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23.02.2012

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Rückschau: Kampf gegen die Lärmverschmutzung

 

 

Viele Menschen leiden massiv unter zunehmenden Lärm und Krach, vor allem in den Großstädten. Europaweit soll die Lärmverschmutzung nun per Gesetz bekämpft werden. Als erster Schritt sollen "Lärmstadtpläne" der europäischen Großstädte erstellt werden. W WIE WISSEN war in Paris dabei, als die erste Karte entstand.

Großstadtlärm in Paris. Baustellen, Motorräder und Autos dröhnen den ganzen Tag, überall - so wie in jeder Metropole. Aber viel Lärm macht krank.

Ein Lärmstadtplan soll Abhilfe schaffen

Auf einer neuartigen Karte – einem "Lärmstadtplan" - ist farbig abgestuft der Dauerkrach an den Hausfassaden und auf den Straßen verzeichnet. Yann Francoise, Ingenieur bei der Pariser Umweltbehörde, erklärt die Besonderheiten der Karte: "Zum ersten Mal können wir die Auswirkungen des Straßenlärms Haus für Haus genau erkennen. So haben wir festgestellt, dass über sieben Prozent der Bevölkerung einer Belastung von über 70 Dezibel ausgesetzt sind."

Zum Beispiel die Menschen, die unmittelbar an der Stadtautobahn wohnen. An der Porte de Vincennes brausen tagsüber 230.000 Fahrzeuge vorbei und produzieren dabei über 70 Dezibel – die Karte zeigt das in Rot und Blau. Blau bedeutet: Hörschäden drohen.

Dauerkrach macht krank

Wer unter solchen Bedingungen wohnt, bei dem Dauerkrach, steht unter Dauerstress, seine Gesundheit ist stark gefährdet: Schlaf- und Konzentrationsstörungen, Nervosität und erhöhte Gefahr, einen Herzinfarkt zu bekommen.

Die neue Lärmkarte zeigt aber auch, wie beispielsweise ein 30er-Tempolimit wirkt: Auf der Karte verschwinden die blauen Linien. Fünf Dezibel weniger, also deutlich leiser.

Alle Faktoren berücksichtigen, um den "typischen Lärm" eines Ortes erfassen

Paris bei Tag: laut wie in einer Flugschneise. Nachts dagegen: überraschend ruhig. Yann Francoise dazu: "Wir haben unglaublich viele Daten vernetzen müssen: Da gibt es die Straßen- und Bebauungspläne, die kamen vom Nationalen Geographischen Institut. Für jedes einzelne Haus haben wir vom Amt für Statistik die Bevölkerungszahlen bekommen, und natürlich die KFZ-Zulassungen. Und dann kamen noch die ganzen Daten über Straßenbeläge und Verkehrsdichte dazu."

Zu diesen Daten wird der vor Ort gemessene Lärm hinzugefügt, und zwar Lärm in unterschiedlichen Höhen. So wirkt ein PKW in einer ruhigen Nebenstraße im ersten Stock so laut, als ob man unten neben einem startenden LKW steht.

Mikrophone an den Häuserfassaden beweisen: Der Lärm verstärkt sich nach oben hin, Stockwerk für Stockwerk.

Ständiges Messen an wichtigen Punkten

Die Umweltbehörde misst ständig an allen wichtigen Punkten, um typischen Lärm zu erfassen. Aus diesen Messungen und den anderen statistischen Daten berechnet der Computer dann die Lärmbelastungen in der ganzen Stadt - auf drei Meter genau.

"Die größte Schwierigkeit war die dichte Besiedlung und die vielen Hochhäuser in Paris. Normalerweise werden die Lärmmessungen auf freien Flächen, in Gartenanlagen durchgeführt, wo man die Ausbreitung der Schallwellen gut messen kann. Das funktioniert hier jedoch so nicht. Denn hier reflektieren die Fassaden den Schall wie ein Echo, ein Jo-Jo-Effekt entsteht", so Francoise.

Deshalb wurde Paris in winzige Abschnitte geteilt, Straßenbelag, Verkehrsdichte, Geschwindigkeit, Bebauung und Bevölkerungsdichte alle paar Meter neu bestimmt und in Computer gefüttert. Das Ergebnis: eine interaktive Karte, in der alle Lärmquellen, Einflüsse auf Lärmausbreitung und –stärke enthalten sind.

Die Lärmkarte überzeugt Politiker

Noch dröhnt, hupt und kracht es in Paris den ganzen Tag. Doch die Lärmkarte überzeugte die Pariser Politiker: Es wird mehr Tempo-30-Zonen und neue Straßenbeläge geben. Und die Stadtautobahn soll in einem Tunnel verlaufen.

Dann kehrt wieder etwas mehr Ruhe ein in der Stadt – entstehen noch mehr Inseln der Stille.


(Autorin: Natascha Geier)

Adressen

Direction de Protection de l'Environnement
Service Technique de l'Ecologie Urbaine
7, rue Maleville
75008 Paris

Ansprechpartner: Yann Françoise
Tel.: 01 45 61 54 70
Fax: 01 45 61 54 90
E-Mail: yann.francoise@paris.fr
Die Stadtverwaltung von Paris mit dem Projekt Lärmkarte im Internet (französisch)

Links & Literatur

Planet Wissen: Lärm macht krank

EU "Noise": Viele Artikel und Hinweise zur EU-Umweltlärmschutzverordnung (englisch)

"Lauter Lärm" - die interaktive Lärmkarte von Dresden (pdf-Datei mit 3,2 MB)


Aktuell: Konferenz auf Rhodos, Griechenland, am 21. und 22 Oktober 2004
HARMONOISE - Harmonized accurate and reliable methods for the EU directive on the assessment and management of environmental noise (englisch)


"Lärm und Gesundheit" - Interdisziplinärer Forschungsverbund an der Technischen Universität Berlin

Deutscher Arbeitsring für Lärmbekämpfung e.V.


Nature, 5. Feb. 2004
News Feature "Sound and Vision"

Dieser Text gibt den Fernsehbeitrag vom 08.09.2004 wieder. Eventuelle spätere Veränderungen des Sachverhaltes sind nicht berücksichtigt.

Sendung vom
Mi, 08.09.04 | 21:45 Uhr

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