Fragen an Florian Baxmeyer (Regisseur)

"Nachtsicht ist kein Actionfilm, sondern eine Tragödie"

Regisseur Florian Baxmeyer (vorn) mit den Darstellern
Regisseur Florian Baxmeyer (vorn) mit den Darstellern

Herr Baxmeyer, im Tatort "Nachtsicht" geht es um einen Serientäter, der mit dem Auto Menschen überfährt. Dürfen wir einen Actionfilm erwarten?

Es gibt Action, aber die steht nicht im Vordergrund. "Nachtsicht" ist ein Film über Verdrängung innerhalb von Familien. Aus Liebe werden grauenvolle Realitäten einfach ausgeblendet und ignoriert und dadurch wird viel mehr Schaden angerichtet, als wenn man sich eingestünde, mit einem psychisch kranken Menschen unter einem Dach zu leben. "Nachtsicht" ist also kein Actionfilm, sondern eine Tragödie.

Die Ermittlungsarbeit der beiden Kommissare konzentriert sich auf einen kleinen Kreis von Verdächtigen. Was bedeutet das konkret für die Ensemblearbeit am Set?

Mit Rainer Bock, Angela Roy und Moritz Führmann stand mir eine außergewöhnliche Besetzung für die Familie Friedland zur Verfügung. Die Frage nach dem Täter steht in unserem Film nicht ausschließlich im Vordergrund, sondern vor allem der Kampf, diesen vor Enttarnung zu schützen. Eine besondere Herausforderung war es dabei zu zeigen, dass sich die wesentlichen Konflikte im Subtext abspielen, weil die Familie sich permanent gegenseitig eine heile Welt vorspielt. Wenn man am Ende für den Täter oder die Täterin trotz der extrem grausamen Taten ein wenig Mitleid empfindet, dann versteht man vielleicht das Dilemma der Familie Friedland.

Wie der Titel "Nachtsicht" verrät, spielen einige Szenen des Tatorts nachts. Welchen Einfluss hatte das auf die Dreharbeiten?

Nachts zu drehen bedeutet grundsätzlich viel mehr Aufwand, weil die Sets beleuchtet werden müssen. Im Fall von "Nachtsicht" haben uns die Autoren Stefanie Veith und Matthias Tuchmann vor die schwierige Aufgabe gestellt, ein schwarzes, unbeleuchtetes Auto bei Nacht zu zeigen. Allerdings ist so etwas mit den extrem lichtempfindlichen Digitalkameras, die es mittlerweile gibt, wesentlich besser zu erzählen als vor ein paar Jahren noch auf Film.

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