SENDETERMIN Mi, 20.07.16 | 23:00 Uhr | Das Erste

Anschlag in Würzburg: Sind wir dem neuen Terror schutzlos ausgeliefert?

PlayZu Gast bei Sandra Maischberger (l): Renate Künast (B90/Grüne, Bundestagsabgeordnete).
Anschlag in Würzburg - Sind wir dem neuen Terror schutzlos ausgeliefert? | Video verfügbar bis 21.07.2017

Der blutige Axt-Angriff auf Fahrgäste am Montagabend in einem Regionalzug bei Würzburg könnte für eine neue Qualität terroristischer Bedrohung stehen: Ein junger muslimischer Einzelkämpfer, der sich womöglich selbst radikalisierte. Wurde der Nizza-Attentäter, der vor einer Woche mit einem LKW 84 Menschen tötete, zum Vorbild? Was bedeuten diese Taten für die Innere Sicherheit? Greifen Konzepte der Terrorabwehr künftig noch weniger?

Wolfgang Bosbach, CDU (Innenexperte)

Wolfgang Bosbach
Wolfgang Bosbach

"Wir haben uns jahrelang in der Gefahrenabwehr auf große Terrororganisationen wie Al-Qaida und den IS konzentriert. Jetzt haben wir es vermehrt mit radikalisierten Einzeltätern zu tun. Wir werden lange Zeit mit einem hohen Risiko leben müssen", fürchtet der CDU-Bundestagsabgeordnete. 

Renate Künast, B’90/Die Grünen (Bundestagsabgeordnete)

Renate Künast
Renate Künast

"Warum konnte der Angreifer nicht angriffsunfähig geschossen werden?", twitterte die frühere Bundesministerin kurz nach der Würzburger Axt-Attacke und erntete dafür heftige Kritik. Die Politikerin relativierte später ihren verkürzten Kommentar, bleibt aber bei ihrer Haltung, weiterhin Fragen zum Waffeneinsatz der Polizei stellen zu wollen.

Judith Assländer (Pflegemutter für minderjährige Flüchtlinge)

Judith Assländer
Judith Assländer

Die 39-Jährige Mutter von vier Kindern nimmt seit August 2014 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge auf. Die Würzburgerin warnt davor, die Jugendlichen nach dem Angriff unter Generalverdacht zu stellen: "Ich glaube nicht, dass wir auf einer tickenden Zeitbombe sitzen. Die Flüchtlinge sind traumatisiert, verzweifelt und hoffnungslos. Wir müssen ihnen eine bessere Perspektive bieten als der IS."

Claus Strunz (Journalist)

Claus Strunz
Claus Strunz

"Der islamistische Terror ist mit voller Wucht in Deutschland angekommen", sagt der SAT 1-Kommentator nach dem Anschlag in Würzburg. Deshalb müsse "unsere gefährliche ‚Bei-uns-wird-schon-nichts-passieren’-Haltung nun zu Ende sein". Der Journalist fordert Anti-Terror-Kurse für alle Bürger: "Wie erkenne ich Gefahren und woran möglicheTäter? Wie verhalte ich mich, wenn es passiert?"

Ahmad Mansour (Diplom-Psychologe)

Ahmad Mansour
Ahmad Mansour

Der israelisch-arabische Autor ("Generation Allah") warnt vor der Radikalisierung einer ganzen muslimischen Generation in Deutschland. Der Psychologe berät Aussteiger aus der Islamisten-Szene und ist sich sicher, dass weitere Anschläge folgen werden. "Das Problem ist die lebensverachtende Ideologie, der die Täter anhängen", sagt Ahmad Mansour.

Guido Steinberg (Terrorismus-Experte)

Guido Steinberg
Guido Steinberg

Der Experte der "Stiftung Wissenschaft und Politik" sieht die Angriffe von Würzburg in einem Zusammenhang mit dem Anschlag von Nizza am vergangenen Freitag, bei dem 84 Menschen starben. Bei beiden Taten sei die Grenze zwischen politischem Motiv und Wahnsinn nicht klar zu ziehen. Der Islamwissenschaftler verweist auf eine Auffälligkeit: "In diesem Jahr gab es bereits drei islamistische Attentate in Deutschland - eine Häufung wie nie zuvor."

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