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10.02.2012

W wie Wissen
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Rückschau: Cholesterin – Mythos oder Gefahr?

 

 

Jahrelang wurde uns eingebläut: Zu viel Cholesterin im Blut erhöht das Risiko, an Herzinfarkt oder Schlaganfall zu sterben. Kritiker wenden nun ein, die gängigen Grenzwerte entbehrten der Grundlage und werfen der Pharmaindustrie vor, sie würde uns nur krank reden. W WIE WISSEN fragt nach.

Es geht um das Fett im Blut: Cholesterin liegt häufig über dem oberen "Grenzwert" von 200 Milligramm pro Deziliter. Festgelegt wurde der Wert 1990 von einer Experten-Kommission. Es sei aber nicht bewiesen, dass ein niedriger Cholesterinwert das Leben verlängere, halten Kritiker dagegen. Klar ist: Bei zu viel Blutfett, besteht die Gefahr, dass sich die Fettmöleküle in den Arterien absetzen. Sie behindern die Durchblutung, das Risiko auf einen Herzinfarkt steigt. Strittig bleibt, welcher Grenzwert sinnvoll ist und ob ein gleicher Grenzwert für alle Sinn macht.

Ein Grenzwert, der Gesunde krank macht?

Walter Dresch ist einer der vielen Hausärzte, die diesem Grenzwert skeptisch gegenüber stehen. Er ist sich sicher, wir werden cholesterinkrank gemacht: "Wenn man die Statistiken sieht, dann hätten 90 Prozent der erwachsenen Bevölkerung einen zu hohen Cholesterinwert und das kann nicht stimmen." Seine kritische Haltung wird durch zahlreiche Veröffentlichungen gestützt. Der Tenor: Unnötige Panikmache. Die Leute werden krank geredet.

Das Geschäft mit dem Cholesterin boomt

Für etwa 40- bis 50-Jährige seien Werte um 250 Milligramm Idealwerte, so Dresch. In der Praxis werden gerade solche Patienten trotzdem mit Medikamenten behandelt. Die Pharmakonzerne teilen sich den lukrativen Kuchen, jedes Jahr etwa 30 Milliarden Euro weltweit, schätzen Experten. Das umsatzstärkste Medikament der Welt ist ein Cholesterinsenker, die Vermarktung läuft auf Hochtouren.

Der Kampf der Lipid-Liga gegen das Blutfett...

Der Mediziner Achim Weizel ist Vorsitzender der "Lipid-Liga", die schon seit 15 Jahren vor Cholesterinwerten über 200 warnt. Nach Meinung von Kritikern unterstütze die Lipid-Liga den Trend, gesunde Menschen krank zu reden. Das stimme nicht, so Weizel, die Aussage der Lipid-Liga sei klar: "Ab 200 Milligramm soll nicht behandelt, sondern untersucht werden."

... gesponsort von den Pharmaindustrie

Wenn man sich einen Film der Lipid-Liga zur Cholesterin anschaut, kann man aber durchaus einen andern Eindruck bekommen: Nur Medikamente schützten wirklich, die Änderung der Lebensweise bewirke zwar etwas, doch das reiche meist nicht aus. Produziert hat den Film der Pharma-Gigant Pfizer, der 2003 über 9 Milliarden Dollar mit Cholesterinsenkern umsetzte. Die Lipid-Liga informiere trotzdem neutral, so Weizel: "Die (Sponsoren) haben aber keinerlei Einfluss auf das, was wir sagen."

Rauchen, falsche Ernährung und Alkohol sind Hauptrisikofaktoren

Eier, Butter, Croissants und Wurst mit ihrem hohen Cholesterin-Gehalt sind für die große Mehrheit nicht zwangsläufig problematisch. Der Sinn Cholesterin freier Produkte ist wissenschaftlich umstritten und schon gar nicht nach dem Geschmack von Dr. Dresch: "Erstens schmecken sie nicht und zweitens sind sie sicherlich ungesünder als ausgesuchte Naturprodukte." Gesund ist vor allem Bewegung – und damit beugt auch der Doktor selbst vor.

Links

Hausarzt Dr. Walter Dresch präsentiert zahlreiche Informationen für Patienten auf seiner Homepage

Die Lipidliga (mit Stellungnahmen zu den Büchern von Hartenbach und Blech)

Vita Peter Sawicki samt Foto

Interview mit Sawicki über sein neues Institut

Noch ein (längeres Hörfunk-) Interview

Aufgaben des im Juli gegründeten Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen

Literatur

Jörg Blech:
Die Krankheitserfinder
Wie wir zu Patienten gemacht werden
Fischer, Frankfurt a. M., 2003
Preis: 17,90 Euro
ISBN 3-100-04410-X


Uffe Ravnskov, Udo Pollmer:
Mythos Cholesterin - die Zehn größten Irrtümer
S. Hirzel, Stuttgart, 2004
Preis: 24,00 Euro
ISBN 3-777-61181-6


Walter Hartenbach:
Die Cholesterin-Lüge
Das Märchen vom bösen Cholesterin
Herbig Verlag, München, 2002
Preis: 14,90 Euro
ISBN 3-776-62277-6

Dieser Text gibt den Fernsehbeitrag vom 15.09.2004 wieder. Eventuelle spätere Veränderungen des Sachverhaltes sind nicht berücksichtigt.

Sendung vom
Mi, 15.09.04 | 21:45 Uhr

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