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07.02.2012

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Rückschau: Handysucht

 

 

Handy als treuester Begleiter

Eine Frau hat ein Handy in der Hand (Bild: BR) Bild vergrößern Bildunterschrift: Allgegenwärtiger Begleiter: das Handy ]
Ständiger Blick aufs Display, Nervosität bei schlechtem Netzempfang, Schweißausbruch bei leerem Akku: Diese Symptome können Anzeichen für einen zwanghaften Handy-Gebrauch sein. Schleichend hat das Mobiltelefon in unserer Alltagskommunikation einen zentralen Stellenwert eingenommen, für die Organisation des Abholens, Verabredens, Verspätens.

Angst-Störung als Auslöser

Während Forscher der Universität Florida bereits vom "Mobile and Internet Dependency Syndrome" (MAIDS) sprechen, ist in Deutschland Handysucht aber noch kein anerkanntes Krankheitsbild. Für Dr. Götz Berberich, Psychiater an der Psychosomatischen Klinik Windach in Oberbayern, steht hinter der Handysucht ein komplexes Krankheitsbild, das Ausdruck einer Angststörung oder einer Depression sein kann. Deswegen müsse dieses Suchtverhalten immer im Gesamtkontext anderer Störungen therapiert werden. "Häufig geht es darum, dass das Handy so eine Art dauernder Verbindungsmöglichkeit zur Umwelt ist, quasi eine Art Nabelschnur, über die der Patient immer in direktem Kontakt zu seinen Vertrauten steht", sagt Dr. Götz Berberich. Entscheidend sei dann, die Kommunikation des Betroffenen mit seinem Umfeld zu analysieren und zu verbessern.

Verhaltenstherapie für mehr Selbstsicherheit

Aufzeichnung eines Patientenvortrags (Bild: BR) Bild vergrößern Bildunterschrift: Übungen wie das Halten eines Vortrags sollen das Selbstwertgefühl steigern ]
Dies versucht die psychosomatische Klinik Windach über die Verhaltenstherapie zu erreichen. Im Rahmen einer mehrwöchigen stationären Therapie lernt der Patient, immer wieder mögliche Angstsituationen ohne Handy zu bewältigen. Dazu gehört beispielsweise auch alleine Zug zu fahren, ganz ohne persönliche Begleitung und ohne Handy. Außerdem wird ein spezielles Sicherheitstraining angeboten, um das Selbstbewusstsein des Patienten zu stärken. Denn Handy-süchtige Patienten definieren ihren Selbstwert häufig über die Anzahl der Anrufe, die sie bekommen. Bleibt eine Nachricht aus, dann reagiert der Körper möglicherweise mit Panik-Attacken, und das Selbstwertgefühl sinkt rapide.

Handeln ohne Handy-Hilfe wichtig

Eine Hand hält ein Handy (Bild: BR) Bild vergrößern Bildunterschrift: Jeder sollte bewusst zeitweise auf sein Handy verzichten ]
Eine exzessive Handynutzung würde vor allem auch die Handlungsfähigkeit des Patienten stark einschränken, erklärt Gehirnforscher Prof. Gerald Hüther von der Psychiatrischen Klinik der Universität Göttingen. Eigentlich sollte der Mensch seine Emotionen wie Enttäuschungen, Frustration, Wut selbst regeln können. "Wenn man das Handy aber benutzt, um einen Affekt zu regulieren, dann hat das die Auswirkung, dass man selbst keine Möglichkeit mehr hat, aus sich selbst heraus diese Affektregulation zu erlernen."

Die fehlende Erfahrung, dass es auch ohne geht, wirkt sich negativ auf die Gehirnentwicklung aus – und somit bekommt das Handy eine besondere Bedeutung, die es eigentlich gar nicht verdient hat. Als Helfer im Alltag ist das Mobiltelefon sicher unverzichtbar. Jeder sollte aber auch versuchen, ab und zu einmal abzuschalten und sich eine Handy-freie Zeit zu gönnen.

Adressen & Links

Informationen zu Angststörungen gibt es auf der Website der Psychosomatischen Klinik Windach/ Oberbayern
www.klinik-windach.de

Einrichtungssuche für Menschen mit Abhängigkeitsproblematik der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen e. V.
www.dhs.de

Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie Göttingen
www.psychiatrie.med.uni-goettingen.de

Autorin: Astrid Uhr (BR)

Dieser Text gibt den Fernsehbeitrag vom 07.03.2010 wieder. Eventuelle spätere Veränderungen des Sachverhaltes sind nicht berücksichtigt.

Sendung vom
So, 07.03.10 | 17:03 Uhr

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