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Alternative zu Bitcoin & Co: Der digitale Euro

PlayZahlen mit dem digitalen Euro: Wallet auf dem Handy an der Kasse
Alternative zu Bitcoin & Co: Der digitale Euro | Bild: BR

  • Die Europäische Zentralbank (EZB) plant, einen digitalen Euro einzuführen – allerdings erst in fünf Jahren. Noch steckt sie in der Planungsphase. Auf den Bahamas wird bereits mit digitalem Zentralbankgeld, dem Sanddollar, bezahlt. China will den digitalen Yuan im kommenden Jahr zu den Winterspielen einführen.
  • Der digitale Euro hätte Vorteile: Die EZB will den Wert des digitalen Euros garantieren, entsprechend dem Wert des Bargelds. Krypto-Geld wie etwa der Bitcoin sind nicht garantiert. Negativzinsen soll es nicht auf den digitalen Euro geben.
  • Der digitale Euro soll die monetäre Souveränität Europas gewährleisten. Europa will eine Abhängigkeit von Krypto-Währungen und privaten Anbietern von Bezahlsystemen verhindern.
  • Bürger sollen mit dem neuen Zentralbankgeld möglichst unkompliziert zahlen können. Auch Menschen ohne Bankkonto soll das ermöglicht werden.

Mit digitaler Zentralbankwährung bezahlen – Die Bahamas machen es vor

Auf den Bahamas gibt es eine neue Währung. Ob beim Fischhändler, im Geschäft oder zu Hause beim Online-Shoppen – dort können Menschen mit dem Sanddollar bezahlen. Der Sanddollar ist digitales Zentralbankgeld. In kurzen Videos auf ihrer Homepage erklärt die Zentralbank der Bahamas, wie das funktioniert: Cash oder Geld auf dem Girokonto eintauschen gegen den Sanddollar – den Sanddollar ins elektronische Portemonnaie, auf das so genannte Wallet, zum Beispiel auf dem Handy laden und dann los: Bezahlen oder Geld empfangen! Vergangenen Oktober wurde der Sanddollar eingeführt.

Kimwood Mott zeigt uns wie man bezahlt mit dem Sanddollar
Kimwood Mott zeigt uns wie man bezahlt mit dem Sanddollar | Bild: BR

Kimwood Mott ist als Projekt-Manager der Zentralbank der Bahamas für den Sanddollar verantwortlich. Die Bahamas sind das erste Land der Welt, das digitales Zentralbankgeld vergangenen Oktober eingeführt hat. Das habe auch mit Corona zu tun, erklärt Kimwood Mott: "Während der Pandemie haben wir den Bedarf an finanzieller Inklusion für die Menschen erkannt, und auch ökonomische Hilfen für einige die auf den weiter entfernten Inseln leben, um sicher zu gehen, dass die Versorgung mit Geld dort gewährleistet wird für die Industrie und die Händler. Da haben wir entschieden, die Einführung unserer digitalen Währung zu beschleunigen."

Während auf den Bahamas schon digitales Zentralbankgeld zirkuliert, ist das Thema in Deutschland und den anderen Ländern der Eurozone noch weit weg. Immerhin: Bei einer Anhörung vor wenigen Wochen vor dem EU-Parlament bekräftigt Christine Lagarde, die Präsidentin der Europäischen Zentralbank: "Wir arbeiten hart an dem Projekt zum digitalen Euro, der eine Art digitalen Zentralbankgeldes darstellen würde. Das wäre viel besser, als Krypto-Geld, das auf privaten Systemen läuft."

Der digitale Euro: Was ist der Unterschied zum herkömmlichen Geld?

Der digitale Euro ist im Grunde ähnlich wie Euro-Scheine und -Münzen, nur eben digital. Der digitale Euro liegt auf einem speziellen Konto, so der Plan. Und passend zum Konto gibt es für die Bürger eine elektronische Geldbörse, ein sog. Wallet zum Beispiel auf dem Handy. Beim Bezahlen wird direkt vom Wallet der geschuldete Betrag abgebucht. Genau um diesen Betrag sinkt der Kontostand. Die Transaktionen passieren dann sofort. Es wird also nicht nur ein Anspruch auf Überweisung geschaffen, der dann über Banken abgewickelt wird, wie es bei den heute üblichen Bezahlsystemen, etwa per Kreditkarte, der Fall ist. Es gibt auch kein Warten mehr auf Überweisungen. Es wird zudem an einer Bezahlfunktion gearbeitet, die ohne Internet funktioniert. Der Bürger kann sein digitales Euro Konto jederzeit wieder auffüllen, etwa durch eine Überweisung.

EZB bürgt für den digitalen Euro

Die EZB bürgt heute für das Bargeld. Aber sie bürgt nicht für unsere Bankeinlagen, also Tagesgeld-, Festgeld- und Girokonten sowie Sparguthaben und Sparbriefe. Immerhin: Die sind bis zu 100.000 Euro pro Kunde und Bank gesetzlich geschützt. In Deutschland gibt es obendrein freiwillige Sicherungssysteme, die gewährleisten sollen, dass bei einer Bankenpleite Kundengelder in Millionenhöhe zurückgezahlt werden können.

Bitcoin
Bitcoin | Bild: BR

Die digitalen Euro Guthaben jedoch wären vollständig von der EZB geschützt, bestätigt Jürgen Schaaf, Berater aus dem Führungsteam Direktorat "Marktinfrastrukturen und Zahlungsverkehr" der EZB: "Die Zentralbank bürgt für dieses Geld. Die Staatengemeinschaft Europas, die den Euro quasi emittiert, steht für dieses Geld. Das ist das höchste Sicherheitsniveau, dass ein Geld haben an, und es ist liquide. Es ist sicher und die Geldpolitik der unabhängigen Behörde EZB stellt sicher, dass es den Wert behält. Und das ist der gravierende, der alles entscheidende, konstituierende Unterschied zu den Kryptowährungen, die keinen Gegenpart haben, das ist eine Forderung, die sie haben gegen nirgends, gegen niemanden."

Für das für Zahlungsverkehr zuständige Mitglied im Vorstand der Deutschen Bundesbank Burkard Balz ist der digitale Euro wie eine Art Vermögenssicherung für die Bürger, die es bei Krypto-Geld wie dem Bitcoin nicht gibt: "Damit würden wir hier natürlich auch eine Form, ausfallsichere Form von unserer Währung haben. Insofern kann man wirklich sagen, dass wir hier ein Höchstmaß an Sicherheit bei der digitalen Form des Euros hätten."

Digitaler Euro aus der digitalen Geldfabrik

Die Firma Giesecke+Devrient stellt für viele Länder der Welt Banknoten und Zahlungskarten her, erst die mit Magnetstreifen, später kam der Chip dazu. Heute bietet man zusätzlich IT-Systeme zur Absicherung von Zahlungsvorgängen an. Und nun ist der digitale Euro in den Fokus des Interesses der Entwickler gerückt. Die Firma hat einen Ansatz entwickelt, bei dem eine Zentralbank eine Datei herstellen kann, die einen Geldwert wiedergibt.

Ralf Wintergerst, Giesecke + Devrient
Ralf Wintergerst, Giesecke + Devrient | Bild: BR

Ein Pilotprojekt bei einer großen Zentralbank läuft schon. Bei welcher, darf die Firma nicht verraten. Firmenchef Ralf Wintergerst erläutert nur so viel: Die digitale Währung würde "in einer digitalen Geld Fabrik hergestellt. Die ist dann nur so limitiert, wie das die Zentralbanken möchte. Und die Protokolle, wie das funktioniert und wie das aufgesetzt wird, wie die IT funktioniert, ist immer das Geheimnis und das Wichtigste."

Datenschutz und Bezahlen mit dem digitalen Euro

Bernd Ohlmann, Handelsverband Bayern
Bernd Ohlmann, Handelsverband Bayern | Bild: BR

Jürgen Schaaf betont, die Bürger müssten sich um den Schutz ihrer Bezahldaten keine Sorgen machen, sogar viel weniger als bei privaten Anbietern von Bezahlsystemen. Was die Leute letztendlich bezahlen und wofür sie ihr Geld ausgäben, sei für die EZB nicht von Interesse. Ganz anders bei privaten Bezahlsytemen, so Schaaf: "Wenn ein Privatunternehmen mit Daten handelt, hat es ein Profitinteresse oder kann langfristig damit Geschäftsmodelle aufbauen, von denen wir noch gar nichts ahnen. Das alles ist uns fremd. Wir unterliegen der Datenschutzvorgabe Europas, und wir halten uns streng daran."

Datenspuren beim Bezahlen mit digitalem Zentralbankgeld

Geldwäschegesetze und Gesetze gegen Terrorfinanzierung sollen auch beim digitalen Euro ihre Gültigkeit behalten. Ab bestimmten Summen und Häufigkeiten von Buchungen würden Mechanismen zur Überwachung greifen, heißt es in bisher unveröffentlichten Gutachten zum digitalen Euro. Das entspricht dem Mechanismus, der auch für den Sanddollar auf den Bahamas gilt. Kimwood Mott erläutert: "Es gibt uns im Zusammenhang mit der Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorfinanzierung wichtige Hinweise, wieviel Geld in der so genannten Schattenwirtschaft zirkuliert. Wir verstehen die Geldbewegungen besser, weil sie in einer digitalen Welt ablaufen, wo wir Spuren verfolgen können."

Zahlen mit dem digitalen Euro: Wallet auf dem Handy an der Kasse
Zahlen mit dem digitalen Euro: Wallet auf dem Handy an der Kasse | Bild: BR

Und Kimwood Mott geht noch einen Schritt weiter: Das Know-your-Customer-Prinzip, die Identifikation einer Person, die für die Eröffnung eines Bankkontos Voraussetzung sei, gäbe es bei Migranten ohne Papiere derzeit nicht. Sie würden auf den Bahamas jedoch viel mit Bargeld operieren, eben weil sie kein Konto haben könnten. Sie seien nicht integriert, aber sie führten Finanztransaktionen durch. Das sei jetzt mit dem Sanddollar anders. Bis zu einer Höhe von 500 Dollar ist Identifikation beim digitalen Wallet nicht vorgeschrieben. Für Migranten ohne Papiere gäbe es so die Möglichkeit am digitalen Zahlungsverkehr teilzunehmen.

Mario Huber, Leiter des Dezernats Cyber Crime beim Bayerischen Landeskriminalamt ist dagegen überzeugt, dass Geschäfte im Dark Web, ob mit Waffen, Drogen oder dem Erpressen von Lösegeld kaum über digitales Zentralbankgeld abgewickelt werden wird: "Unser Klientel wird sich nach wie vor auf Währungen konzentrieren, die eben gerade nicht staatlich reguliert sind." Denn dort sind die Datenspuren noch viel schwerer nachzuverfolgen.

Digitaler Euro – EZB verspricht: Keine Negativzinsen

Bleibt ein digitaler Euro auf dem Konto auch ein digitaler Euro oder kann ein Guthaben, wie schon jetzt bei manchen Geschäftsbanken durch negative Zinsen weniger werden? Jürgen Schaaf von der EZB sagt im Interview mit Plusminus, die EZB beobachte diese Sorgen der Bürger schon lange. "Wir nehmen sie sehr ernst, aber ganz klare Antwort: die Frage des digitalen Euros ist eine Frage des Bezahlverkehr. Es geht nicht um Geldpolitik. Das hat damit nichts zu tun. Es geht darum, wie bezahlen die Leute? Es geht dabei nicht um das Zinsniveau."

Konkurrenz durch andere digitale Bezahlmethoden

Pünktlich zu den Olympischen Winterspielen will China im kommenden Jahr chinesisches Zentralbankgeld, den digitalen Yuan, einführen. Auch die private Konkurrenz steht in den Startlöchern. Mit digitalem Geld mit dem Namen "Diem" will Facebook seine sozialen Netzwerke in ein neues Zeitalter führen. Auch das werten Fachleute als Frontalangriff auf die Zentralbanken. Burkhard Balz von der Deutschen Bundesbank ist alarmiert: "Eines ist für uns in der Bundesbank klar: Der Euro, unser Geld, ist natürlich ganz klar ein Teil unserer, der staatlichen Souveränität. Insofern würden wir hier, wenn man in die Richtung eines digitalen Euros geht, eine zusätzliche Möglichkeit im Zahlungsverkehr schaffen und somit weiter, staatliche Souveränität absichern."

Digitaler Yuan
Digitaler Yuan | Bild: BR

Jürgen Schaaf von der EZB baut ein dunkles Szenario: "Überlegen Sie sich, das gesamte Bezahlverhalten in einem Währungsraum, wie der Euro-Zone, würde komplett dominiert von nichteuropäischen, privaten oder staatlichen externen Anbietern. Und dann kommt es durch geopolitische Spannungen zu Sanktionen, und man wäre dann nur Zuschauer. Das wäre als Bedrohung politisch, aber auch gesellschaftlich nicht akzeptabel. Insofern ist der digitale Euro auch eine Versicherung, dass die monetäre Souveränität Europas auch in Zukunft gewährleistet ist."

Digitaler Euro – wohl erst in fünf Jahren

Doch bei der EZB lässt man sich Zeit. Wohl erst in fünf Jahren soll das Zentralbank Geld kommen: Präsidentin Christine Lagarde: "Alle wollen, dass wir hier schneller agieren, mit großem Enthusiasmus. Wir müssen vorsichtig sein." Kimwood Mott ist stolz darauf, dass die Bahamas als erste Nation digitales Zentralbankgeld anbieten: "Es geht uns auch um die finanzielle Inklusion, dass keiner vom digitalen Raum ausgeschlossen ist, und jeder dort zahlen kann, auch diejenigen, für die es sonst zu teuer wäre. Wir wollen damit kein Geld verdienen. Wir wollen die Zahlungsplattform für unser Land voranbringen." So zeigt ein kleiner Inselstaat den Industrienationen, wie man digitales Geld einführt und die eigene Währung fit für die Zukunft macht.

(Bericht: Sabina Wolf/BR)
(Stand: April 2021)

Stand: 21.04.2021 22:47 Uhr

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