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asWerkstoff, Wein und Wärme: Nützliche Vulkane

Naturgewalt mit Nutzfaktor

Professor Nikolaus Froitzheim vom Steinmann Institut der Universität Bonn
Professor Nikolaus Froitzheim vom Steinmann Institut der Universität Bonn.

Vulkane gehören zu den am meisten gefürchteten Naturgewalten dieser Erde. Doch schon kurze Zeit nach einem Ausbruch kann man überall auf der Welt ein interessantes Phänomen beobachten: So als wäre nichts gewesen, kehrt rund um den Vulkan neues Leben zurück. Bei näherer Betrachtung zeigt sich, dass Vulkane durchaus sehr nützlich sein können, weiß der Geologe Nikolaus Froitzheim vom Steinmann Institut der Universität Bonn.

1. Weinbau und Landwirtschaft

Eine rote Pflanze auf Vulkangestein
Pflanzen lieben Vulkanasche.

Pflanzen lieben Vulkanasche, weil sie viele Mineralien enthält und leicht verwittert. Zudem speichert die lockere Vulkanasche die Feuchtigkeit der Nacht und gibt sie über den Tag langsam an die Wurzeln ab. In trockenen Zonen der Erde ist mit Vulkanerde sogar Trockenfeldbau möglich, wie beispielsweise auf Lanzarote oder Santorin. Auf vulkanischem Boden wird dort ein hoch aromatischer und sehr geschätzter 'Vulkanwein' gekeltert.

2. Geothermie

Schematische Darstellung einer geothermischen Versorgung eines Hauses
In Vulkanregionen wird Geothermie zum Heizeneingesetzt.

Vulkane entstehen an Rissen in der Erdkruste, in denen flüssiges Magma zu Tage treten kann. Das macht Vulkangebiete interessant als Energiequelle, zum Heizen, aber auch für die Stromerzeugung. In Island zum Beispiel werden rund 90 Prozent der Häuser mit Erdwärme beheizt. Im Prinzip kann man überall dort die Erde als Wärmequelle anzapfen, wo Vulkane brodeln oder wo es in erdgeschichtlich jüngerer Zeit einmal Vulkane gegeben hat. Weltweit wird diese klimaneutrale Energie in Zukunft wohl eine immer größere Bedeutung erlangen.

3. Straßenschotter

Drachenfels
Der Drachenfels diente lange als Baustofflieferant.

Der 25 Millionen Jahre alte Vulkan Drachenfels südlich von Bonn diente über 2.000 Jahre lang als Steinbruch. Die dort abgebauten Trachytblöcke haben schon die Römer in Köln zum Bau eingesetzt. Durch die günstige Verkehrslage direkt am Rhein konnten die Blöcke mit dem Schiff abtransportiert werden. Bis ins 19. Jahrhundert hinein wurde der Trachyt vom Drachenfels für den Bau des Kölner Doms verwendet. Viele Steinbrüche im Siebengebirge und in der Eifel sind auch heute noch in Betrieb. Hier wird zum Beispiel Basalt abgebaut, der als Straßen- oder Bahnschotter Verwendung findet.

4. Dämmziegel

Bimssteinziegel
Bimsstein wird noch heute im Bau eingesetzt.

Nach dem Krieg, in der Wirtschaftswunderzeit, wurde mit aus luftigem Bims gepressten Vulkansteinen halb Westdeutschland wieder aufgebaut. Damals war das ein willkommen günstiger Baustoff. Auch heute noch ist der leichte und poröse Bims beliebt. Sein Wärmedämmwert ist hervorragend, weil Bims zu rund 80 Prozent aus Luft besteht. Aus dem Bims werden heute Dämmziegel hergestellt.

5. Zement

Nikolaus Froitzheim vor einer Trasswand
Trass diente lange als Grundstoff eines natürlichen Mörtels.

Gemahlener Trass, wie er etwa im Brohltal in der Vulkaneifel zu finden ist, ergibt vermischt mit Kalk und Wasser einen natürlichen Mörtel. Das Prinzip kannten schon die Römer, die Trass auch am Vesuv abgebaut haben sollen. Jahrhunderte lang blieb Trass ein sehr gefragter Baustoff - bis die moderne Zementindustrie kam.

6. Mineralwasser

Laacher See
Das Wasser des Laacher See enthält natürliche Kohlensäure.

Bekannt sind Vulkanregionen auch wegen ihres hochwertigen Mineralwassers mit natürlicher Kohlensäure, das an vielen Stellen aus dem Boden austritt. Im Laacher See in der Eifel kann man die Kohlenstoffbläschen sogar beobachten, wie sie vom Seegrund aufsteigen.

Klimaarchiv, Touristenmagnet und mehr

Vulkane sind verlässliche Energielieferanten, ein willkommener Baustoff und ein Segen für die Landwirtschaft. Doch das sind nur einige Beispiele für den Nutzen, den Menschen aus Vulkanen ziehen können. Es gibt noch viele mehr. Kaum jemand weiß zum Beispiel, dass Vulkane auch wahre Klimaarchive sind. Eine Forschungsbohrung am Rodderberg bei Bonn förderte Ende 2011 Bohrkerne zu Tage, mit denen Forscher wertvolle Hinweise auf die Klimageschichte in der Region gewinnen konnten.

Und auch die touristische Bedeutung von Vulkanregionen ist nicht zu unterschätzen. Die Vulkaneifel in Deutschland ist ein gefragtes Naherholungsgebiet. Und Regionen wie Island, Hawaii, der Mount St. Helens oder der Yellowstone Nationalpark in den USA ziehen jedes Jahr Millionen Besucher in ihren Bann.

Autor: André Rehse (SWR)

Stand: 23.03.2016 18:50 Uhr

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So, 25.03.12 | 17:00 Uhr