"Der Überläufer": zweiteilige Lenz-Verfilmung von NDR, ARD Degeto und SWR

mit Jannis Niewöhner in der Hauptrolle und einem hochkarätigen Schauspielensemble

Drehstart zum Zweiteiler "Der Überläufer"
Drehstart zum Zweiteiler "Der Überläufer" | Bild: NDR/Dreamtool / Krzysztof Wiktor

Was ist wichtiger, Pflicht oder Gewissen? Was bedeuten Freundschaft und Liebe in einer aus den Fugen geratenen Welt? Diese aktuellen Fragen wirft Siegfried Lenz in seinem postum veröffentlichten Bestseller "Der Überläufer" auf – der jetzt als Fernseh-Zweiteiler verfilmt wird. Oscar-Preisträger Florian Gallenberger setzt die Koproduktion des federführenden NDR mit der ARD Degeto und dem SWR bis zum 30. August 2019 in Szene, erst in Polen (Krakau, Breslau, Warschau und Umgebung), dann in Bayern. Nach preisgekrönten Filmen wie "John Rabe", "Colonia Dignidad" und "Quiero ser" ist es seine erste Arbeit fürs Fernsehen.



Das Drehbuch schrieben Bernd Lange ("Das Verschwinden") und Florian Gallenberger. Zu dem hochkarätigen Schauspielensemble um Jannis Niewöhner gehören Malgorzata Mikolajczak, Sebastian Urzendowsky, Rainer Bock, Bjarne Mädel, Florian Lukas, Katharina Schüttler, Alexander Beyer, Leonie Benesch und Ulrich Tukur. Produzenten sind Stefan Raiser und Felix Zackor von der Dreamtool Entertainment GmbH. Das Erste wird den Zweiteiler im Frühjahr 2020 zum 75. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkrieges zeigen. Für den NDR ist "Der Überläufer" nach "Der Mann im Strom", "Das Feuerschiff", "Die Auflehnung" und "Arnes Nachlass" die fünfte Adaption eines Lenz-Romans.

Christian Granderath, Leiter der NDR Abteilung Film, Familie und Serie:

»Lenz-Verfilmungen gehören zum NDR wie die Elbe zu Hamburg. Die zweiteilige Verfilmung 'Der Überläufer' ist dabei für uns ein sehr besonderes Projekt – ein irritierender Kriegsfilm und eine berührende Liebesgeschichte in einem, die hervorragend besetzt ist. Wir freuen uns sehr, diesen zunächst unterdrückten Roman zum 75. Jahrestag des Weltkriegsendes zu verfilmen, mit einer Hauptfigur, die sich dem Irrsinn verweigert und die vom Mitläufer zum Überläufer wird.«

Florian Gallenberger (Regie und Drehbuch):

»Ich danke Stefan Raiser und unseren Partnern NDR, ARD Degeto und SWR, dass Sie mir diesen wichtigen Stoff von Siegfried Lenz anvertraut haben. ‚Der Überläufer‘ behandelt Themen, die besonders heute wieder von großer Relevanz sind. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit unserem großartigen Cast und darauf, dieser epischen Geschichte um Liebe und Schuld in Zeiten des Krieges Leben einzuhauchen und sie so einem großen Fernsehpublikum zugänglich zu machen.«

Bernd Lange (Drehbuch):

»Lenz’ Buch ist ein Schlüsselroman über Wehrmachtssoldaten im Zweiten Weltkrieg. Gleichzeitig haben der Blick des 25-jährigen Lenz auf das Nachkriegsdeutschland, auf die deutsch-deutsche Teilung und seine Frage nach der Schuld derjenigen, die das Land wieder aufgebaut haben, aus heutiger Perspektive fast hellseherische Qualität.«

Stefan Raiser (Produzent):

»Es sind stürmische Zeiten, obwohl wir die Generation sind, die alles hat – Frieden, Freiheit und Prosperität. Wir wollen eine berührende Verfilmung schaffen, die uns zeigt, wie wichtig es ist, um diese Errungenschaften zu kämpfen, so wie Lenz selbst das mit seinem Roman wollte.«

Worum geht es?

Im letzten Kriegssommer 1944 kehrt der junge Wehrmachtssoldat Walter Proska (Jannis Niewöhner) vom elterlichen Hof zurück an die Ostfront – und strandet im Niemandsland der polnischen Wälder bei einem Haufen versprengter deutscher Soldaten, nachdem der Zug zu seiner Kompanie von Partisanen in die Luft gejagt wurde. Längst von den eigenen Truppen aufgegeben, sind seine neuen Kameraden in einer verzweifelten Lage. Umzingelt von Partisanen, abgeschnitten von der Front, erwartet sie der sichere Tod. Die Befehle des kommandierenden Unteroffiziers Willi Stehauf (Rainer Bock) werden immer sinnloser und menschenverachtender.

Proskas Begegnung mit der jungen polnischen Partisanin Wanda (Malgorzata Mikolajczak) und seine Freundschaft zu seinem Kameraden Kürschner (Sebastian Urzendowsky) lassen ihn immer stärker an der Richtigkeit seines Fahneneides und an den Machthabern zweifeln. Als die Rote Armee näher rückt, gerät Proska in Kriegsgefangenschaft und kann sich nur noch retten, indem er zum Feind überläuft. Ein gemeinsamer Fluchtversuch mit seiner großen Liebe Wanda misslingt. Als Soldat der Roten Armee wird Proska mitverantwortlich für den Tod seines Schwagers, des Ehemannes seiner Schwester.

Nach der Kapitulation Deutschlands machen die ehemaligen Soldaten Proska und Kürschner in der sowjetischen Besatzungszone in Berlin Karriere: Im Glauben an eine bessere Welt setzen sie die Ideen der russischen Besatzer für ein neues Deutschland um. Doch Proska muss miterleben, dass das Land im Aufbruch nicht einfach die Last der Vergangenheit abstreifen kann, und gerät darüber erneut in einen schweren Gewissenskonflikt. Eine "Stunde Null" gibt es nicht. Erneut steht Walter Proska vor einer folgenschweren Entscheidung …

Die Romanvorlage von Siegfried Lenz

Siegfried Lenz, der selbst in den letzten Kriegstagen desertiert war, schrieb den Roman 1951 im Alter von 25 Jahren. Das insgesamt zweite Werk des Autors, der zu den bedeutendsten und meistgelesenen Schriftstellern der deutschen Nachkriegs- und Gegenwartsliteratur zählt, wurde jedoch erst nach seinem Tod 2016 veröffentlicht. Aufgrund zensierender Eingriffe seines Lektors wegen "handgreiflicher Treulosigkeit gegen die Heimat" hatte Lenz den Roman in den Fünfzigern zurückgezogen und ihn lebenslang unter Verschluss gehalten. 65 Jahre nach seinem Entstehen wurde der Bestseller als "Sensation" und "Schatz" gefeiert.

Hinter der Kamera

Kamera: Arthur Reinhart, Szenenbild: Magdalena Dipont und Robert Czesak, Produktionsleitung: Jannis Stahnsdorf. Die Redaktion haben Christian Granderath und Sabine Holtgreve (NDR), Carolin Haasis (ARD Degeto) sowie Manfred Hattendorf (SWR). Die Produktion wird unterstützt mit Mitteln des Polish Film Institute, des FilmFernsehFonds Bayern und der MFG Filmförderung Baden-Württemberg. Beta Film übernimmt den Weltvertrieb.

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