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Warnung für Schweinswale

Ein Schweinswal
Der kleine pummelige "Bruder" des Delfins | Bild: J.Kristensen, Fjord-Baelt-Center Kerteminde

Er sieht aus wie ein Delfin, ist aber kein Bewohner exotischer Gewässer, sondern ein Einheimischer: der Schweinswal. Genauer gesagt, der Hafenschweinswal. Er ist nicht so stattlich wie der Große Tümmler, sieht eher so aus wie sein kleiner, pummeliger Bruder. Schweinswale werden nur etwa 1,60 Meter lang. Und strenggenommen sind sie auch keine Delfine, sondern eine Zahnwalart. Aber sie sind mit Delfinen verwandt und eben bei uns heimisch in der Nord- und Ostsee. Allerdings gibt es immer weniger von ihnen. Ihr Bestand ist bedroht. Schätzungen gehen davon aus, dass zwischen 1994 und 2005 der Bestand an Schweinswalen in der westlichen Ostsee um die Hälfte zurückgegangen ist und dass in der östlichen Ostsee nur noch 600 Tiere leben. Und es werden immer weniger.

Im Netz verheddert und jämmerlich ertrunken

Ein Schweinwal an Land, verheddert im Netz
Jährlich ertrinken vermutlich Hunderte Schweinswale.  | Bild: Danish Society for Nature Conservation

Der Schweinswal wird zwar längst nicht mehr gezielt gejagt, gerät aber dennoch immer wieder in Fischernetze. Allein an den deutschen Stränden der Ostseeküsten werden jedes Jahr bis zu 150 tote Tiere, die offensichtlich in Netzen verendet sind, gefunden. Die Tiere sind Säugetiere und müssen, wie Delfine auch, über ein Blasloch atmen. Verheddern sie sich in einem Netz, ertrinken sie jämmerlich. An den toten Tieren, so ein Gutachten von Meeresbiologen, finden sich Netzabdrücke auf der Haut, abgeschnittene Flossen und an einem Tier fand man sogar einen angebundenen Ziegelstein an der Schwanzflosse. Experten befürchten, dass die Zahl der jährlich auf diese Weise getöteten Tiere die Zahl der Nachkommen übersteigt - der Schweinswal wird allmählich ausgerottet.

Geräusche vom "Pinger" lösen das Problem noch nicht

Boris Culik mit selbstgebautem Alarm-System für Schweinswale
Ein Warngeräusch soll Schweinswale retten. | Bild: Jan Kerckhoff / WDR

Eigentlich sollte das Problem mit sogenannten Pingern verhindert werden. Das sind Geräte, die mit einem Geräusch die Schweinswale von Fischernetzen vertreiben sollen. Tatsächlich erzeugen diese Pinger einen Laut, der die Schweinswal zur panikartigen Flucht treibt. Aber das, so der Meeresbiologe Prof. Boris Culik aus Kiel, ist problematisch. Die Tiere werden von den Netzen, die mit Pingern ausgerüstet sind, in Netze getrieben, die keine Pinger haben. Denn nicht alle Fischerboote müssen damit ausgerüstet sein. Und es gibt noch weitere Probleme: Das Geräusch der Pinger steht im Verdacht, Seehunde anzulocken, die dann den Fischern ihre Beute klauen. Das und weitere Gründe, so Culik, führt nicht gerade dazu, dass die Pinger bei Fischern sehr beliebt sind: "Dann heißt es eben der Pinger ist kaputtgegangen - im Klartext nicht eingeschaltet worden." sagt Culik.

Schweinswale verlassen sich auf ihr Orientierungssystem

Bojen mit dem PAL-System werden getestet
Der Test auf der Ostsee | Bild: Jan Kerckhoff / WDR

Culik hat daher eine neues System entwickelt, das einige der bisherigen Probleme lösen soll. Die Schweinswale setzen eine Art Sonar zur Orientierung ein. Klicklaute, deren Echo sie wieder auffangen, um aus dem Muster Beutefische zu erkennen oder Hindernisse. Culik hat jedoch festgestellt, dass die üblichen Pinger die Tiere dazu veranlassen, ihre Echo-Ortung auszuschalten. So sind sie aber orientierungslos und geraten erst recht in Gefahr.

Ein neuer Pinger soll nun die Tiere alarmieren, sie sozusagen aufwecken und dazu bringen ihre Echo-Ortung zu nutzen. Mit dem deutschen Forschungsschiff Clupea und mehreren Meeresbiologen hat Boris Culik für einen Test im kleinen Belt an der dänischen Ostseeküsten mehrere Bojen mit den neuen Geräten ausgerüstet. Nach zwei Wochen ständigen Beobachtens und Messens zeigt er sich zufrieden: "Wir haben zwar die Daten noch nicht vollständig ausgewertet. Aber es sieht so aus als würde das System funktionieren." Die Messungen zeigen, dass die Schweinswale ihre Echo-Ortung nun aktivieren. Und sie werden von dem Geräusch weder verjagt noch angelockt. Sie scheinen tatsächlich, so wie beabsichtigt, angeregt zu werden, ihr eigenes Orientierungssystem einzuschalten.

Nun will Culik den nächsten Test durchführen, dabei müssen die neuen Warngeräte an Fischernetzen zeigen, ob sie den Schweinswal tatsächlich retten können.

Autor: Jan Kerckhoff (WDR)

Stand: 31.05.2015 10:49 Uhr