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19.03.2010

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Rückschau: Homöopathie auf dem Prüfstand

 

 

Universitätskinderklinik München im April 2001. Ein Junge, elf Wochen zu früh... In seinem Gehirn ein geplatztes Blutgefäß. Von Stunde zu Stunde wächst Felix' Kopfumfang – ein Zeichen dafür, dass die Hirnblutung nicht aufhört.

"Man war auf das Allerschlimmste angesprochen worden. Oder auch, was es heißen kann, wenn das Kind nicht stirbt, was hinterher für Folgen kommen können. Also, da war auch das Allerschlimmste angesagt worden", erzählt die Mutter von Felix.

Dr. Sigrid Kruse vom Klinikum der Universität München, Dr. von Haunersches Kinderspital, erinnert sich: "Es war also sehr dramatisch. Wir standen mit dem Rücken zur Wand. Und in dieser Situation haben wir überlegt: Können wir mit einer begleitenden homöopathischen Behandlung helfen?"

Erst als die Schulmedizin am Ende war, und es Felix immer schlechter ging, bekam die Homöopathie ihre Chance. Dr. Kruse dazu: "Wir haben eine ausführliche Anamnese erhoben mit der Mutter, sind die ganze Geschichte noch einmal durchgegangen, Geburt , Schwangerschaft. Und dann haben wir mit der homöopathischen Behandlung begonnen – Arnica C200."

Skepsis trotz Erfolg

Fast drei Jahre sind seitdem vergangen. Felix hat sich zu einem völlig gesunden Jungen entwickelt. Regelmäßig trifft Sigrid Kruse ihren kleinen Patienten. Besonders der Vergleich mit Felix' Zwillingsbruder zeigt den Erfolg – in der Entwicklung der beiden Jungen gibt’s keinen Unterschied mehr.

"Es ist so überzeugend, so faszinierend, wenn wir diese kleinen Kügelchen geben, und dann so eine große Wirkung erreichen, so eine große Reaktion, das ist für mich immer neu faszinierend und beeindruckend. Auch wenn ich es nicht bis in die Einzelheiten erklären kann ist es eine unheimlich schöne Erweiterung für unsere Medizin", resümiert Dr. Sigrid Kruse.

Dennoch sind die Schulmediziner skeptisch. Kein Wissenschaftler konnte in den homöopathischen Milchzuckerkügelchen auch nur ein wirksames Molekül finden. Denn während die Ausgangslösung hoch konzentriert ist, ist das spätere Mittel extrem stark verdünnt. Und zwar so stark, dass nichts mehr von der Ursubstanz nachzuweisen ist. Kritiker meinen deshalb: Wo nichts ist, kann auch nichts wirken. Da helfe auch das Schütteln nichts.

Geheimnis der Homöopathie entschlüsseln

Forscher der Universität Leipzig wollen das Geheimnis der Homöopathie entschlüsseln. Grundlage dafür: ein Rattendarm. Kann eine homöopathische Lösung Zellen des Darmgewebes verändern?

Der Darm wird so eingespannt, dass seine Bewegungen haargenau gemessen werden können. Der erste Schritt: Ein krampfauslösender Stoff, Acetylcholin, wirkt auf den Darm. Der Darm verkrampft sich. Und was nur die Sonden messen - er wird kürzer. Der zweite Schritt: Atropin, ein krampflösendes Mittel kommt in homöopathischer Dosis dazu.

Ergebnis: Der Darm entspannt sich, wird wieder länger. Irgendetwas in der homöopathischen Lösung muss das bewirkt haben.

Prof. Wolfgang G. Süß, Universität Leipzig, Institut für Pharmazie, erklärt: “Nun ist das Atropin aber gar nicht mehr drin. Das heißt: Wir brauchen ein Abbild des Atropins in dem Lösungsmittel. In welcher Weise aber nun dieses Abbild wirkt, über eine elektromagnetische Welle, das wissen wir noch nicht.“

Und bisher konnte keiner dieses Abbild entdecken. Also weiß auch noch niemand, wie die Homöopathie funktioniert.

Der Kreis der Anhänger wächst

Dennoch wächst der Kreis ihrer Anhänger. Die Homöopathie ist derzeit die beliebteste Alternativtherapie in Deutschland – noch vor der Akupunktur. Zwei Wissenschaftler der Berliner Charite, Stefan Willich und Claudia Becker-Witt, wollten diesem Phänomen auf den Grund gehen. Zwei Jahre lang befragten Ärzte deshalb bundesweit über 4.000 Patienten, wie gut ihnen die homöopathische Behandlung bekommen ist.

Resultat: Über der Hälfte der Befragten ging es durch die homöopathischen Mittel besser. Besonders Kopfschmerzen sind offenbar erfolgreich zu behandeln. Aber auch bei Heuschnupfen und der Hautkrankheit Neurodermitis gibt es Erfolge.

"Wir glauben, dass Homöopathie als zusätzliche ergänzende Therapiemaßnahme einen wichtigen Stellenwert hat. Gerade bei Patienten mit chronischen langjährigen Erkrankungen, bei denen die Schulmedizin nicht den gewünschten Erfolg gezeigt hat", schlussfolgert Prof. Stefan Willich vom Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitsökonomie an der Charite Berlin.

Außerdem belegen die Erfahrungen von Sigrid Kruse, dass besonders Kinder auf homöopathische Mittel ansprechen. Aber, im Moment weiß noch niemand, warum das so ist. Bisher gibt "nur" der Erfolg der Methode recht!

Link:

Esoterische Forschungsergebnisse passieren alle Kontrollinstanzen der Fakultät für Biowissenschaften, Pharmazie und Psychologie

Links & Literatur

Links:

Fragebogenaktion: Wie erfolgreich sind alternative Heilmethoden?

Sind sogenannte alternative Heilmethoden wirklich überwiegend oder nur in Einzelfällen erfolgreich? W WIE WISSEN und das Institut für klinische Ökonomie der Uni Ulm wollen das auf einer möglichst breiten Datenbasis überprüfen - und Sie können daran teilnehmen. Wenn Sie in den letzten sechs Monaten eine nichtschulmedizinische Behandlung in Anspruch genommen haben (Akupunktur, Homöopathie, Heilpraktiker...), brauchen Sie nur einen anonymen Fragebogen auszufüllen, und sie können die Wissenschaft ein Stück weiterbringen. Bitte nehmen sie auch teil, wenn eine alternative Heilmethode nicht erfolgreich war!
Hier gehts zum Fragebogen:
http://www.uni-ulm.de/ice

Homöopathie: Heilmethode oder Glaubenssache?
http://www.br-online.de/umwelt-gesundheit/artikel/0307/ 03_alternative_medizin/index.xml

Die Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften e. V. (GWUP) bietet eine kurze und sehr interessante Einführung in das Thema "Homöopathie".
http://www.gwup.org/themen/texte/homoeopathie/

Stern.de bietet auf seinen Onlineseiten ein umfassendes und kritisches Dossier zum Thema "Homöopathie".
http://www.stern.de/wissenschaft/ gesundheit/?id=520089

"Erfolge der Homöopathie - nur ein Placebo-Effekt"
Ein ausführlicher Aufsatz, der sich kritisch und hinterfragend mit dem Thema auseinandersetzt.
http://www.gwup.org/themen/ berichte/homoepathie.html



Literatur:

Christoph Trapp:
Homöopathie besser verstehen
Haug Verlag, 2003
ISBN 3-8304-2096-X
Preis 19,95 Euro

Dr. Markus Wiesenauer, Annette Boes:
Homöopathie für die ganze Familie
Hirzel-Verlag, 2000
ISBN 3-7776-0981-1
Preis 19,90 Euro

Karin Haschenburger, Frederike Stratmann:
Weisse Kügelchen
Klassische Homöopathie - eine kurze Einführung
Vivanta-Verlag Köln 2002
Preis 8,90 Euro

Informationsmaterial und viele Broschüren sind über die Hersteller homöopathischer Arzneimittel erhältlich:
Deutsche Homöopathie-Union (DHU)
Postfach 41 02 80
76202 Karlsruhe
Literaturservice:
Tel.: 07 21 / 409 31 81
Internet: http://www.dhu.de/

Adressen

Dr. Sigrid Kruse
Klinikum der Universität München
Kinderklinik und Poliklinik im Dr. von Haunerschen Kinderspital
Lindwurmstraße 4
80337 München
Tel.: 0 89 / 51 60-77 24
Fax: 0 89 / 51 60-21 51
E-Mail: kruse@kk-i.med.uni-muenchen.de
Internet: http://www.kindhom.de


Prof. Wolfgang G. Süß
Universität Leipzig; Institut für Pharmazie
Schönauer Straße 160
04207 Leipzig
Tel.: 03 41 / 4 22 97 47
Fax: 03 41 / 4 12 30 07


Prof. Dr. Stefan N. Willich
Studien zu Therapie-Erfolgen der Homöopathie am Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitsökonomie, Charité Universitätsmedizin Berlin, Campus Mitte
Luisenstraße 57
10117 Berlin
Tel.: 0 30 / 4 50 52 90 02
Fax: 0 30 / 4 50 52 99 02
E-Mail: sozmed-epi@charite.de
Internet: http://www.charite.de/


Deutscher Zentralverein homöopathischer Ärzte e.V. (DZVhÄ)
Am Hofgarten 5
53113 Bonn
Tel.: 02 28 / 2 42 53 30
Fax: 02 28 / 2 42 53 31
E-Mail: infodzvhae@aol.com
Internet: http://www.dzvhae.de

Dieser Text gibt den Fernsehbeitrag vom 10.03.2004 wieder. Eventuelle spätere Veränderungen des Sachverhaltes sind nicht berücksichtigt.

Sendung vom
Mi, 10.03.04 | 21:45 Uhr

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