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Aufmachergrafik zu Die großen Kriminalfälle
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Der Satansmord – Tod eines Schülers

Hendrik Möbus vor Gericht (Bild: dpa) Bild vergrößern bzw. verkleinern Bildunterschrift: Täter Hendrik Möbus vor Gericht. ]
Sondershausen, 29.4.1993. Der 15-jährige Schüler Sandro Beyer bekommt von einem Mädchen, das er flüchtig kennt, auf dem Schulhof einen Zettel zugesteckt: "20 Uhr am Rondell". Seiner Mutter erzählt er am Nachmittag beiläufig von der Verabredung. "Mach Dir keine Sorgen, ich bin um Viertel nach neun wieder da", diesen letzten Satz ihres Sohnes hat Cornelia Beyer immer noch im Ohr. Als Sandro um 22 Uhr noch nicht zu Hause ist, machen sich die Eltern auf die Suche. Vergeblich. Sechs Tage später ermittelt endlich auch die Polizei. Der Wald wird abgesucht, Mitschüler werden verhört. Nach anfänglichem Leugnen gestehen Hendrik, Sebastian und Andreas, ihren Mitschüler Sandro in eine Hütte gelockt, dort an einen Stuhl gefesselt und schließlich mit einem Elektrokabel erdrosselt zu haben. Aber warum?

Die Täter gehören einer auffälligen Clique an, die sich schwarz kleidet, kreidebleich schminkt, Black Metal Musik hört, Splatter-Videos schaut und des Öfteren nachts auf dem Friedhof zusammensitzt und mit Blut oder Rotwein Pentagramme auf den Boden malt. Für die Boulevardpresse ist der Fall damit klar: "Der Satansmord von Sondershausen" macht bundesweit Schlagzeilen. "Die ständige Beschäftigung mit satanistischem Gedankengut und mit Tötungsdarstellungen in Filmen", habe die "bei anderen Menschen vorhandene Hemmschwelle vor einer Tötung deutlich herabgesetzt", befindet auch das Gericht, bleibt aber im Urteil deutlich unter der zulässigen Jugendhöchststrafe, um die Rückkehr "in ein normales Leben" zu ermöglichen.

Acht Jahre nach der Tat ist die HR-Autorin Ulrike Baur in die thüringische Kleinstadt gefahren, hat Zeugen befragt, Spuren gesichtet, mit der Kripo, mit dem Pfarrer, mit Sozialarbeitern und vor allem mit der Mutter des Mordopfers gesprochen, für die es ein "normales Leben" nie mehr geben kann. Der Film geht der Frage nach, wie es zur Tat kommen konnte und welche Rolle dabei der Satanismus, Gewaltdarstellungen und rechtes Gedankengut spielten. Einer der drei Täter, Hendrik Möbus, ist mittlerweile mit eigener Homepage zum Internetstar der rechten Szene aufgestiegen. Die Bänder der Musikband "Absurd", in der die drei spielten, werden wie einschlägige Devotionalien gehandelt, vor allem der Song "Tod im Wald", in dem es heißt: "Im Wald hört niemand der Opfer Schrei. Wieder ist die grausige Tat vollbracht. Der Toten letzte Worte waren: Gott steh mir bei! Und der Vollmond scheint in finstrer Nacht."

War der "Satansmord" also das fast zufällige Ergebnis pubertärer Rituale, die Fantasie und Realität nicht mehr auseinander halten konnten? Oder ist all das nur Beiwerk und die Tat in Wahrheit auf private Streitereien zwischen dem Opfer und seinen Mördern zurückzuführen? Oder ging es darum, "lebensunwertes Leben" zu töten, wie Hendrik Möbus später, nach dem Urteil, sagte? Der Film geht diesen Fragen nach, aber er beschränkt sich nicht auf die Rekonstruktion der Tat. Er zeigt auch, welchen Einfluss die Haft auf die weitere Entwicklung der Täter hatte, die inzwischen wieder frei sind. Lediglich Hendrik Möbus, der seine Bewährung wegen Verunglimpfung des ermordeten Sandro Beyer verwirkt hat, sitzt wieder in Haft. Allerdings nicht in Deutschland, sondern in amerikanischer Auslieferungshaft. Er war vor der deutschen Strafverfolgung in die USA geflohen und hat dort politisches Asyl beantragt.

Acht Jahre sind seit der Tat vergangen. Aber Sondershausen findet keinen Frieden. Sandros Grabstein wird immer wieder beschädigt, mit Kot beschmiert. Cornelia Beyer ist heute eine kranke Frau, Frührentnerin. Jede neue Pressemeldung über Hendrik Möbus reißt alte Wunden wieder auf: "Ich wollte, er würde in den USA bleiben. Weit weg von Thüringen, von Sondershausen. Ich will endlich zur Ruhe kommen. Aber ich schaffe es nicht."

Sendetermin
Do, 31.05.01 | 21:45 Uhr