Gespräch mit Veit Stübner

Wassergymnastik – nichts für Ottmar (Veit Stübner).
Wassergymnastik – nichts für Ottmar.

Sie spielen Ottmar, einen Bäckermeister, der nach Thailand auswandert. Haben Sie leicht einen Zugang zu dieser Figur gefunden?

Eigentlich schon. Ottmar ist ein ganz normaler Typ. Er hat mit seiner Frau zusammen über viele Jahre ein Geschäft aufgebaut. Das heißt, er kommt mitten aus dem Berufsleben, als er nach Thailand aufbricht, und für ihn gehört die Arbeit zu einem erfüllten Leben einfach dazu.

Ottmar ist ein bodenständiger Typ. Warum verlässt er sein gewohntes Umfeld? Was sind seine Motive?

Ottmar und Tanja gehen nicht nur nach Thailand, weil sie es dort schön finden. Ihr Beschluss auszuwandern hat auch finanzielle Gründe. Sie bekommen nicht viel Rente, und in Thailand ist das Leben günstiger. Das ist auf jeden Fall ein wichtiger Aspekt für die beiden. Dieses Thema bewegt heute viele Menschen, die eine knappe Rente haben; und natürlich auch jemanden wie Ottmar, der als Selbständiger einen kleinen Betrieb geführt hat. Unter anderen Umständen würde er vielleicht bleiben, wo er ist.

Schon bald nach der Ankunft wird deutlich, dass die Eheleute nicht die gleichen Interessen haben. Sind sie mit falschen Erwartungen an die Sache herangegangen?

Ottmar selbst hat, glaube ich, gar nicht so viele Erwartungen. Für ihn ist zunächst mal nur wichtig, dass es seiner Frau, die gesundheitliche Probleme hat, dort gut geht. Er hat vorher gar nicht richtig darüber nachgedacht, was er vor Ort in Thailand tun könnte. Ottmar und Tanja haben sicherlich gemeinsam vorher dort Urlaub gemacht, und ich glaube, er hat sich nicht klargemacht, dass dieser Aufenthalt jetzt etwas grundsätzlich anderes ist. Wenn so jemand wie Ottmar dorthin zieht, dann nicht, weil er sonnenbaden und sich Tempel angucken will. Ottmar ist nicht der Typ, der die Hände in den Schoß legt. Er kann sich ein Leben ohne Arbeit gar nicht vorstellen. Seine Frau sieht das allerdings anders. (lacht)

Ottmar schmiedet heimlich Pläne für eine deutsche Bäckerei und setzt dabei die Ersparnisse aufs Spiel. Warum geht er so ein großes Risiko ein?

Das ist ein schleichender Prozess. Zunächst bekommt er Druck von seiner Frau, dass er mehr aus dem Haus gehen soll, dann schlittert er ganz allmählich in die Sache hinein. Als sein neuer Bekannter Max ihm von den Plänen für eine Bäckerei erzählt, möchte er zuerst nur mithelfen. Danach will er ein bisschen Geld investieren, und das Ganze soll eine Überraschung für Tanja werden, weshalb er sie nicht ins Vertrauen zieht. Dann verselbständigt sich das Ganze. Als Max ihm eröffnet, dass sie Geld nachschießen müssen, weil sie den Laden sonst nicht bekommen, zögert Ottmar zunächst, aber der Betrüger wiegt ihn in Sicherheit. Es sieht so aus, als wäre alles notariell einwandfrei geregelt und als würde Ottmar große Teile der zukünftigen Einkünfte bekommen. Also hält er die Sache für wasserdicht und denkt sogar noch, er macht ein gutes Geschäft.

Ottmar verliert nicht nur sein Geld, sondern auch Tanjas Unterstützung. Aber er erweist sich als wandlungsfähig. Was geht in ihm vor?

Ganz wichtig ist hier die Begegnung mit Becky, die ihn in das Dorf bringt, in das Tanja sich abgesetzt hat. Diese Reise aufs Land bringt bei ihm ganz viel in Bewegung. Am Anfang hat er Becky eher belächelt und ist ihr mit Vorurteilen begegnet, weil sie nicht in sein Schema passte. Aber in der Nacht im Dschungel bricht etwas in ihm auf. Er ist in dieser Situation gezwungen, sich zu hinterfragen, und das eröffnet ihm einen neuen Weg. Er wird durchlässiger, offener und begreift jetzt erst wirklich, wo er ist. Und indem er in diesem Dorf die Bereitschaft zeigt, sich auf die neue Umgebung und die Leute einzulassen, wird er auch für seine Frau wieder attraktiver.

Und wie hat Ihnen der Dreh in Thailand gefallen?

Unser Team bestand gefühlt zu zwei Dritteln aus Thailändern; das hatte ich so noch nie erlebt. Dabei kriegt man ganz viel mit über die Art, wie die Thais an die Dinge herangehen. Sie sind sehr professionell, aber auch fröhlich und gut gelaunt bei der Arbeit. Diese Herzlichkeit ist außergewöhnlich. Die Dreharbeiten waren auf vielen Ebenen eine Herausforderung. Wenn wir in Pattaya auf einer Straße gedreht haben, rauschte links und rechts der Verkehr vorbei. Teilweise war das Arbeiten dort ein Abenteuer, weil sich nicht immer alles planen ließ und vieles aus dem Moment geboren wurde. Das war fordernd, aber auch spannend und schön.

Sie sind Anfang sechzig. Beschäftigt Sie schon manchmal der Gedanke, wie Sie Ihren Lebensabend verbringen werden?

(Lacht schallend) Auf zwei Beinen und gesund, hoffe ich. Aber ich kann mir nicht vorstellen, ins Ausland auszuwandern. Da fahre ich lieber zum Urlaubmachen hin, kann das schöne Wetter genießen und eine fremde Kultur entdecken. Aber ob man so eine fremde Kultur mit über sechzig noch mal selbst richtig annehmen kann, sehe ich eher skeptisch. Ich glaube, die Gefahr, dass das schiefgeht, ist groß.

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