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21.03.2010

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Rückschau: Hat Sylt noch eine Chance?

 

 

Wie in jedem Jahr werden auch in diesem Sommer wieder Millionen Tonnen Sand aus dem Meer gebaggert und auf den Strand von Sylt gespült. Er soll dadurch verbreitert und erhöht werden. Der Grund: ohne diesen Schutz würde die Insel in wenigen Jahrzehnten verschwunden sein. Hat Sylt auf Dauer eine Chance?

Stolze Burgherren und Badenixen am Sylter Strand: Wenn das Quecksilber in die Höhe klettert, wandelt sich die Insel zur norddeutschen Karibik. Der Kampf um die begehrten Sandkastenplätze tobt – schließlich entspannen sich hier jeden Sommer 700.000 Urlauber gleichzeitig.

Doch die beliebte Ferieninsel ist in Gefahr: Ihre Strände schrumpfen um einen Meter pro Jahr, wenn nichts dagegen unternommen wird. Wie beispielsweise in Rantum.

Sorgenkind Strand

Die Rettungsschwimmer haben ein Auge auf ihre Gäste – ernste Zwischenfälle gabs bisher nicht. Ein echtes Sorgenkind war dieses Jahr wieder einmal der Strand selbst: Frühjahrsstürme ließen ihn bis auf Handtuchgröße schrumpfen.

Markus Mager von der Rettungswacht Sylt beobachtet die Entwicklung mit Sorge: "Wir haben Probleme gehabt, weil wir gedacht haben, wenn sich das mal wieder auffüllt! Hier vorne war weniger Strand – also, es war der ganze Bereich, es waren immer tiefe Einschnitte am ganzen Rantumer Strand."

Der Sylter Sandstrand verwöhnte bisher Sportler und Sonnenanbeter – doch in Zukunft könnte er den gefräßigen Wellen zum Opfer fallen. Schuld ist die Strömung an der Sylter Küste: Sie trägt den Sand ab, so dass die Insel immer schmaler wird, bis sie möglicherweise sogar durchbricht.

An der schmalsten Stelle ist Sylt nur 500 Meter breit. Neue Untersuchungen gehen davon aus, dass die Insel sich schon im Jahr 2050 teilen könnte – Ferienparadies ade.

Bürgermeister Helge Jansen fürchtet, dass die Hochwasser der nächsten Jahre selbst vor den schützenden Dünen nicht Halt machen: "Ich finde es dramatisch, weil wir einfach befürchten müssen, dass die Vordünen, die vor der Hauptdüne sind, hier in Mitleidenschaft gezogen werden. Und wenn das der Fall ist, dann wird als nächstes die Hauptdüne angegriffen, und dann haben wir als nächstes das Wasser auf der Straße."

Der "Blanke Hans" raubt Sylt den Sand

Auf die Straßen von Sylt peitschte das Wasser oft: Der blanke Hans, wie die Nordsee bei Sturm genannt wird, brachte den Syltern immer wieder Zerstörung.

1962 die schlimmste Sturmflut: Eine Wohnsiedlung im Süden der Insel wurde komplett verwüstet. In den vergangenen Jahren wüteten Orkan Anatol oder Sturmtief Kerstin: Abgebrochene Wege und ausgehöhlte Steilküste zeugen von den kräftigen Winterstürmen, die gleichzeitig tonnenweise Sand rauben.

Im Sommer bekommen die meisten Touristen von den Sorgen der Inselbewohner nichts mit – das feinkörnige Spielzeug ist für sie eine Selbstverständlichkeit.

Ein teures Spielzeug, in einer Art "Sand-Dusche" ans Ufer gepumpt. Jedes Jahr wird mit Maschinenkraft neuer Sand vom Meeresgrund vor der Insel auf den Strand angespült. Kosten: 4 Millionen Euro - Jahr für Jahr...

"Natürlich ist das eine Frustration. Aber das ist nun mal das Los einer Insel, einer sandigen Insel, denn das ist nun mal das Besondere an der Insel Sylt, dass sie ausnahmslos aus Sand besteht", erklärt Bürgermeister Jansen.

Viele Versuche, aber keine Patentlösung für die Rettung der Insel

Ihren Sand versuchen die Sylter mit aller Macht festzuhalten: Dünenbepflanzungen mit Reisig stabilisieren die Wälle, das Dünengras schlägt tiefe Wurzeln. Im Wasser stehen sogenannte Buhnen aus Holz und Beton – die ältesten mehr als 100 Jahre alt. Sie sollten die Kraft der Wellen verringern.

Auch diese Beton-Kolosse waren gegen Neptuns Willen im Einsatz: Tetrapoden, Sie sollten Sylts Küste stabilisieren, wurden aber auf Sand gebaut: also sanken sie ein und halfen nichts! Ein weiterer Reinfall für den Küstenschutz!

Um den Sand an Sylts Stränden zu halten, hilft die Sandvorspülung bisher noch am besten. Aber eine Patentlösung ist sie auch nicht. Einige Kritiker fordern deshalb: Gebt Sylt auf! Überlasst die Insel dem Meer!
Doch dagegen wehren sich alle Sylt-Freunde und verweisen auf die wichtige Funktion der Insel, als Bollwerk für die Festlandsküste.

Und während die Sylter über die ungünstige Meeresströmung fluchen, triumphiert ihre Nachbarinsel: Denn der ganze Sand wird von Sylt hierher nach Amrum getragen. Hier gibt es Sand im Überfluss – nur ein paar Touristen mehr könnten es noch sein – aber die kommen spätestens dann, wenn Sylt in den Fluten versinken sollte.

(Autorin: Edith Heitkämper)

Links

Landschaftszweckverband Sylt: "Küstenschutz"

Die Welt: "Sylt: Tonnenweise Sand gegen den 'Blanken Hans'"

Dieser Text gibt den Fernsehbeitrag vom 08.09.2004 wieder. Eventuelle spätere Veränderungen des Sachverhaltes sind nicht berücksichtigt.

Sendung vom
Mi, 08.09.04 | 21:45 Uhr

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