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Die Macht der Berater

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Die Macht der Berater | Video verfügbar bis 10.04.2020 | Bild: mauritius

- "Big Four" bestimmen den Markt der Wirtschaftsprüfer
- Insider berichten von Interessenkonflikten
- Unternehmen verweisen auf Rotation und Qualitätskontrolle

2018 ging Großbritanniens zweitgrößter Baukonzern Carillion pleite. 20.000 Menschen verloren ihren Job – unter anderem, weil Carillion Schulden zu niedrig und Vermögenswerte zu hoch berechnet hatte.

Eigentlich sollte so etwas bei den „Abschlussprüfungen“ von Wirtschaftsprüfungsgesellschaften auffallen. Sie prüfen, ob finanzielle Risiken vorliegen und die entsprechenden Gesetze eingehalten werden.

Prüfer sollen korrekte Bilanzierung checken

Dabei wird auch gecheckt, ob Einnahmen und Ausgaben richtig verbucht sind, und Vermögenswerte wie Häuser in der Bilanz mit einem realistischen Wert erfasst werden. Ist nichts zu beanstanden, bekommt das Unternehmen von den Prüfern den Bestätigungsvermerk.

„Big Four“ sind weltweit führend

Auch Carillion bekam einen solchen Bestätigungsvermerk. Auch wenn man den Prüfern die Pleite des Bauriesens nicht in die Schuhe schieben kann: Die Rolle der so genannten „ Big Four“ wird nicht nur in Großbritannien kritisch beäugt. Als "Big Four" werden die vier größten Wirtschaftsprüfungsgesellschaften der Welt bezeichnet: EY, Deloitte, PricewaterhouseCoopers (PwC) und KPMG.

Das Problem: Abschlussprüfer prüfen im öffentlichen Auftrag, werden aber vom Aufsichtsrat eines Unternehmens ausgewählt - und auch bezahlt. Sie bekommen ihr Geld also ausgerechnet von denen, die sie überprüfen: den Unternehmen. In der Praxis habe das Folgen, wie Insider gegenüber Plusminus verraten.

Lukrativer Markt für Wirtschaftsprüfer

„Das ist oft ein Abhängigkeitsverhältnis“, verrät ein Wirtschaftsprüfer, der für eine der „Big-Four“-Gesellschaften arbeitet, und deshalb anonym bleiben möchte. „Natürlich möchte der Prüfer aus nachvollziehbaren Gründen den Auftraggeber nicht verlieren“, sagt er.

Denn bei der Prüfung von Jahresabschlüssen geht es um viel Geld. Die Dax30 Unternehmen gaben 2017 dafür 445 Mio. Euro aus. Einer der Spitzenreiter: Siemens. Laut Jahresabschluss 2018 überwies das Unternehmen 50,6 Mio. Euro an Ernst & Young.

Prinzip des Wegschauens?

Wer die Millionen kassiert, entscheiden die Konzerne. Das könne zu einer zu großen Nähe von Prüfern und Auftraggebern führen, sagt Frank Wehrheim. Er war viele Jahre lang Abteilungsleiter der Frankfurter Steuerfahndung. „Die Erfahrung habe ich im strafrechtlichen Bereich meines Berufs als Steuerfahnder durchaus gemacht“, so Wehrheim: „hier geht es ja im Prinzip darum wegzuschauen, etwas nicht festzustellen.“

„Ein System aus Rotation und Qualitätskontrolle“

Plusminus hat mit diesen Vorwürfen alle „Big Four“-Gesellschaften konfrontiert. Sie verweisen auf ihre Unabhängigkeit, EY betont zudem die persönliche Haftung der Prüfer und verweist auf deren ethischen Verpflichtungen. Und KPMG erklärt: „Durch ein System aus … Rotation und … Qualitätskontrolle stellen wir die kritische Grundhaltung und Unabhängigkeit bei der Prüfung sicher…“

Langfristige Wechselpflicht

Ex-Steuerfahnder Frank Wehrheim hält von diesem Argument nicht viel. „Wenn es um viel Geld geht, ist das auch relativ mit dem Berufsethos“, sagt er mit Blick auf abgeschlossene Fälle.

Allein auf Berufsethos wollte sich auch der europäische Gesetzgeber offenbar nicht verlassen. 2016 wurden deswegen neue Regeln für Abschlussprüfer umgesetzt. Das Ziel: die Unabhängigkeit der Prüfer gegenüber den Unternehmen stärken.

Eine der Maßnahme ist die so genannte „externe Rotationspflicht“. Sie schreibt vor, dass bei relevanten Unternehmen der Wirtschaftsprüfer nach einer bestimmten Zeit wechseln muss. . Aber: der europäische Gesetzgeber konnte sich nur auf eine sehr langfristige Wechselpflicht einigen. Nach jahrelangem Kampf um härtere Regeln sind damit Dauerprüfungen noch immer möglich. Jetzt sogar Gesetzlich garantiert - bis zu 20 Jahre!

Autor: Thomas G. Becker und Massimo Bognanni
Bearbeiter: Peter Schneider

Stand: 10.04.2019 23:16 Uhr

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