SENDETERMIN Do, 15.01.15 | 22:50 Uhr

Die Gäste der Sendung am 15.01.2015

Dieter Nuhr
Dieter Nuhr freut sich auf seine Gäste.

In seiner Sendung am 15.01.2015 begrüßt Dieter Nuhr: Senay Duzcu, Ingo Appelt, Andreas Rebers und Torsten Sträter.

Senay Duzcu ist die erste weibliche türkische Stand-up-Comedian in Deutschland. Für sie ist es wichtig, die Kulturunterschiede aus Sicht einer türkischen Frau zu zeigen und deren Zweideutigkeit auf witzige Art und Weise zu präsentieren

Ingo Appelt – als "Enfant terrible der Comedy" gerne ins kommerzielle, wie ins öffentliche Fernsehen eingeladen,  tourt er seit den 80er Jahren erfolgreich durch die Republik. Mit seinem  Programm "Frauen sind Göttinnen – Wir können nur noch beten!", das auch  als "Messe des schwarzen Humors" beschrieben wird, setzt Ingo Appelt seine Erfolgstournee fort.

Andreas Rebers – spricht, singt, spielt Akkordeon und Klavier, auf keinen Fall Gitarre. Minimalistische Pointen sind seine Stärke. Sprachlich präzise und geschliffen, hochmusikalisch, facettenreich und mit großer Freude an politischer Unkorrektheit entzieht er sich hakenschlagend allen Kategorien.

Bei Torsten Sträter ist Idiotie nicht nur ein leeres Wort. Er erzählt von gebrochenen Menschen und Hunden, der Spargelsaison, dem Leben vor dem Tod im Ruhrgebiet und anderen sonderbaren Begebenheiten

Senay Duzcu

»Zum Glück braucht das Lachen keinen Dolmetscher.«

Senay Duzcu ist die erste türkische Komikerin in Deutschland.

Ihr Weg auf die Bühne war weit, seitdem sie mit ihren Eltern als Gastarbeiter nach Deutschland eingewandert ist. Ihr Papa sagt zu einem Storch Schwein und seine Frau stellt er vor, indem er sagt: "Das ist meine Lebensgefahr". Und eigentlich sollte die Schwester von Senays Mutter die Ehefrau ihres Vaters werden. Aber die hatte am Hochzeitstag keine Zeit. Wie alt Senay ist, weiß sie nicht. In der Türkei werden Geburtszahlen gerne angepasst. Senay glaubte lange, sie sei wie Jesus in einem Stall geboren worden. In Deutschland erfuhr sie, es sei wohl doch eine Hausgeburt gewesen. Von da an machte es sich die hübsche Frau zur Aufgabe, Kulturunterschiede aus der Sicht der türkischen Frau zu zeigen. Als "Komikerin im roten Kleid" machte sie sich schnell einen Namen, auch in Radio und Fernsehen. In Bayern wurde Senay 2007 der Deutsch-Türkische Freundschaftspreis verliehen.

Integration durch Comedy? Geht das? "Ja klar", sagt Senay Duzcu. "Zum Glück braucht das Lachen keine Dolmetscher." Ihr eigenwilliger Humor erlaubt es Senay, nicht nur zwischenmenschliche Unterschiede komisch wiederzugeben, sondern auch politische Auseinandersetzungen aufzulockern. Intelligent und mit dem nötigen Augenzwinkern öffnet die Wahlkölnerin manche überraschende Sichtweise. So bringt sie Bewegung in eingefahrene Debatten mit scheinbar unverrückbaren Positionen und verhilft den konkret Beteiligten nicht selten zu neuen Ufern der Verständigung. Angela Merkel empfiehlt sie, einen Türken zu heiraten, "… dann könne sie ein Kopftuch tragen, müsste sich nicht mehr um ihre Frisur scheren und hätte mehr Zeit zum Regieren."

Ihren Pragmatismus hat Senay von ihrem Vater geerbt: "Warum kaufen die Deutschen eigentlich so viele Schuhe, für NUR EIN Paar Füße? Geht lieber los und kauft mehr Füße!" Und warum schimpfen alle immer auf die Zeugen Jehovas? Durch deren häufige Besuche hat Senays Vater immerhin Deutsch gelernt. Wenn es nach ihr ginge, so würde Senay auch täglich für den Postboten, die Beamten vom Ausländeramt und die Polizei kochen. Immerhin sind das die spontansten Deutschen – "Die klingeln wenigstens mal unangemeldet!"

In jeder Hinsicht ist Senay Duzcu einmalig – auch für das türkische Fernsehen. So wurde Senay bereits zweimal von dem Showmoderator Beyazit Öztürk, bekannt als "Beyaz" auf dessen Europa-Tour durch Deutschland mitgenommen.

Senay Duzcu! – Türkische Comedienne – ohne Kopftuch auf der Bühne.

Ingo Appelt

Ingo Appelt
Ingo Appelt

1967 in Essen geboren beginnt Ingo Appelt 1982 nach der Schule eine Ausbildung zum Maschinenschlosser. Wie im "Pütt" verbreitet, schlägt Ingos Herz schon bald links und Ende der 1980er Jahre hat er seinen ersten Auftritt bei der Jugendkonferenz der IG Metall, der 1990 in die erste Tournee mündet: mit dem Programm "Heiter Be-Sinnlich" tourt Ingo durch die Republik.

1991 folgt der Zivildienst, Ingo intensiviert nebenbei seine Auftrittstätigkeit. 1993 stehen bereits 130 Gastspiele mit dem Programm "Wir sterben und Sie machen Witze" in seinem Kalender, 240 Gigs sind es in 1994 – außerdem wird das Fernsehen auf Ingo aufmerksam: er ist bei "RTL Samstag Nacht", der "RTL Nachtshow" und bei "Late Night mit Thomas Gottschalk" (RTL) ein gerngesehener Gast.

1996 ist Zeit für ein neues Programm. "Der Abräumer" macht seinem Namen alle Ehre und so lassen auch weitere TV-Highlights nicht auf sich warten. 1999 genießt Ingo geradezu ein Popstar-Image: er tritt bei der Echo-Verleihung auf und Marius Müller-Westernhagen lädt ihn als Supporting Act für die Abschiedstournee ein – das beschert Ingo einen Stadion-Auftritt vor 750.000 Zuschauern. Das hat auch Auswirkungen auf Ingos eigene Tournee: jeweils 120.000 Zuschauer sehen Ingos "Wet Side Tour" in 1999 und 2000. In 2000 erhält Ingo auch seine eigene Fernsehshow: "Die Ingo Appelt Show" geht bei ProSieben auf Sendung. Nach einem "ersten offiziellen Babyjahr" in 2001 startet Ingo 2002 und 2003 mit seinem neuen Programm "Superstar" wieder voll auf der Bühne durch. 2005 läuft das Programm "Superstar" mit zwei Highlights aus: die CD zur Tour wird veröffentlicht und ProSieben strahlt einen Live-Mitschnitt der Show aus. Aber Ingo gönnt sich keine Pause: schon im Herbst 2005 tourt er wieder – mit dem neuen Programm "Retter der Nation". 2006 vergeht kaum ein Tag, an dem Ingo nicht mit seinem neuen Programm auf der Bühne steht. Überdies nimmt er sich wieder Zeit für Gastauftritte.

Ende 2008 steht der programmatische Titel für das erste Buch, Hörbuch und des nächsten Tourprogramms fest: "Männer muss man schlagen!". 2009 und 2010 wird die "Männer muss man schlagen!-Tour” erfolgreich fortgesetzt und Ingo ist im Kinofilm: "Morgen, ihr Luschen! Der Ausbilder-Schmidt-Film" auf der Leinwand zu sehen. Seit 2010 ist Ingo auch regelmäßig im Satire Gipfel zu Gast. 2011 beginnt mit neuen Folgen des Quatsch Comedy Club – und es geht wieder auf die Bühne. Das Motto: "Frauen sind Göttinnen – Wir können nur noch beten!" Halleluja! Mit mehr als 85 Auftritten legt die als "Messe des schwarzen Humors”-beschriebene Tournee einen fulminanten Start hin, bei dem die Zuschauer kaum aus dem Lachen herauskommen: überall zahlreiche Zugaben und euphorische Resonanz etwa bei Facebook bezeugen das eindrucksvoll.

Andreas Rebers  

Andreas Rebers
Andreas Rebers

Minimalistische Pointen sind seine Stärke. Andreas Rebers spricht, singt, spielt Akkordeon und Klavier, auf keinen Fall Gitarre.

Andreas Rebers wächst im niedersächsischen Weserbergland auf, wo er mit der Stimmungskapelle "Los Promillos" auf Schützen-, Feuerwehr- und Vereinsfesten sein erstes musikalisches Betätigungsfeld findet.

Während seines späteren Studiums an der Universität Hannover ergeben sich erste Kontakte zur freien Theaterszene und zum Kabarett. Von 1984 bis 1988 studiert er bei Thomas Aßmus Akkordeon. 1989 wird er Musikalischer Leiter des Schauspiels am Staatstheater Braunschweig und arbeitet als Komponist für Bühnen- und Schauspielmusiken. Ab 1991 betätigt sich Andreas Rebers auch als freischaffender Autor und Kabarettist – sein erstes Soloprogramm "Realitätsverluste" stellt er im gleichen Jahr vor. In regelmäßigem Abstand entstehen weitere Soloprograme, so zum Beispiel "Musik und gute Laune" und "Schluss mit lustig". Sein Markenzeichen ist ein Akkordeon, das er Strapsmaus betitelt. 1997 wechselt Andreas Rebers vom Braunschweiger Schauspielhaus an die Münchner Lach- und Schießgesellschaft und wird Ensemblemitglied. Unter seiner Federführung entstehen die beiden Programme "Die Polka-Krise" und "Das vertanzt sich". 1998 verlässt Andreas die Münchner Lach und Schießgesellschaft. Eine Kabaretttriologie über das "Ich", "Überich" und "Untermir" entsteht. 2003 gewinnt er den Publikumspreis des Prix Pantheon.

Im Laufe der Zeit erhält er für die nachfolgenden Soloprogramme die höchsten Auszeichnungen, die im deutschsprachigen Kabarett vergeben werden – den Salzburger Stier (2006), den Deutschen Kleinkunstpreis (2007) und den Deutschen Kabarettpreis (2008) und den Musikpreis beim Bayerischen Kabarettpreis (2013). Sprachlich präzise und geschliffen, hochmusikalisch, facettenreich und mit großer Freude an politischer Unkorrektheit entzieht er sich "hakenschlagend allen Kategorien". Neben zahlreichen Fernsehauftritten ist Andreas Rebers regelmäßig bei "Nuhr im Ersten" zu Gast. Sein aktuelles Programm trägt den Titel "Rebers muss man mögen"

Torsten Sträter

Torsten Sträter
Torsten Sträter

Geb. 1966 in Dortmund
Autor und Slam-Poet, Kolumnist, Satiriker, Komiker und Vorleser.
Konfektionsgröße: 54
Schuhgröße: 42
Haar: Graubraun
Augen: Blau
Religion: Nix da

Geboren im Ruhrgebiet mit den üblichen Parametern: Gestrickte Pullis, samstags Daktari, danach Badewanne. Später in den Achtzigern dann Zuwendung zur Gothic-Szene, aber ohne rechten Ehrgeiz, eigentlich nur wegen der schwarzen Mäntel. 900 Dosen Haarlack später dann Ausbildung zum Herrenschneider. Geringster Auszubildendenlohn überhaupt, aber irgendwie reicht's … und heute spart man ja, wenn man sich die Hose selbst kürzt. Literatur-Fokus damals: Stephen King. Heinz Erhard. Ephraim Kishon.

Die Neunziger sind von völliger Orientierungslosigkeit geprägt: Sakko zur Lederhose, nur eine Herdplatte, wechselnde Damenbekanntschaften, aber immer am Arbeiten. Außerdem ziehe ich oft um. Kerouac-artige Unruhe und Nichtsesshaftigkeit. Habe statistisch in jeder vierten Wohnung im Dortmunder Norden gehaust. Immer dabei: mein Sekretär. Möbel, nicht Mann. Einschneidenstes Erlebnis: Bekifft in Jurassic Park.

Das neue Jahrtausend: Hatte mir eigentlich nix vorgenommen, wegen Milleniumuntergang. Findet dann doch alles statt. Planlos bis 2002. 2004 lese ich einen so schlechten Thriller (markiger FBI-Mann, sexy israelische Agentinnen mit permanent aufplatzender Bluse, Mafiosi, die andere beim Nudelessen erschießen), das ich selbst mit dem Schreiben beginne. Erste Geschichte kapitaler Käse, aber ein Anfang ist gemacht. Werde Vater. Wunderbar.

2005: Ein Kleinverlag verlegt mein erstes Buch, "Jacks Gutenacht-Geschichten". Verkauft sich so gut, dass zwei Folgebände erscheinen und der Verlag eine Postkarte in die Bücher legt, die irritiert hinterfragt, WER ZUM GEIER die ganzen Bücher kauft. Erste Lesung direkt im Haus des Buches, Leipzig. Schiebe ein Humorbuch namens "Brainspam" hinterher. Es ist nicht so richtig gut. Dafür aber grauenhaft lektoriert. Werde damit zum Begründer einer Humorform, die darauf fußt, versehentlich ganze Sätze wegzulassen.

2008. Ein Kollege lädt mich ein, meine Texte in einer Dortmunder Hafenkneipe vorzutragen. Da wäre Poetry Slam. Mache ich. Nach zwanzig Minuten des Vortragens packt er mich am Ärmel. Ich müsse zum Ende kommen. Sage ihm, ich hätte noch 17 Din-A-4 Seiten, dann wäre ich durch. Er erklärt mir das Poetry Slam-Konzept: 6-7 Minuten Vortragszeit, keine Hilfsmittel oder Gesänge, danach gibt das Publikum Zensuren. Aha. Macht aber Spaß. Ich bleibe dabei und arbeite mich hoch.

NRW-Poetry-Slam-Champion 2009
NRW-Poetry-Slam-Champion 2010
NRW-Poetry-Slam-Champion 2012

Gewinner der FRITZ NACHT DER TALENTE, Admiralspalast Berlin, 2010
Gewinner des Jahresfinales Bunker Slam, Hamburg, 2011

Beginne mit Sololesungen (hoher Anteil freie Erzählung). Es läuft. Mal kommen fünf Zuschauer, mal acht … aber es werden nach und nach mehr.

2011 erscheint im Carlsen Verlag Hamburg "Der David ist dem Goliath sein Tod". Der WDR erklärt es zum lustigsten Buch 2011. Die Schlagzahl nimmt zu. Auftritte so ziemlich überall, mal in Mixed Shows, mal solo, mal mit Künstlern wie Horst Evers und Fritz Eckenga.

2012 erscheint "Selbstbeherrschung umständehalber abzugeben", erneut im Carlsen Verlag. Dezember 2012: Gewinner des Passauer Scharfrichterbeils 2012. Wunderschönes Beil, übrigens.

Ich bin jetzt eher Ende als Mitte 40, fühle mich aber gut. Ich darf die Republik bereisen, Geschichten erzählen, lästern, vorlesen. Bin genau im richtigen Alter. War ich aber schon immer.

Weitere Zahlen:
Peinlichster Auftritt: 2010 vor 1200 völlig schockierten Bankern.
Lächerlichstes Bühnenoutfit: Lilafarbenes Oberhemd (inzwischen vergraben).
Tritt meist mit Mütze auf. Und in schwarz.
Teuerste Mütze: Armani Exchange, 100 Euro.
Billigste: 3 Euro, Flohmarkt (Neuware).
Keine Bahncard 100. Führerschein.
Schulbildung: Realschule.

Seit 2008 über 300 Bühnenauftritte – Poetry Slams, Lesebühnen, Solo-Shows.