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Diesel: VW stemmt sich gegen Nachrüstung

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Diesel: VW stemmt sich gegen Nachrüstung | Video verfügbar bis 23.01.2020 | Bild: dpa / Marijan Murat

– VW rät von Hardware-Nachrüstung von Diesel-Fahrzeugen ab.
– Experten halten eine Nachrüstung für unproblematisch.
– Bauraum ist in ca. 70 Prozent der Fahrzeuge der Marken VW und Audi vorhanden.

Vor ein paar Wochen sah es noch nach Klarheit aus. Für Fahrer von älteren Dieselwagen sollte es Hardware-Nachrüstungen geben – mit dem Ziel, drohende Fahrverbote abzuwenden. Doch dann warnte VW seine Kunden vor genau dieser Lösung. 

Streit zwischen VW und Nachrüstern

Katalysator, SCR
SCR-Katalysator zur Nachrüstung von Dieselfahrzeugen. | Bild: dpa / Fassbender

VW führt "Nachteile für unsere Kunden", "Risiken hinsichtlich der Funktion" und mögliche Langzeit-Folgeschäden als Argumente gegen die Nachrüstung an. Die Hersteller von Nachrüst-Sets wie den SCR-Katalysatoren und -Steuergeräten sind anderer Meinung.

Und was sagt ein Mann aus der Praxis? Ein Kfz-Meister, der seit 30 Jahren in einer VW-Vertragswerkstatt arbeitet, behauptet gegenüber "Plusminus": "Die Umrüstung ist überhaupt kein Problem. Es ist machbar, es ist umsetzbar, es ist kostentechnisch akzeptabel."

Aber was ist mit den baulichen Problemen? VW hatte bislang darauf verwiesen, dass für die Nachrüstung in und unter Euro-5-Diesel-Fahrzeugen eigentlich gar kein Platz sei. Der Kfz-Meister sagt Plusminus dazu: "Wir sehen ja teilweise unterm Fahrzeug riesige Tunnel. Platz ist genug da."

VW rudert bei "baulichen Problemen" zurück

"Plusminus" liegt ein vertrauliches Dokument der VW Konzern-Entwicklung aus dem Jahr 2016 vor. Bereits zu diesem Zeitpunkt kam die Konzern-Entwicklung zu dem Schluss, dass in 70 Prozent der Fahrzeuge eine Abgasanlage einsetzbar sei. Damit konfrontiert, rudert VW gegenüber "Plusminus" in Bezug auf den Bauraum zurück und schreibt: "In ca. 70 Prozent der Fahrzeuge der Marken Volkswagen und Audi wäre es voraussichtlich bauraumtechnisch machbar, die baulich veränderten oder zusätzlichen Katalysatoren unterzubringen."

Streit um Funktionssicherheit

Bleibt die Frage nach der Funktionssicherheit. Hier bleibt VW bei der Einschätzung: Es gebe "keine gesicherten Erkenntnisse, wie sich nachträgliche Eingriffe in das Steuerungssystem, die Komponenten und die Fahrzeugarchitektur im Dauerbetrieb langfristig auswirken."

Professor Ralph Pütz von der Hochschule Landshut – und seit der Dieselaffäre Berater der Bundesregierung – kann das nicht nachvollziehen. Nachrüstsets würden als "Stand-alone-Systeme" völlig autark und unabhängig vom Fahrzeug-Grundsystem funktionieren. "Das heißt, ein solches System reduziert die Emissionen nach dem Motor und greift gar nicht in die Software des Motors ein."

Jurist: Haftungsrisiko liegt beim Nachrüster

VW führt darüber hinaus an, dass die Entwicklung von Hardware-Nachrüstungen auch haftungsrechtlich nicht zu verantworten sei. Wirtschaftsjurist Julius Reiter, der auch betroffene Dieselfahrer vertritt, widerspricht. Seiner Einschätzung nach ist die Haftungsfrage in der Nachrüstverordnung eindeutig geregelt. Es seien die Hersteller der Nachrüstsets, die haften würden, nicht die Autobauer. "Ich sehe darin wirklich ein durchsichtiges Manöver, um Nachrüstungen überhaupt zu verhindern“, so der Jurist.

VW plant Gespräche mit Nachrüster-Firmen

Auch wenn VW die Fahrer älterer Diesel aller Hersteller jetzt mit einer bundesweit geltenden Wechselprämie lockt und dieses Angebot auch noch bis zum 30. April befristet, kann sich Abwarten lohnen. In einer Mail, die "Plusminus" vorliegt, kündigt der VW-Cheflobbyist Thomas Steg ein Treffen mit Nachrüstfirmen an. Auf der Tagesordnung: "ein Workshop, bei dem technische Fragen gemeinsam diskutiert werden können." VW bestätigt „Plusminus“, dass tatsächlich solch ein gemeinsames Fachgespräch in Wolfsburg stattfindet. Das letzte Wort in Sachen Hardware-Nachrüstung ist also in Wolfsburg noch nicht gesprochen.

Autor: Thomas Becker, Till Krause
Bearbeiter: Peter Schneider

Stand: 18.05.2019 15:38 Uhr

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