[W] wie Wissen: Sendetermine

Ein Datum eines Kalenderblatts
Samstag ist [W] wie Wissen-Tag | Bild: imago stock&people

27. Oktober: Medikamentenmangel und Apothekenkrise

Wenn wir krank sind, bekommen wir das richtige Medikament – oder? Was aber, wenn das nicht verfügbar ist?  Immer häufiger kommt es in Krankenhausapotheken zu Lieferengpässen. Manche Arzneimittel sind Wochen oder Monate lang nicht lieferbar. Nicht selten müssen Behandlungen deshalb verschoben werden. Jürgen Reh ist für den Einkauf der Apotheke des Universitätsklinikums München in zuständig und erlebte schon im Februar dieses Jahres über 200 Lieferengpässe.  Im Dezember 2017 wurde es besonders kritisch: ein wichtiges Narkosemedikament war nahezu aufgebraucht. Was sind die Gründe für solche Engpässe?

Ein Skandal hat das Vertrauen in die Medikamentenversorgung nachhaltig erschüttert: der Bottroper Apothekerskandals, der Ende 2016 aufflog.  Ein Apotheker hatte tausende Krebspatienten in Gefahr gebracht, indem er die Krebsmedikamente, die für jeden Patienten individuell zubereitet werden müssen, aus Profitgier unterdosierte.  [W] wie Wissen besucht eine Betroffene und geht der Frage nach, was inzwischen passiert ist: Können Krebspatienten sich heute sicher fühlen?

Mitte des 13. Jahrhunderts erlässt Kaiser Friedrich der Zweite eine Gesetzessammlung: Ärzten wird es verboten, Arzneien herzustellen und zu verkaufen. Das wird Vorrecht der Heilmittelkundigen, denen aber die Diagnose und Behandlung entzogen wird. Die Trennung von Arzt und Apotheke ist vollzogen und verbreitet sich schnell. Die heutige Löwen-Apotheke in Trier wird 1241 erstmals urkundlich erwähnt und gilt als die älteste Apotheke Deutschlands. Wie sah die Arbeit des Apothekers früher aus – und wie hat sie sich in den letzten Jahren verändert?

Die WHO schätzt, dass in Entwicklungsländern etwa jedes zehnte Medikament minderwertig oder gefälscht ist. Besonders häufig sind lebenswichtige Arzneien wie Antibiotika und Malariamittel betroffen. Mit dramatischen Folgen: Aktuelle Untersuchungen im Auftrag der WHO zeigen, dass jedes Jahr Hundertausende Menschen deshalb sterben müssen. Aber noch immer gibt es für viele Länder keine konkreten und flächendeckenden Statistiken, welche Regionen besonders betroffen sind. Ein deutschafrikanisches Forschungsprojekt soll hier einen wichtigen Beitrag leisten: Forscher des pharmazeutischen Instituts der Uni Tübingen haben mit Kollegen aus Kamerun, der Demokratische Republik Kongo und Togo ein großflächiges Forschungsprojekt gestartet. Sie sammeln in verschiedenen Regionen der Länder Medikamente in großem Umfang und testen sie, erst im Schnelltest vor Ort, später im Labor in Tübingen. Die Proben kaufen sie in Apotheken und Krankenhäusern, aber auch – verdeckt – auf Straßenmärkten. Sie wollen ein sich ein Bild der aktuellen Situation in den Ländern machen.  Erst dann können Maßnahmen entwickelt werden, um das Problem in den Griff zu bekommen. 

3. November: Ist das wirklich so gefährlich? Falsche Ängste und echte Risiken

Flugzeugabstürze, Anschläge, Überfälle: Studien zeigen, dass viele Menschen fürchten, was sie wahrscheinlich nie betreffen wird. Gleichzeitig begeben sie sich unbewusst in Gefahrensituationen und wähnen sich in falscher Sicherheit. So kommen bei Unfällen im Alltag dreimal so viele Menschen ums Leben wie bei Verkehrsunfällen. Doch auch am Steuer neigen wir dazu, das Risiko zu unterschätzen. Etwa 500 Verkehrstote pro Jahr, verursacht durch die Unaufmerksamkeit des Fahrers, sind pro Jahr zu beklagen – häufig wegen Handynutzung am Steuer. 

Rauchen, Trinken, zu wenig Bewegung: Zweidrittel der vorzeitigen Todesfälle in Deutschland lassen sich auf ungesunde Lebensweise zurückführen.  [W] wie Wissen zeigt, welche falschen Ängsten und wahren Risiken wir im Laufe des Lebens ausgesetzt sind, und wie wir es schaffen können, Risiken besser einzuschätzen.

Allerdings scheinen manche Menschen die Angst völlig besiegt zu haben. Ralf Dujmovits ist der erste Deutsche, der alle 8000er bestiegen hat, fast alle ohne Sauerstoffgerät. Warum klettern Menschen über unbekannte Routen auf die höchsten Berge der Erde, dem Wetter völlig ausgeliefert? Warum stürzen sich manche Abenteuerlustigen sogar von Klippen und fliegen nah am Boden mit Wingsuits, nur eine Windböe vom Tod entfernt? Sie meinen alle, das Risiko durch akribische Vorbereitung und Training beherrschen zu können – allerdings ist das leider allzu oft ein Trugschluss.  Dabei erleben sie das hohe Kompetenz- und Kontrollgefühl als große Befriedigung. Und es handelt sich um besondere Persönlichkeiten mit besonderen Biografien, so das Ergebnis psychologischer Untersuchungen. 

Menschen setzen sich ungern mit dem Risiko schwerer Verletzungen oder sogar dem eigenen Tod auseinander. Das beeinflusst auch die Wahl ihrer Versicherungen. Warum sind viele Deutsche nicht richtig versichert? Oft werden nur Sachversicherungen nachgefragt, auf Personenversicherungen verzichten viel zu viele Menschen. Es kommt bei der Wahl der Versicherung aber nicht darauf an, wie wahrscheinlich es ist, dass ein Schadensfall eintritt. Stattdessen geht es darum, die größten finanziellen Risiken abzusichern. Wir klären auf unterhaltsame Weise über die größten Irrtümer auf und zeigen, welche Versicherungen wirklich wichtig sind.

Angst ist eine Waffe, auf die Diktaturen ihre Macht aufbauen. Denn wer Angst als Machtmittel einsetzt, appelliert an die tiefsten Gefühle. Was in einer Diktatur mit einfacher Machtdemonstration und leicht durchschaubarer Propaganda funktioniert, bedarf in einer vielfältigen und demokratischen Welt subtilere Formen. Auch in einer so stabilen Demokratie wie Deutschland haben die Menschen Angst - vor Trump, vor Flüchtlingen, vor Terrorismus. W wie Wissen ergründet, was diese oft diffuse Angst auslöst wird und welche Kräfte versuchen, sie zu befeuern und davon zu profitieren. Denn Manipulation ist durch soziale Medien wie Facebook deutlich einfacher geworden. 

24. November: Die neue Bestattungskultur – alles online?

Etwa 860.000 Menschen sterben jedes Jahr in Deutschland – und müssen bestattet werden. Es gibt zwei Optionen: Feuer- oder Erdbestattung. Und bisher war für beides ein Bestattungsunternehmen die Anlaufstelle. Gibt es da noch andere Möglichkeiten?

Eine Bestattung im Internet bestellen – einfach mit ein paar Klicks. Damit will Björn Wolff Deutschlands größter Bestatter werden. In seinem Online-Bestattungshaus mymoria können Kunden von der Couch zu Hause durch sein Angebot surfen. In ein paar Minuten lässt sich die Bestattung planen – der direkte Kontakt mit dem Bestatter ist nicht mehr nötig. Ein Konzept, das die Branche, die vor allem aus kleineren Familienunternehmen besteht, drastisch verändern könnte.

Die meisten Deutschen wollen heute eingeäschert werden. Waren es vor 25 Jahren 30 Prozent, wählen heute fast 70 Prozent die Feuerbestattung. Das hat Folgen für die deutschen Friedhöfe: Denn ein kleines Urnengrab braucht bis zu neunmal weniger Platz als ein klassisches Erdgrab. Weil die aber weniger gekauft werden, entstehen Lücken. Daher gibt es Friedhofsplaner wie Sebastian Trüb, der die Friedhöfe in Mainz den neuen Bedürfnissen entsprechend umgestaltet.

Früher hat Andreas Rosenkranz aus Köln große Grabsteine hergestellt, ein Meter hoch und einen halben Meter breit.  Viel Platz für den Steinmetz, sich künstlerisch auszuleben. Doch die Zeiten haben sich geändert, die Menschen wollen für wenig Geld kleine Grabsteine. Die Nachfrage nach Handarbeit lässt nach, die Konkurrenz wächst.  Eine neue Idee musste her.  Andreas Rosenkranz hat sich in China inspirieren lassen. Der Steinmetz stellt inzwischen Grabsteine mit QR-Codes her. So können Friedhofbesucher die Codes scannen und einen Eindruck vom Leben des Verstorbenen bekommen.  Im Internet lebt der weiter – das kann für die Hinterbliebenen sehr tröstlich sein.

Auch beim Thema Bestattung kann man auf Nachhaltigkeit achten. Zuallererst bei den Materialien, was Herkunft, Schadstofffreiheit und biologische Abbaubarkeit betrifft. Aber noch nachhaltiger wird es dann, wenn man seinen Sarg nicht nur – wie normalerweise – wenige Tage "verwendet" und ihn dann verbrennt oder vergräbt, sondern ihn auch schon zu Lebzeiten benutzt. Und das hat dann nicht nur einen umweltschonenden Aspekt, sondern verändert auch die Einstellung dem Tod gegenüber.

1. Dezember: Das muss weg!  Aber wie?

Wenn wir etwas los werden wollen, dann reicht meist der Gang zur Mülltonne oder zum Recyclinghof. Und weg ist es. Es kann aber auch eine ziemlich spannende Herausforderung sein, etwas los zu werden. Vor allem, wenn es sehr groß und/oder gefährlich ist. W wie Wissen zeigt einige spektakuläre Beispiele:

Vom Himmel in die Tonne: wenn Flugzeuge verschrottet werden

180 Tonnen wiegt ein Jumbo-Jet ohne Kerosin und Passagiere, darunter viel Aluminium, Stahl aber auch hunderte Sitzpolster oder auch Servierwagen. Weil so ein Flieger zu groß für die Schrottpresse ist, muss er von Experten zerlegt werden: In Berge von Metall, aber auch Filetstücke wie zB die Triebwerke oder die Elektronik. Wir zeigen, wie das funktioniert, welche Schätze in einem alten Flieger lauern und ob Bordtoiletten auch recycled werden können.

Mann gegen Schlange – Ein Killer wird gejagt

Der Tiger-Python gilt in den Everglades als invasive Art, hat keine natürlichen Feinde und vermehrt sich rasend schnell. Die riesigen Würgeschlangen wurden in den 90ern als Haustiere gezüchtet. Dann zerstörte Hurricane Andrew eine Schlangenfarm, und tausend Tiger-Pythons entwischten in die Sümpfe. Heute sind es schon 30.000, und sie fressen alles, was ihnen vors Maul gerät. Frösche, Waschbären, ja sogar Alligatoren. Keine Frage, der Eindringling muss hier weg, sonst droht das Ökosystem aus dem Gleichgewicht zu geraten. Das Südwest-Florida Water Department hat deshalb ein Kopfgeld von 200 Dollar pro Schlange ausgesetzt. Pythonjäger wie Dustin Crum machen sich auf die abenteuerliche Jagd in den Sümpfen.

Die Weltraummüllabfuhr – Aufräumkommando im Orbit

Das Problem scheint weit weg, und dennoch wird es langsam prekär für die Menschheit. Große Mengen Weltraumschrott, also Trümmerteile von Raketen oder Satelliten, umkreisen die Erde. Sie stellen eine wachsende Bedrohung für die Raumfahrt, aber auch für unsere lebenswichtigen Kommunikationssysteme im Orbit dar. Der Schrott muss unbedingt weg, aber wie? Im Rahmen der Mission Remove Debris startet von der ISS derzeit ein Satellit, mit dem unterschiedliche Techniken
ausprobiert werden. Zum Beispiel große Segel, die an den Schrott angeheftet werden, um ihn aus der Umlaufbahn in die Erdatmosphäre zu ziehen, wo er verbrennt. Aber auch Netz und Harpune soll der 100 Kilo schwere Müllsatellit erproben. Gesteuert wird die Mission vom Surrey Space Center in England. W wie Wissen ist dabei.

Arsenal des Grauens – Weltkriegs-Munition in den Meeren

Auf dem Grund von Nord- und Ostsee rottet seit Jahrzehnten ein Waffenarsenal, das nahezu alles an Vernichtungswillen und Heimtücke bereit stellt, das der Mensch bis dato erfunden hatte. Von der kleinsten Pistolenpatrone bis zur zwei Tonnen Bombe wurde alles verklappt. Sogar Hitlers Wunderwaffe, die V2-Rakete, findet sich im Schlick der Ostsee – neben Seeminen, Torpedos und zahllosen Granaten. Nach Schätzungen von Fachleuten liegen in der Ostsee rund 300.000 Tonnen Munition. In der Nordsee sind es sogar 1,3 Millionen Tonnen. Sie gefährden die Schifffahrt und sind eine tickende Zeitbombe voller Ultragifte. Es wird höchste Zeit, dass das Zeug wegkommt. Eine gigantische Aufgabe voller Gefahren.