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09.02.2012

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Rückschau: Deutsche Bienen sterben wie die Fliegen

 

 

Üppig hängen die Kirschblüten an den Bäumen. Das ist die Zeit, in der die Honigbienen ausschwärmen und schwer beladen mit Pollen und Nektar in den Stock zurückkehren. Nur – dieses Jahr bekommen die Blüten keinen Besuch. Sie bleiben leer. In manchen Landstrichen haben überhaupt keine Bienenvölker den Winter überlebt.

Auch Berufsimker Jürgen Daum sieht seine Existenz bedroht, weshalb er Rat bei Arno Bruder sucht. Der Imkereifachberater unterstützt besonders stark betroffene Imker: "Täglich bekomme ich Dutzende von Anrufen von verzweifelten Imkern. Manche stehen buchstäblich vor dem Nichts. Ich bin rund um die Uhr im Einsatz, fahre von Imker zu Imker, um zu retten, was überhaupt noch zu retten ist. Die Imker wollen wissen, wie es weitergehen soll." Arno Bruder überprüft die Völker auf Schädlingsbefall. In dem dicht bewohnten Bienenstaat können sich Parasiten rasend schnell vermehren.

Die mörderische Varroa-Milbe vernichtet ganze Bienenvölker in Europa

Die Imker fürchten einen Feind der Bienen besonders. Einen Parasiten, der weltweit schon Millionen von Bienenvölkern vernichtet hat:
Die Varroa-Milbe. Der mörderische Schmarotzer sticht die ungeschlüpften Larven an und ernährt sich von ihrem Blut.

Arno Bruder öffnet stichprobenartig einzelne Brutwaben der Drohnen. Er zeigt uns, dass die Bienenmännchen stärker befallen werden als die Arbeiterinnen. Denn die Drohnenbrut braucht länger, um die schützende Schicht um die Waben zu schließen. Ideale Angriffsfläche für die Mördermilbe. Sind die befallenen Bienen geschlüpft, tragen sie die Parasiten in die Welt hinaus. Bei uns ist mittlerweile jedes Bienenvolk von der Varroa befallen!

An der Landesanstalt für Bienenkunde der Universität Hohenheim forschen Wissenschaftler nach den Ursachen des plötzlichen Bienentods. Hier wird an Versuchsvölker der Verlauf des Schädlingsbefalls untersucht. Dr. Peter Rosenkranz betreut die Forschungsstation. Er führt den dramatischen Völkerverlust auf die zunehmende Resistenz der Milben gegen viele Mittel und eine Schwächung des Immunsystems der Bienen zurück:
"Bienenvölker, die mit Varroa befallen sind, haben auch mehr Probleme mit anderen Krankheiten. Das hängt allerdings stark vom Befallsgrad ab, vor allem bei sehr, sehr starkem Varroa-Befall ist es logisch, dass auch andere Krankheiten zuschlagen können."

Der Einsatz von Insektiziden verschlimmert die Lage für die Bienen

Neben Milbenbefall und Krankheiten machen den Bienen auch Schädlingsvernichtungsmittel in der Landwirtschaft zu schaffen. Zur Überprüfung führt Peter Rosenkranz auf Versuchsflächen Tests mit dem Einsatz von Insektiziden durch. Beim Raps etwa ist schon das Saatgut mit gefährlichen Wirkstoffen wie Imidacloprid gebeizt.
Die größte Gefahr für die Honigsammler: Zur Blütezeit werden hochtoxische Mischungen gespritzt. Der vergiftete Nektar einer einzigen Biene kann im Stock das ganze Volk vernichten.

Das Bienensterben ist auch für den Erwerbsobstanbau eine Katastrophe. Die Apfelbäume hier stehen in voller Blüte. Was aber fehlt, sind die Bienen. Der Imkereiberater Arno Bruder liefert einige Völker an eine Plantage, damit die Blüte nicht ohne Bestäubung vorbeigeht.

Gravierende Einbußen im Obstanbau sind zu erwarten

Obstbauer Guido Kugler fürchtet um seine Erträge. Dabei ist der Landwirt kein Einzelfall in der Region:
"Wir haben jetzt eine sehr schöne Blüte am Bodensee. Leider keine Bienen. Vor ein paar Tagen war ich fünf Stunden in der Plantage, und während der ganzen Zeit habe ich nicht eine einzige Biene gesehen. Jetzt habe ich ein paar Bienen und ich hoffe, dass wir den Totalausfall verhindern können."

Vor allem ökologisch gesehen hat der plötzliche Bienentod fatale Folgen. Die meisten Pflanzen sind von der Bestäubung der Honigsammler abhängig.
Ohne Bienen kommt es zu dramatischen Ernteeinbußen wie etwa beim Raps. Das Massensterben der Blütenbestäuber bedroht die Obsternte. Die Folge: die Preise für heimische Früchte wie Äpfel, Birnen und Kirschen werden in die Höhe schnellen.

Auch Wildpflanzen sind in Gefahr. Weit über 1500 Arten drohen zu schwinden. Und mit ihnen zahllose Tiere, die von dem Artenreichtum der Flora abhängig sind.
Berufsimker Jürgen Daum ist jetzt noch öfter bei seinen Bienen als sonst. Täglich macht er Kontrollgänge zu seinen Völkern im Murnauer Moos. Denn mittlerweile sind auch die wenigen überlebenden Völker nicht mehr sicher. Diebe haben bei Nacht und Nebel seine Bienenkästen gestohlen. Seit dem Bienensterben lässt sich mit gesunden Völkern eine Menge Geld verdienen. Die Imker sind doppelt getroffen:
"Hier standen die Völker, die mir gestohlen wurden. Zu den 50 Völkern, die mir diesen Winter durch Kälte und Krankheiten eingegangen sind, kommt jetzt noch Diebstahl dazu. Das ist furchtbar. Vielen Imkern im Landkreis ist dasselbe passiert. Das ist mehr, als ich verkraften kann, das kann ich nicht mehr ausgleichen."

Ein Ende der Katastrophe ist noch nicht in Sicht: Die Sommermonate stehen bevor. Und das ist die Zeit, in der sich die Varroa-Milben explosionsartig vermehren.

Adressen

Landesanstalt für Bienenkunde
Uni Hohenheim
Dr. Peter Rosenkranz
August von Hartmann-Str. 13
70593 Stuttgart
Tel. 0711/4592659
Fax: 0711/4592233
E-Mail: bienero@uni-hohenheim.de
Internet: Uni Hohenheim
und Varroa-Biologie
Varroa-Telefon: 0711/4592660

Bezirk Oberbayern
Fachberatung für Imkerei
Arno Bruder
Prinzregentenstr.14
80535 München
Tel.: 089/21981060
Fax: 089/21981059
E-Mail: Arno.Bruder@bezirk-oberbayern.de
Internet: Bezirk Oberbayern

Lehr- und Beispielsbetrieb für Obstbau in Deutenkofen
84166 Adelkofen
Tel.: 08707/205
Fax: 08707/932096
E-Mail: mail@obstbau-deutenkofen.de
Internet: Obstbau Deutenkofen

Chemisches und Veterinäruntersuchungsamt Freiburg (CVUA)
Tierhygiene
Am Moosweiher 2
79108 Freiburg
Tel.: 0761/1502141
Fax: 0761/1502-299 
E-Mail: poststelle@cvuafr.bwl.de 
Internet: Chem. u. Veterinäruntersuchungsamt Freiburg

Bestelladresse der Bienekönigin
AGES- Institut für Bienenkunde
A-3293 Lunz am See
Tel.: +43 (0) 7486 8090
FAX +43 (0) 7486 8090 17
E-Mail: waltraud.leichtfried@lwluz.ages.at
Internet: www.ages.at

Dieser Text gibt den Fernsehbeitrag vom 14.05.2003 wieder. Eventuelle spätere Veränderungen des Sachverhaltes sind nicht berücksichtigt.

Sendung vom
Mi, 14.05.03 | 21:45 Uhr

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