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Missbraucht, vertuscht, gelogen: Das moralische Inferno der katholischen Kirche? | Video verfügbar bis 30.01.2023 | Bild: Arne Dedert/dpa

Auf 1900 Seiten steht es schwarz auf weiß. Im Bistum München/Freising sollen mehr als 200 katholische Würdenträger über Jahrzehnte hinweg fast 500 Kinder sexuell missbraucht haben. Jahrelang wurde versucht, die Taten zu vertuschen. Diesen Vorwurf müssen sich auch der ehemalige Papst Benedikt und Kardinal Marx gefallen lassen, der am Freitag sein persönliches Versagen eingestanden hat. Das jüngste juristische Gutachten einer Münchner Kanzlei erschüttert die katholische Kirche bis ins Mark. Dass jetzt auch noch Papst Benedikt die Unwahrheit gesagt haben soll, bringt bei vielen Katholiken das Fass zum Überlaufen. Nach immer neuen Enthüllungen in den vergangenen Jahren kehren immer mehr Menschen der Kirche den Rücken. Ist der Niedergang der katholischen Kirche noch aufzuhalten? Kann uns das als Gesellschaft egal sein oder nicht?

Kardinal Marx hat eine ehrliche Aufarbeitung der Fälle versprochen. Kann die Kirche das selber leisten oder wäre dies besser bei einer Wahrheitskommission aufgehoben wie in Irland oder Australien? Warum schweigt die Politik? Für Kardinal Marx hat der Missbrauchsskandal systemische Ursachen, die nur durch grundlegende Kirchenreformen behoben werden könnten. Deshalb wolle er den synodalen Weg zur Erneuerung der katholischen Kirche unbedingt weiter gehen. Diesen Diskussionsprozess hatten die deutschen Bischöfe und das Zentralkomitee der deutschen Katholiken 2019 angestoßen, um sich mit der kirchlichen Sexualmoral, der Stellung der Frau und mit den Machtstrukturen auseinanderzusetzen. Wie erfolgsversprechend ist dieser Weg, dem längst nicht alle Bischöfe aufgeschlossen gegenüberstehen? Wird der Vatikan diese Reformen mittragen? Welches Interesse haben wir als Gesellschaft an dem Fortbestand der katholischen Kirche, die zahlreiche soziale Aufgaben übernimmt? Gehört das gesamte Zusammenspiel von Staat und Kirche auf den Prüfstand?

Darüber diskutiert Volker Herres mit den Gästen:

Claudia Keller, chrismon

Georg Löwisch, DIE ZEIT

Andreas Püttmann. freier Journalist

Christina Zühlke, freie Journalistin

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So., 30.01.22 | 12:03 Uhr
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Westdeutscher Rundfunk
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