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Osho, genannt Bhagwan

Osho (Bild: dpa) Bild vergrößern bzw. verkleinern Bildunterschrift: Osho ]
Gott oder Satan, Guru oder Scharlatan, Philosoph oder Verführer? Viele Bezeichnungen für einen einzigen Mann. Wie konnte es das Kind armer Eltern soweit bringen, von Hunderttausenden verehrt und in den USA zur "persona non grata" zu werden, die man in Ketten des Landes verwies?

"Ich bin der Guru der Reichen." Mit derart provokanten Aussagen schockierte Bhagwan die westliche Welt. Zwischen 1974 und 1980 strömte eine Viertelmillion intellektueller Aussteiger nach Indien, um sich unter der Anleitung ihres Meisters erleuchten zu lassen.

Als Rajneesh Chandra Mohan wurde er 1931 in Indien in einem winzigen Dorf im Bundesstaat Madhya Pradesh geboren, studierte Philosophie und schloss sein Studium mit dem Magister ab. 1951, im Alter von 21 Jahren, wurde er nach eigener Aussage erleuchtet, damals unterrichtete er Philosophie an der Universität von Jabalpur. Rasant vergrößerte sich seine Zuhörerschaft und aus dem Professor wurde ein Guru, ein Meister. 1971 nannte er sich "Bhagwan", der Erleuchtete, "Bhagwan", der Gott. Kurz vor seinem Tod änderte er seinen Namen und wollte Osho genannt werden.

1974 zog er mit seinen Anhängern nach Poona. Er hielt täglich Vorträge, seine Jünger lebten und arbeiteten für und mit ihm. Kleiden musste sich die Gemeinschaft in den roten Farben des Sonnenunterganges, um den Hals die Mala, eine Kette aus Holzperlen und dem Bild des Meisters. Grundlage seiner Lehre war die Meditation. Höchstes Ziel war "Awareness": Bewusstsein. Nur wer es schaffe, sein Ego zu überwinden und ein leeres Gefäß zu werden, der werde ein eigenverantwortlicher, mündiger Mensch. Seine Sannyasins gaben für ihn ihr bisheriges Leben auf und übertrugen häufig ihre weltlichen Besitztümer auf seine Gemeinde.

1977 erschien erstmalig im Magazin "Stern" ein Fotobericht, der Therapiegruppen zeigte, in denen gestresste und verklemmte Zivilisationsmenschen ihre psychischen und physischen Blockaden loswerden konnten. Sie brachen sich teilweise gegenseitig die Rippen, fielen nackt übereinander her und sorgten so für ein sehr einseitiges Bild in den Medien.

Osho traf den Zeitgeist: der Vietnamkrieg hatte die Studenten auf die Barrikaden getrieben und auf die asiatische Kultur aufmerksam gemacht. Massive Polizeieinsätze führten zu einer Eskalation der Gewalt. Die friedliche Anti-Kriegsbewegung zersplitterte. Desillusioniert wandten sich kritische Menschen vom Ziel der Veränderung der Gesellschaft ab und der Überwindung des Egos zu.

1981 kauften die Sannyasins in der Wüste Oregons die Big Muddy Ranch und gründeten dort Rajneeshpuram, die Stadt der neuen Menschen. Diese nahm allerdings zunehmend totalitäre Züge an. Bis heute ist ungeklärt, inwieweit Osho in diese Machenschaften verwickelt war. 1985 wurde er wegen Verstoßes gegen das Immigrationsgesetz festgenommen und gegen eine Kaution von 400.000 Dollar wieder freigelassen.

Nach einer Odyssee, während der mehrere Länder ihm die Einreise verweigerten, kehrte er, mittlerweile schwer krank, nach Indien zurück. Ab 1987 lebte Osho wieder in Poona. Um die Ursache seines Todes 1990 ranken sich bis heute Mythen und Verschwörungstheorien.

Film von Marieke Schroeder

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Sendetermin
Mo, 20.10.03 | 21:45 Uhr
Das Erste
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