Zur Geschichte der Charité

1710 lässt König Friedrich I., König in Preußen, vor den Toren von Berlin ein Pesthaus errichten, das in den folgenden 17 Jahren als Hospiz für unbemittelte Alte, als Arbeitshaus für Bettler und als Entbindungseinrichtung für unehelich Schwangere genutzt wird.

1727 gibt Friedrich Wilhelm I. dem Haus den Namen "Charité" – Barmherzigkeit. Damit beginnt die medizinische Bedeutung des "Königlichen Charité – Krankenhauses", es wird mit bedeutenden Finanzmitteln ausgestattet, die Bettenzahl wird aufgestockt. Von nun an liegt der Schwerpunkt der Medizinerausbildung auf der Ausbildung von Armeechirurgen, die ihre praktisch-klinische Ausbildung an der Charité erhalten.

Die Charité hat damit drei Funktionen: Sie ist ein Hospiz für Arme (bis 1798), ein städtisches Versorgungskrankenhaus und eine Lehreinrichtung für angehende Militärärzte für das wachsende preußische Heer. Als die Räumlichkeiten nicht mehr ausreichen, wird die Charité erstmals abgerissen, bis 1797 erfolgt der Neubau.

Die Charité behält bis 1945 ihre Bedeutung als militärärztliche klinische Schule, an der Ausbildung ziviler Ärzte hat sie in dieser Zeit jedoch keinen Anteil. Diese werden nach Gründung der Berliner Universität 1810 dort ausgebildet. 1818 wird der Bau eines großen Universitätsklinikums beschlossen, der in der Ziegelstraße und somit in unmittelbarer Nachbarschaft zur Charité entsteht. Als die Universitätskliniken der Ziegelstraße im Laufe der Jahre auf das Gelände der Charité umziehen, bleiben die Charité und die Universitätsklinik formal jedoch noch bis 1951 getrennte Institutionen.

Zwischen 1896 und 1917 erfolgt ein neuer Bau der Charité in rotem Backstein. 1906 wird das Rudolf Virchow Krankenhaus eröffnet.

Während der Herrschaft der Nationalsozialisten werden jüdische Forscherinnen und Forscher vertrieben, das Backstein-Gebäude der Charité wird während des Krieges zerstört. Sofort nach dem Krieg beginnt der Wiederaufbau des Gebäudes und die Charité etabliert sich bis zur Wende 1989 als Vorzeigeeinrichtung der DDR. In der DDR wird die endgültige Vereinigung zur "Medizinischen Fakultät (Charité) der Humboldt-Universität" vollzogen.

1997/98 fusioniert die medizinische Fakultät der Humboldt- Universität mit dem Virchow-Klinikum der Freien Universität zur "Medizinischen Fakultät Charité der Humboldt-Universität zu Berlin".

2003 erfolgt ein weiterer Zusammenschluss mit dem "Universitätsklinikum Benjamin Franklin" der Freien Universität, wodurch eine der größten Kliniken Europas, die "Charité – Universitätsmedizin Berlin", entsteht.

2010 feierte die Charité ihr 300-jähriges Jubiläum.

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