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Abgasskandal: Noch mehr Manipulationen bei Audi?

PlayArbeiter im Audi-Werk Ingolstadt
Abgasskandal: Noch mehr Manipulationen bei Audi?  | Video verfügbar bis 13.03.2020 | Bild: picture alliance / imageBROKER / Stephan Goerlich

  • Die Abgas-Affäre lässt Audi nicht los. Nach BR-Recherchen wollte Audi seine Diesel-Fahrzeuge offenbar auch bei Tests von Umweltbehörden und ADAC sauberer erscheinen lassen als im Normalbetrieb.
  • Und der Diesel-Skandal hat Folgen: Im Stammwerk in Ingolstadt wird die Produktion 2019 deutlich nach unten gefahren.

Audi will den Diesel-Skandal endgültig hinter sich lassen – das macht das Unternehmen derzeit auf dem Automobilsalon in Genf deutlich. Der Ingolstädter Autobauer setzt auf Elektromobilität und präsentiert vier neue vollelektrische Modelle. "Wir wollen wirklich grün sein", so der neue Audi-Chef Bram Schot bei der Vorstellung der Fahrzeuge. Doch der Diesel-Skandal lässt Audi nicht los. Neue Details kommen ans Licht.

Audi-Entwickler hatten auch Prüfyzklen von Umweltbehörden und ADAC im Visier

Nach BR-Informationen waren bei der VW-Tochter Audi Manipulationen der Abgassoftware nicht nur darauf ausgerichtet, die Zulassungsbehörden hinters Licht zu führen. Es wurde auch eine Strategie entwickelt, um Fahrzeuge bei Abgastests von Umweltbehörden und dem ADAC sauberer erscheinen zu lassen als im Normalbetrieb. Das geht aus internen E-Mails und Präsentationen aus dem Jahr 2009 hervor, die BR Recherche und "Plusminus" ausgewertet haben.

Strategien für den Prüfstand

Ein Audi e-tron beim Autosalon in Genf
Ein Audi e-tron beim Autosalon in Genf | Bild: picture alliance / NurPhoto / Xavier Bonilla

Demnach trieb die Entwickler bei Audi damals eine Sorge um: Beim so genannten Artemis-Test des Umweltbundesamtes und beim Eco-Test des ADAC schnitten Diesel-Fahrzeuge des Herstellers nicht gut ab. Daher erarbeiteten Techniker Strategien, damit die Motor-Software die Prüfzyklen von Umweltbundesamt und ADAC auf dem Prüfstand erkennt. Drei Möglichkeiten wurden diskutiert: Zykluserkennung anhand von "Umweltbedingungen", über eine "Fahrprofilerkennung" oder eine "Lenkwinkelerkennung", so der Wortlaut in den Audi-Unterlagen.

Entschieden haben sich die Entwickler laut Dokumenten für eine Fahrkurven-und Lenkwinkelerkennung. Wörtlich heißt es: "Bei sicherem Erkennen einer Fahrkurve: Umschalten auf einen anderen EOM" – also auf einen anderen Betriebsmodus. War die Prüffahrt vorbei, sollte die Abgasreinigung auf "Normalbetrieb" umgestellt werden. In Grafiken stellten die Experten dar, wie viele Sekunden (1000, 1500, 2000) der jeweilige Prüfmodus laufen sollte. Angedachte Umsetzung der Maßnahme: das Modelljahr 2011.

Präsentation sollte "nicht in falsche Hände geraten"

In einer tabellarischen Übersicht fassten Audi-Mitarbeiter die Vor- und Nachteile der Strategien zusammen; auch die "Aufdeckungswahrscheinlichkeit" wurde abgewogen. Den Beteiligten war klar, dass die Sache "politisch kritisch" war. Einer der Software-Entwickler versah vor diesem Hintergrund eine am 8. Dezember 2009 an einen größeren Verteiler verschickte E-Mail mit der Warnung: "Die mitgeschickte Präsentation bitte gleich wieder löschen […]. Das Ding darf nicht in falsche Hände geraten!"

Kein Kommentar von Audi

Auf BR-Anfrage wollte ein Audi-Sprecher den Vorgang "wegen der laufenden Ermittlungen" nicht kommentieren. Der ADAC teilte mit, er könne nach der Auswertung von mehr als 50 Messungen seit 2007 keine signifikanten Änderungen im Zeitraum nach 2011 feststellen. Womöglich entschied sich das Unternehmen wegen der Gefahr der Aufdeckung gegen die Zykluserkennung. Das Umweltbundesamt schrieb auf Anfrage, auch wenn der "Artemis"-Fahrzyklus keine rechtliche Relevanz bei der Fahrzeugzulassung habe, sei eine Zykluserkennung – falls sie tatsächlich stattgefunden habe – moralisch sehr bedenklich.

Neustart im Schatten des Diesel-Skandals

Arbeiter an der Fertigungslinie im Audi Werk Ingolstadt
Arbeiter an der Fertigungslinie im Audi Werk Ingolstadt | Bild: picture alliance / imageBROKER / Stephan Goerlich

Dass Audi die Diesel-Krise nicht einfach abschütteln kann, zeigt auch die Lage in Ingolstadt. 44.000 Beschäftigte arbeiten dort im größten Werk des Konzerns. 2017 bauten sie rund 538.000 Autos. In diesem Jahr werden nach BR-Informationen nur noch 441.000 Fahrzeuge gefertigt – fast 20 Prozent weniger als zwei Jahre zuvor, so interne Planzahlen. Betriebsbedingte Kündigungen sind bei Audi zwar bis 2025 ausgeschlossen, der neue Vorstand will aber Personal abbauen und ganze Schichten streichen. Morgen wird Audi seine Jahreszahlen vorlegen und die künftige Unternehmensstrategie erläutern.

Bericht: Arne Meyer-Fünffinger und Josef Streule

Stand: 14.03.2019 10:30 Uhr

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