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Markenprodukte als Schnäppchen: Preiskrieg bei Aldi und Lidl

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Markenprodukte als Schnäppchen: Preiskrieg bei Aldi und Lidl | Video verfügbar bis 10.04.2020 | Bild: WDR

– Preiskrieg bei Markenprodukten zwischen Aldi und Lidl.
– Strategiewechsel bei Aldi: Mehr Marken und Einkaufserlebnis.
– Experten sehen Gefahr für Discounter und Marken.

Aldi verspricht seit einigen Wochen Markenschnäppchen, die bis zu 41 Prozent unter dem Normalpreis liegen sollen. Lidl geht ebenfalls mit neuen Angeboten bei den Marken ins Rennen. Lohnt sich der Preiskampf für die Verbraucher?

Preise wurden sechs Wochen lang beobachtet

Sechs Wochen lang hat Plusminus die Preise von zehn Markenartikeln bei Aldi und Lidl beobachtet. Darunter zum Beispiel Aufbackbrötchen von Coppenrath und Wiese, Frischkäse von Philadelphia und Coca-Cola.

Das Ergebnis: Es zeigte sich, dass die Preise für alle zehn Produkte bei Aldi und Lidl schwankten. Bei allen Produkten war mal Aldi, mal Lidl günstiger. Am deutlichsten wurde dies bei Coca-Cola: Zeitweise ging der Preis pro Flasche auf nur 77 Cent zurück – bei beiden Discountern.

Unterschied nach dem Test: 33 Cent

Der Einkauf der zehn Markenprodukte kostete in der Testphase bei Aldi im Durchschnitt 16,62 Euro, bei Lidl 16,95. 33 Cent Unterschied im Durchschnitt bei unserer Stichprobe– aber deutliche Preissenkungen für Markenprodukte.  

Für die Marken-Hersteller sei das eine katastrophale Entwicklung, sagt Marken-Soziologe Arnd Zschiesche. Die Gewinnmarge sei ohnehin schon sehr gering und durch Preiskämpfe werde es für die Hersteller immer schwieriger am Markt zu bestehen. „Die Erfahrung zeigt: Wenn sie einmal in der Schütte gelegen haben als Marke beim Discounter, dann kommen sie aus dieser Schütte nicht mehr raus“, so Zschiesche.

Gefahr für Marken-Hersteller

Was sagen die Hersteller dazu, dass ihre Produkte fast zur Hälfte des normalen Preises angeboten werden.? Wir haben die Produzenten der Artikel im Warenkorb angeschrieben. Die Verkaufspreise bestimmten die Discounter, sagen die meisten Hersteller.

Nur Kerrygold äußert sich zu den möglichen Auswirkungen des Preiskrieges auf den Ruf ihrer Marke: „Wir begrüßen diese Verschärfung des Wettbewerbes natürlich nicht und unterstützen sie dementsprechend auch nicht. Sie kann langfristig zu einer Erosion des Markenvertrauens führen“, schreibt das Unternehmen.

Aldi arbeitet am Image

Frisches Obst und Gemüse
Aldi will Obst und Gemüse besser präsentieren.

Für Aldi geht es bei dem Preiskampf vor allem ums Image. Denn billig zu sein, war lange Zeit das Alleinstellungsmerkmal des Discounters. Heute möchte der Discounter zusätzlich ein positives Einkaufserlebnis vermitteln.

Milliarden-Investitionen in Ladenumbau

Das lässt sich das Unternehmen einiges kosten. Aldi-Nord beziffert die Kosten für die Modernisierung der Filialen auf 5,2 Milliarden Euro, auch bei Aldi-Süd wird für einen Milliardenbetrag umgebaut.

Diese Umbauten bedeuten frisches Brot und Backautomaten im Eingangsbereich, eine große Obst- und Gemüseauswahl, breitere Gänge als früher – und deutlich mehr Markenartikel im Sortiment.

Strategie kann zum Bommerang werden

Die neue Strategie edlere Läden, Werbung und Marken kann zum Boomerang werden, warnt Marken-Experte Arnd Zschiesche: „Wenn ich irgendwann außer der Farbe nicht mehr weiß, ob ich gerade in einem Lidl, einem Aldi oder einem anderen Discounter bin, dann wird es schwierig, weil man dann nicht weiß: Wo ist die Marke?“

Noch freuen sich die Kunden über günstige Preise - aber, wenn sie das Vertrauen in die Marken verlieren, wird es in diesem Preiskampf Verlierer geben.

Autor: Thorsten Risch
Bearbeiter: Peter Schneider

Stand: 10.04.2019 23:16 Uhr

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