SENDETERMIN Sa, 10.01.15 | 16:00 Uhr

Warum Händewaschen vor Ansteckung schützt

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Video vorab: Warum Händewaschen vor Ansteckung schützt - ein Experiment (zur Sendung am 10.01., 16:00 Uhr) | Video verfügbar bis 04.12.2019 | Bild: SWR

Die meisten Menschen fürchten sich vor Niesenden und Hustenden in ihrer Umgebung. Die Vorstellung: Viren fliegen durch die Luft und stecken Mitmenschen an. Dabei ist diese Art der "direkten Ansteckung" der seltenere Fall. Viel häufiger ist die "indirekte Ansteckung" über unsere Hände.

Fünf Menschen
Wie oft berühren die Teilnehmer in drei Minuten ihr Gesicht? | Bild: WDR

Warum das so ist, zeigen wir in einem Experiment mit unserem Reporter Burkhardt Weiß. Sein Trick: Er lädt Menschen auf der Straße zu einem Merkspiel ein. Drei Minuten haben sie Zeit, sich die Bilder genau einzuprägen. Sie ahnen nicht, dass es eigentlich um etwas ganz anderes geht. Wir beobachten nämlich, wie oft sie sich während des Spiels mit der Hand im Gesicht berühren.

Unsere Probanden berühren sie sich fast alle mehrfach mit den Händen im Gesicht. Sei es ein Kratzen des Bartes, ein Wischen an der Nase oder mal kurz durch das Auge gerieben - es geht ganz schnell, nebenbei undmeist unbewusst. Ein Spieler berührt sich zehn Malin drei Minuten im Gesicht - der Rekord an diesem Tag. Der Drang, sein eigenes Gesicht zu berühren, scheint ein natürlicher Reflex zu sein.

Häufigster Weg der Ansteckung

Burkhardt schüttelt einen Mann die Hand
Hier tappt Burkhardt in die Falle: Händeschütteln inklusive Virus-Infektion? | Bild: WDR

Wir berühren uns mit den Händen viel häufiger im Gesicht, als wir es ahnen. Bei einer kalifornischen Studie aus dem Jahr 2008 fassten sich die Probanden im Durchschnitt 15,7 Mal pro Stunde ins Gesicht. Normalerweise berühren wir im Alltag auch Flächen wie Türklinken, eine Tastatur oder den Knopf eines Automaten. Hat dort ein anderer Rhinoviren, also Erkältungserreger, "hinterlassen", folgt jetzt der häufigste Weg der Ansteckung. Denn Schleimhäute in Augen und Nase sind das Einfallstor für die hochspezialisierten Rhinoviren. Und mit der unbewussten Berührung des Gesichts bringen wir selbst die Viren auf den besten Weg.

Klassische Ansteckungsfallen lauern überall dort, wo viele Menschen auf engem Raum zusammenkommen: im Bus, in Kaufhäusern und Großraumbüros. Alles, was von Hand zu Hand geht - wie Türklinke, Handtuch, Computertastaturen oder Geldscheine - stellt also eine Infektionsquelle dar.

Und genau da liegt das Problem: Wir berühren mit unseren Händen ständig Flächen, auf denen Viren verteilt sein können. Sei es die Hand eines Menschen, eine Türklinke oder auf einem Tisch. Viren überleben dort zum Teil mehrere Stunden oder sogar Tage. Kommt es schließlich zum Kontakt mit Schleimhäuten, dringen die Viren in unseren Körper ein.

Die Schmier- oder Kontaktinfektion ist neben der Tröpfcheninfektion der häufigste Infektionsweg bei Erkältungen. Klassische Ansteckungsfallen lauern überall dort, wo viele Menschen auf engem Raum zusammenkommen - im Bus, in Kaufhäusern und Großraumbüros. Alles, was von Hand zu Hand geht - wie Türklinke, Handtuch, Computertastaturen oder Geldscheine - stellt eine große Infektionsquelle dar.

Zweiter Teil des Experiments

Ein Mann reibt sich die Augen
Berührung mit großer Wirkung: Kurz mal die Schleimhäute berührt. | Bild: WDR

Wir verlängern die Beobachtungszeit und geben fünf Probanden unterschiedlichste Aufgaben. Reporter Burkhardt Weiß verfolgt im Nebenraum die Szene zusammen mit Professor Ortwin Adams, Virologe an der Universität Düsseldorf. Es dauert nur wenige Sekunden und schon berührt der erste Proband sein Gesicht. Vor dem Experiment hatte sich Burkhardt seine Hände mit einer fluoreszierenden Flüssigkeit eingecremt und jedem Probanden bei der Begrüßung die Hand geschüttelt. So wollen wir den Weg potenzieller Viren sichtbar machen. Unter Schwarzlicht zeigt sich die fluoreszierende Flüssigkeit auf den Schreibtischen, an Kopfhörerkabeln und natürlich in den Gesichtern der Probanden.

Wäre Burkhardt an diesem Tag tatsächlich erkältet gewesen, seine Viren hätten garantiert den Weg auf die Schleimhäute der Probanden gefunden. Ob man dann wirklich erkrankt, hängt allerdings noch von vielen anderen Faktoren ab, unter anderem vom Zustand des eigenen Immunsystems.

Da hilft nur Händewaschen

Der beste Schutz vor Erkältungen: Händewaschen! Laut verschiedener Studien reicht regelmäßiges Händewaschen aus, um die Verbreitung der Viren um 55 Prozent zu senken. Das sollte natürlich nicht zu einem Tick werden. Es reicht vor dem Zubereiten von Speisen, vor dem Essen oder bei der Ankunft im Büro oder zu Hause. Am besten die Hände 20 bis 30 Sekunden lang einseifen, auch zwischen den Fingern. Desinfektionsmittel ist nicht nötig.
Bis zu 90 Prozent aller Krankheitserreger kommen über die Hände in unseren Körper. Niest sich ein erkrankter Mensch in die Hand und reicht sie dann einem anderen, gibt er dabei eine Million Viren weiter. Wäscht er sich aber nach dem Niesen die Hände mit Wasser und Seife, reduziert sich die Zahl der Viren auf etwa 100. Die genügen dann in der Regel nicht mehr für eine Ansteckung.

Autorinnen: Yves Schurzmann und Pia Huneke (WDR)

Stand: 10.01.2015 15:56 Uhr