindet. Diese Papille enthält die teilungsaktiven Zellen, die Matrixzellen, die für das Haarwachstum verantwortlich sind. Die Matrixzellen werden über Blutgefäße mit den notwendigen Nährstoffen für das Haarwachstum versorgt.

Da durch die Teilung der Matrixzellen ständig neue Zellen entstehen, schiebt sich das Haar langsam an die Oberfläche der Kopfhaut, und zwar durchschnittlich etwa 0,3 Millimeter am Tag - also rund ein Zentimeter im Monat und damit zirka 12 Zentimeter im Jahr.

Lebenszyklus des Haares

Schematische Darstellung einer Haarwurzel in den verschiedenen Zyklen
Das Haar durchläuft drei Lebenszyklen.

Wie fast alles in Natur hat auch das Haar einen Lebenszyklus. Nach der Wachstumsphase ("Anagenphase") folgt die Rückbildungsphase ("Katagenphase"), an die sich die Ruhephase ("Telogenphase") mit Haarausfall anschließt. Etwa 150.000 Follikel befinden sich in der Kopfhaut. Sie durchlaufen die drei Phasen nicht gleichzeitig, die Produktion der einzelnen Haare erfolgt also asynchron. Dadurch wird beim Menschen ein gleichmäßiger Kopfhaarbestand gewährleistet. Eine Mauser, wie wir sie aus dem Tierreich kennen, findet nicht statt.

  • Wachstums- bzw. Anagenphase

Die Wachstumsphase ist die längste der drei Phasen und dauert in der Regel zwischen zwei und sechs Jahre. Bis zu 80 Prozent aller Haare befinden sich jeweils in dieser Wachstumsphase. Rückbildungs- bzw. Katagenphase

Die sich an die Wachstumsphase anschließende Rückbildungsphase dauert meist nur zwei bis drei Wochen. In dieser Zeit wird der Haarfollikel samt Zwiebel und Papille kleiner und wandert in Richtung Kopfhautoberfläche. Die Matrixzellen teilen sich nicht mehr und das Haarwachstum stoppt. Schließlich trennen sich Haar und Papille voneinander.Ruhe- bzw. Telogenphase

Die nach der Rückbildungsphase einsetzende Ruhephase zieht sich über etwa drei Monate hin. Da das Haar von der Nährstoffversorgung komplett abgeschnitten ist, fällt es nach einiger Zeit aus. Pro Tag verliert der Mensch im Schnitt 60 bis 100 Haare, was durchaus normal ist. Mit dem Ausfall des Haares beginnt der Follikel wieder ein neues Anagenhaar zu produzieren.

Haarlänge und -fülle

Eine Frau mit dicken, langen dunklen Haaren
Eine Frage der Gene: Haarfülle

Haarlänge und -fülle sind im Wesentlichen genetisch bedingt. Während die Haarlänge von der Länge der Wachstumsphase abhängt, wird die Dicke des einzelnen Haares von der Größe der Papille bestimmt. Es ist eine ganz simple Rechnung: Wenn das Haar im Schnitt pro Jahr um 12 Zentimeter wächst und die Wachstumsperiode maximal etwa sechs Jahre beträgt, so kann das Haar auch nur maximal 6 x 12cm = 72 cm lang werden. Die Rapunzel-Zopflänge gehört also zu Recht ins Reich der Märchen. Sicherlich gibt es aber auch immer wieder genetische Ausnahmen und somit Menschen, die sehr viel längere Haare als 72 Zentimeter haben. Die Haarfülle wiederum wird vor allem davon bestimmt, wie dick das einzelne Haar ist und in wie vielen Follikeln Haare nachwachsen.

Haarausfall

Eine Frau holt Haare aus einer Haarbürste
Wie viele ausgefallene Haare sind normal?

Verlieren wir deutlich mehr als 100 Haare am Tag, kann dies genetisch bedingt sein. Aber auch Stress und Krankheiten können zu starkem Haarausfall führen. Die Ursache in allen drei Fällen: Die Matrixzellen sind nicht so teilungsaktiv wie normalerweise, sodass die Wachstumsphase deutlich kürzer ist. Je kürzer die Wachstumsphase ausfällt, desto weniger Haare befinden sich in dieser Phase und umso mehr in der Rückbildungs- und Ruhephase.

Tipps gegen nicht genetisch bedingten Haarausfall

Was für den Körper gut ist, hilft auch den Haaren. Eine gesunde Ernährung mit allen notwendigen Vitaminen, Mineralien und Proteinen versorgt die Haare mit den Nährstoffen, die sie zur Entwicklung und Erneuerung brauchen. Darüber hinaus sollten Krankheiten beizeiten gründlich auskuriert werden. Stumpfe, spröde Haare sind häufig ein Hinweis darauf, dass es um die Gesundheit nicht zum Besten bestellt ist, während schöne glänzende Haare ein Indiz für Vitalität sind. Vom Haarausfall betroffene Menschen finden Hilfe in Kliniken und bei Hautärzten, die eine Haarsprechstunde anbieten.

Adressen

Kontaktadresse der Interviewpartnerin:
Prof. Dr. med. Ulrike Blume-Peytavi
Kompetenzzentrum für Haare und Haarerkrankungen
Charité-Universitätsmedizin Berlin
Charité Campus Mitte
Charitéplatz 1
10117 Berlin

Autorinnen: Maud Schwarz, Julia Schwenn (NDR)

Stand: 05.08.2015 11:15 Uhr

Sendetermin

So, 19.02.12 | 17:00 Uhr

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