DasErste.de - Springe direkt zu

Inhalt.
Hauptnavigation.
Suche.

Aufmachergrafik zu Die großen Kriminalfälle
Inhalt

Der Soldatenmord - Die Schüsse von Lebach

Gefängniszelle (Bild: photos.com) Bild vergrößern bzw. verkleinern Bildunterschrift: Beim Prozessbeginn war das Publikumsinteresse sehr groß. ]
Ein Munitionsdepot des Fallschirmjägerbataillons 261 der Bundeswehr nahe Lebach/Saarland. In der Nacht zum 20. Januar 1969 durchschneiden zwei Männer den Maschendrahtzaun, dringen in die Wachbaracke ein und erschießen vier der fünf Wachsoldaten. Im Schlaf. Nur einer war auf dem Posten, und nur er überlebte seine schweren Stich- und Schussverletzungen.

Der Soldatenmord von Lebach traf die Bundeswehr mitten im Frieden und führte sie regelrecht vor, indem er ihre Sicherheits-Defizite enthüllte. Dabei hatte die in Bonn regierende Große Koalition aus CDU und SPD – noch voll im Zuge des Ost-West-Konfliktes – "Abschreckung" auf ihre militärpolitischen Fahnen geschrieben, in Südostasien führten die USA einen ungewinnbaren Bombenkrieg gegen Vietnam, in der Tschechoslowakei hatten die Truppen des Warschauer Paktes wenige Monate zuvor den "Prager Frühling" zerschlagen, und in den deutschen Universitätsstädten lieferten sich Polizei und rebellierende Studenten Straßenschlachten. "Das legendäre `68 war gerade mal drei Wochen zu Ende", erinnert sich der Journalist Hans-Joachim Noack, einer der Zeitzeugen im Film.

Ein so ungeheuerliches Verbrechen wie der Soldatenmord von Lebach konnte nur politisch motiviert sein, konnte nur auf das Konto der APO gehen: Dies vermuteten jedenfalls konservative Politiker. Die größte Fahndungsaktion der deutschen Nachkriegsgeschichte ergab etwas anderes, viel Banaleres. Vier junge Bundeswehrsoldaten mussten sterben, weil drei andere junge Männer vom sorglosen Leben unter südlicher Sonne träumten. Das "eigentliche" Verbrechen sollte erst folgen: Erpressungen in großem Stil. Doch am Ende mussten die Täter erkennen: Sie hatten nichts zu Wege gebracht – außer, vier schlafende junge Männer zu erschießen und einen fünften beinahe umzubringen.

Nach nur drei Monaten waren Oberstaatsanwalt Siegfried Buback und die von Karl Schütz (BKA) geleitete Sonderkommission Lebach am Ziel: Am 25. April 1969 wurden die mutmaßlichen Täter verhaftet. Das Urteil des Schwurgerichtes Saarbrücken lautete am 7. August 1970: Lebenslänglich für die beiden Haupttäter, sechs Jahre Haft für den dritten Angeklagten wegen Beihilfe zum Mord. Das große Publikumsinteresse war Anlass, die Verhandlung in die Kongresshalle zu verlegen, den größten Saal der Stadt. Kritische Äußerungen von Strafrechtlern am "Schauprozess", in dem die Angeklagten in Metallkäfigen verwahrt wurden, mischten sich mit Volkes Stimme – dem Ruf nach der Todesstrafe.

Mehr als dreißig Jahre danach ist nur noch einer der Verurteilten in Haft. Die beiden anderen führen wieder ein normales bürgerliches Leben in Freiheit. Die Bundeswehr hat das Munitionsdepot bei Lebach vor einigen Jahren aufgegeben.

Der Film erzählt den "Fall Lebach" vor allem aus der Perspektive der damals beteiligten Kriminalisten und Prozess-Berichterstatter. Daneben kommen Zeitzeugen aus dem Umfeld der Täter zu Wort. Die Verurteilten selbst wollten von der Möglichkeit, nach so langer Zeit ihre Tat kritisch zu reflektieren, keinen Gebrauch machen.

Sendetermin
Do, 07.06.01 | 21:45 Uhr