1/1

Haarspray, die Lollobrigida und gewagte Komplimente

Was Sie sicher noch nicht über Bernhard Grzimek gewusst haben

Ein stattlicher Mann: Bernhard Grzimek misst 1,93 Meter, hat meist eine leicht gebräunte Gesichtsfarbe und ist von sportlicher Statur. Das kommt nicht von ungefähr: Täglich steht er um 6 Uhr in der Früh auf, zieht diszipliniert sein Sportprogramm durch und achtet auf seine Figur. Sein Körpergewicht soll 80 Kilogramm nicht überschreiten – dafür musste angeblich sogar die Waage auf Expeditionen mit dabei sein. Dabei hatte Grzimek eine Schwäche für Süßes.

Ein stattlicher Mann: Bernhard Grzimek misst 1,93 Meter, hat meist eine leicht gebräunte Gesichtsfarbe und ist von sportlicher Statur. Das kommt nicht von ungefähr: Täglich steht er um 6 Uhr in der Früh auf, zieht diszipliniert sein Sportprogramm durch und achtet auf seine Figur. Sein Körpergewicht soll 80 Kilogramm nicht überschreiten – dafür musste angeblich sogar die Waage auf Expeditionen mit dabei sein. Dabei hatte Grzimek eine Schwäche für Süßes.

Sohn Michael ist die treibende Kraft in Sachen Fliegen. Er überredet seinen Vater, mit ihm gemeinsam den Flugschein zu erwerben. Das Ziel der beiden ist, die Wanderrouten großer Herdentiere in Afrika zu verfolgen – von oben. Im Dezember 1957 sitzen Bernhard und Michael Grzimek in der Dornier Do 27 mit dem Zebramuster und haben eine Strecke von 10.000 Kilometern vor sich. Start: Frankfurt, Ziel: Tansania. Vielleicht komme sie den Tieren in der Serengeti dann nicht ganz so technisch und fremd vor, äußert sich Bernhard Grzimek einmal über die Motivation, seine Dornier lackieren zu lassen, was sicher nicht ganz so ernst gemeint war.

Bernhard Grzimek hat nicht viele Freunde und Vertraute. Sohn Michael entwickelt sich bereits sehr früh zum engen Begleiter und Berater. Die beiden unternehmen Reisen durch die ganze Welt und teilen die Leidenschaft für die Tierwelt. Das "geflügelte Zebra" stürzt 1959 ab – mit an Bord: Michael. Mit Michaels Tod verliert der Vater nicht nur seinen Lieblingssohn, sondern zugleich seinen engsten Freund.

Bei seinen vielen Afrikareisen studiert der Forscher, wie wilde Tiere in Freiheit leben. Mit diesem Wissen bemüht er sich auch um die Verbesserung der Tierhaltung im Zoo. Eine Konsequenz nach seinen Afrikastudien ist, dass er keine Elefanten mehr nach Frankfurt holt, obwohl die grauen Dickhäuter Publikumslieblinge sind. Er ist der Meinung, dass sie im Zoo nicht artgerecht leben können.

1945 übernimmt Bernhard Grzimek den Frankfurter Zoo und fährt gleich nach dem Krieg ein innovatives Geschäftsmodell: Der Frankfurter Zoo wird nicht nur Gehege für Tiere, sondern ein Veranstaltungs- und Rummelplatz. In der ehemaligen Gesellschaftshaus-Ruine gastieren Theater, Varietés und Tanzveranstaltungen. 1946 entsteht das "Kleine Theater im Zoo", das noch heute unter dem Namen Fritz Rémond Theater geöffnet ist. Grzimeks Konzept zahlt sich aus, die Besucher kommen in Massen. 1946 strömen 1,9 Millionen Menschen in den Zoo, 1947 bereits 2,4 Millionen. Sie sind nach den entbehrungsreichen Kriegsjahren hungrig auf Unterhaltung und Ablenkung.

1968 wird Bernhard Grzimek zum Krawattenmann des Jahres ernannt. Überhaupt legt der Medienstar auf sein Äußeres sehr viel Wert. Er importiert Haarspray aus den USA, um seine Frisur in einer sehr eigenen Falttechnik auf dem Kopf zu fixieren, wie die Biografin Claudia Sewig in ihrem Buch "Bernhard Grzimek – Der Mann , der die Tiere liebte" schreibt. Grzimek lässt die Haare an den Seiten länger wachsen, um damit die kahlen Stellen in der Kopfmitte zu bedecken.

Bernhard Grzimek erhält für "Serengenti darf nicht sterben" 1960 den Oscar als Dokumentarfilmer. Der Film läuft in mehr als 60 Ländern. Das Begleitbuch wird in 23 Sprachen übersetzt. Die deutsche Film- und Medienstelle in Wiesbaden kann sich allerdings nur schwer zum Prädikat "wertvoll" für die Dokumentation durchringen. Grzimek stößt mit seiner Äußerung, dass die "Erhaltung der letzten Zebraherden für die Menschen ebenso wichtig (sei) wie die Erhaltung der Akropolis" auf heftige Kritik. Viele sehen darin eine Provokation.

"Madame, wenn Sie eine Schimpansin wären, hätte ich mir ihr Gesicht besser merken können." Bekanntermaßen hat Bernhard Grzimek ein schlechtes Namensgedächtnis. Aber dieses Zitat spiegelt durchaus den hohen Stellenwert, den Tiere bei ihm haben: "Man kann Menschen (...) nicht zwingen, Wilde zu bleiben oder sich nicht zu vermehren. Deswegen hat man jetzt überall eingesehen: Ein Nationalpark muss menschenleer sein, es gehören weder Europäer noch Afrikaner hinein", schrieb er in seinem Buch "Serengeti darf nicht sterben".

Bernhard Grzimek heiratet 1978 seine Schwiegertochter Erika, die Ehefrau seines verstorbenen Sohnes Michael und adoptiert seine Enkel Christian und Stephan. Davor war er in erster Ehe mit Hildegard verheiratet, die er nach zweiundvierzig Jahren verlässt. Die Ehe zerbricht am Tod des Sohnes Michael. Außerdem hatte er zwei Kinder mit einer Geliebten, die ihren Vater allerdings erst nach Jahrzehnten kennenlernten. Trotz seiner Bekanntheit wusste die Öffentlichkeit nicht viel von seinem Privatleben und dieser "Skandal" schadete seinem Image kaum.

Die Politik entdeckt Anfang der siebziger Jahre ein neues Thema: Umweltschutz. Bundeskanzler Willy Brandt bestellt Bernhard Grzimek 1970 zum Beauftragen der Regierung für Tier- und Naturschutz. Als Grzimek jedoch erkennt, dass er auf dem Posten nicht viel bewirken kann, tritt er zurück. Aber sein politisches Engagement für die Umwelt bleibt bestehen. 1975 ist Bernhard Grzimek Gründungsmitglied für den Bund für Natur- und Umweltschutz Deutschland, 1978 ist er bei der Neugründung der ersten Ökopartei Deutschlands, "Grüne Aktion Zukunft", aktiv.

Bernhard Grzimek bringt die Pelzindustrie gegen sich auf. In einem persönlichen Schreiben wendet er sich mit der Bitte an den deutschen Bassbariton Ivan Rebroff, dass er doch bitte bei öffentlichen Auftritten auf seine Pelzmäntel verzichten möge. Ein offener Brief geht auch an die italienische Schauspielerin Gina Lollobrigida, in dem er sie auffordert, keine Leopardenmäntel mehr zu tragen. Dieser Brief wird in vielen Zeitungen abgedruckt und schlägt hohe Wellen.