SENDETERMIN Sa, 20.09.14 | 16:00 Uhr

Wie Viren weit kommen können

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Wie Viren weit kommen können | Video verfügbar bis 19.09.2019 | Bild: WDR

Müssen wir Angst haben, dass Ebola sich auch bei uns ausbreitet?

Informationsbaltt über Ebola.
Der Frankfurter Flughafen informiert Fluggäste aus Westafrika über Ebola. | Bild: SWR

Ebola ist eine schreckliche und tödliche Krankheit, aber: Es kann bisher nur über Kontakt mit Blut oder andere Körperflüssigkeiten von Menschen übertragen werden, die bereits erkrankt sind. Fachleute reden von einer Schmierinfektion. Unter den Umständen in Westafrika, wo es eng, die Hygienemaßnahmen schlecht und die Aufklärung in der Bevölkerung gering ist, hat das Virus leichtes Spiel. Aber das reicht nicht, um zur weltweiten Gefahr zu werden. Es müsste sich auch effektiv schnell verbreiten können, das heißt: durch die Luft.

Die weit gereiste Schweinegrippe

Grafik zu Verbreitung von H1N1 und zugehörige Opferzahlen.
Das Schweinegrippevirus H1N1 war zwar nicht besonders tödlich, aber verbreitete sich in der gesamten Welt.  | Bild: SWR

Im schnellen und effektiven Verbreiten war der Erreger der Schweinegrippewelle von 2009 besonders gut. Das Virus H1N1 verbreitete sich innerhalb weniger Wochen von Mexiko über Nordamerika in den Rest der Welt. Kaum ein Land blieb von Infektionen verschont. Der Grund: Das Virus findet seine neuen Wirte per Tröpfcheninfektion. Die Erreger können an Tröpfchen gebunden, genauso wie ihre Verwandten der saisonalen Grippe, durch die Luft zu neuen Wirten fliegen. So können auch Oberflächen zu Überträgern werden - vorausgesetzt, man berührt mit ungewaschenen Händen direkt Mund- und Nasenschleimhäute oder die Augen. Laut nachträglichen Studien soll knapp ein Viertel der Menschheit mit H1N1 infiziert gewesen sein. Die Sterblichkeitsrate war mit 0,02 Prozent glücklicherweise sehr niedrig. Doch 0,02 Prozent von 1,6 Milliarden Menschen macht immer noch 280 Tausend Tote.

Der Übertragungsweg ist das A und O von "guten" Viren

Hühner in einem Käfig
Das Vogelgrippevirus H5N1 überträgt sich bisher nur von Vogel auf Mensch.  | Bild: WDR

Ein schnell sterbender Wirt kann viel weniger andere Wirte anstecken. Ein gutes Virus tötet seinen Wirt also nicht oder zumindest nicht sofort. Das Hauptziel ist es sich zu verbreiten. Dazu muss sich das Virus richtig an einen Wirt anpassen. Oft passiert es, dass Viren mit unterschiedlichen Eigenschaften sich in einem Tier genetisch austauschen und somit auch die Übertragungswege ändern und optimieren können.

Das Virus der Vogelgrippe, H5N1, ist nicht besonders gut auf Menschen spezialisiert. Es kann bisher nur durch engen Kontakt mit einem infizierten Vogel auf den Menschen übertragen werden und ist dann äußerst tödlich für Menschen - über die Hälfte der Infizierten starb bisher. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch wurde hingegen noch nie hundertprozentig nachgewiesen. Wegen des einseitigen Infektionsweges beschränken sich die menschlichen H5N1-Fälle maßgeblich auf den asiatischen Raum. Bisher sind insgesamt nur knapp 700 Menschen infiziert worden.

Panik vor SARS

Mediziner im Quarantäneanzug hilft Erkranktem aus dem Rettungswagen.
In Deutschland ist man auf den Pandemie-Ernstfall vorbereitet.  | Bild: SWR

Vor zehn Jahren tauchte ein Virus auf, von dem man annahm, dass es sowohl sehr tödlich als auch hoch infektiös ist. Das SARS-Coronavirus kam wie aus dem Nichts. Es war neu und kein menschlicher Körper hatte Abwehrkräfte dagegen entwickelt. Die Krankheit, die es auslöste, war das schwere akute Atemwegssyndrom, SARS. Der Erreger versetzte China und Hongkong in einen Ausnahmezustand und die gesamte Welt in Panik. Die Symptome: Fieber, Husten, Atemnot, entzündete Lungenflügel.

Ein schon erkrankter Lungenexperte, der sich in China infiziert hatte, steckte in einem Hongkonger Hotel zwölf weitere Gäste an. Auf dem Weg in ihre Heimatländer und in ihren Heimatländern selbst infizierten diese dann innerhalb weniger Tage per Tröpfcheninfektion weitere 300 Menschen. Nach ein paar Monaten trugen über 8.000 Menschen das SARS-Virus in sich, ein Großteil davon in China und Hongkong. Ein Zehntel der Infizierten starb.

Doch man bekam SARS mit strikten Quarantäne- und Desinfektionsmaßnahmen wieder unter Kontrolle. In Ländern wie Deutschland ist man auf Pandemien dieser Art gut vorbereitet. So kann sich auch Ebola nicht einfach unaufhaltsam in der Welt ausbreiten. Zumindest so lange das Virus nicht einen anderen Übertragungsweg von Mensch zu Mensch entwickelt.

Autorin: Martina Preiner

Stand: 22.09.2014 09:22 Uhr