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Claudia Cardinale

Claudia Cardinale (Bild: SWR/Cardinale privat) Bild vergrößern bzw. verkleinern Bildunterschrift: Claudia Cardinale, ca. 1966 ]
Von der "Tellerwäscherin zur Millionärin", von einer nordafrikanischen Vorortschönheit zum Weltstar und zur "begehrtesten Frau des Planeten" (Life-Magazin) – ein Märchen der Traumfabrik wie aus Tausend und einer Nacht: die Karriere der Claudia Cardinale. 1957 gewinnt sie einen Schönheits-Wettbewerb in Tunis, wo sie geboren und aufgewachsen ist. Der Preis: eine Reise zum Filmfestival von Venedig. Sie beschließt, in Italien zu bleiben. So beginnt es.

1938 wird sie als Claude Josephine Rose Cardinal in Tunis geboren. Ihre Eltern sind sizilianischer Abstammung. Als sie 20 ist, hat sie eine erste Filmrolle an der Seite von Omar Sharif. Der muss ihr noch persönlich nachstellen, vor ihrer Haustür betteln, bis sie endlich zusagt – eigentlich will sie Lehrerin werden. Doch die italienische Filmindustrie reißt sich um die junge Schönheit. So wird sie Schauspielerin. Der Schritt in die Welt des Glamours aber macht die schöne junge Frau zu einer Abhängigen. Ihr Produzent und Mentor wird der römische Filmproduzent Franco Cristaldi. Er fördert sie, verbietet ihr vertraglich aber auch, ohne Zustimmung zu heiraten, ihre Frisur zu ändern, dicker oder dünner zu werden. Ihr Lebenswandel, ihre Kleidung, ihr Umgang, alles wird kontrolliert. Sie muss ihren Namen in "Cardinale" italienisieren und wird von Cristaldi zur exotischen "Sexgöttin" aufgebaut.

Sogar ihre Schwangerschaft muss sie vor der Öffentlichkeit verbergen und ihren Sohn Patrick jahrelang verleugnen, weil er nicht zu ihrem öffentlichen Leinwand-Bild passt. Er wird als ihr jüngerer Bruder ausgegeben. Erst als er acht Jahre alt ist, bekennt sie sich und zeigt sich mit ihm.

Aber Schritt für Schritt befreit sich Claudia Cardinale von dem Makel, nur ein "gemachtes" Medienprodukt zu sein. Schauspielern kann sie, ohne je eine entsprechende Ausbildung gehabt zu haben. An der Seite von Alain Delon feiert sie in "Rocco und seine Brüder" den Durchbruch. Es folgen Meisterwerke wie "Achteinhalb" von Federico Fellini und "Der Leopard" von Luchino Visconti, aber auch "Der rosarote Panther", ihr erster internationaler Film. Ihr Hollywood-Partner David Niven bezeichnet sie als beste Erfindung Italiens seit den Spaghetti, Brigitte Bardot adelt sie als ihre Nachfolgerin: Nach BB komme CC, lässt sie wissen.

Es gelingt Claudia Cardinale, sich aus der Bevormundung und Unterdrückung durch die Filmindustrie und die Männer zu lösen. Wo Marilyn Monroe das Opfer ihrer Rolle als "Sexgöttin" wurde, nutzt Claudia Cardinale dieses öffentliche Image zur persönlichen Befreiung. Sie trennt sich von ihrem Produzenten und lebt ein eigenes, selbstbestimmtes Leben.

Als Sergio Leone "Spiel mir das Lied vom Tod" plant, ist Claudia Cardinale von Anfang an für die weibliche Hauptrolle gesetzt und erhält die höchste Gage, noch vor den männlichen Stars Henry Fonda und Charles Bronson. Der Film weist zahlreiche Parallelen mit Claudia Cardinales Leben auf: Eine Frau wagt einen Neunanfang in einer fremden Gegend. Die Männer, die sie trifft, versuchen sie zu benutzen. Doch am Ende ist die starke, unabhängige Witwe Jill McBain die einzige, die eine Zukunft hat.

"Spiel mir das Lied vom Tod" wird zum Kultfilm. Doch er markiert auch den Scheitelpunkt in der Karriere der gerade 30-Jährigen – ähnlichen Erfolg wird sie nie wieder haben. Spätestens Ende der 60er ist die Zeit üppiger Weiblichkeit im Kino vorbei. Dennoch gibt sie nicht auf. 1982 steht sie noch einmal im Rampenlicht, beim Festival von Cannes läuft "Fitzcarraldo" von Werner Herzog. 2002 erhält sie in Berlin den Goldenen Bären für ihr Lebenswerk.

Erst mit gut 60 Jahren offenbart Claudia Cardinale, dass sie als junges Mädchen sexuell missbraucht wurde. Die Schwangerschaft mit ihrem Sohn Patrick war das Ergebnis einer Vergewaltigung. Heute ist sie über 70 und gehört fest zur Pariser Haute Volée. Sie tourt durch die Welt, lässt sich feiern, spielt hin und wieder Theater in Paris und macht, gelegentlich, immer noch Filme. Die Dämonen der Vergangenheit hat sie besiegt – oder verdrängt?

Film von Michael Strauven

Sendetermin
Mo, 18.04.11 | 21:00 Uhr
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