SENDETERMIN So, 13.04.14 | 17:00 Uhr | Das Erste

Wohin mit den Zoobabys?

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Wohin mit den Zoobabys? | Video verfügbar bis 12.04.2019 | Bild: Das Erste
Löwenmännchen beißt in Ziegenkadaver
"Ganzkörperfütterung" im Tiergarten Nürnberg | Bild: WDR

Als der Kopenhagener Zoo sich im Februar 2014 entschloss, den jungen Giraffenbullen Marius zu töten und vor Publikum an die Löwen zu verfüttern, ging ein Sturm der Entrüstung um die Welt. Auch deutsche Zoos töten überzählige Tiere, meist aber nicht so offen wie die Kopenhagener. Eine Ausnahme ist der Tiergarten Nürnberg: Hier werden regelmäßig Büffel, Antilopen, Ziegen und andere Huftiere getötet. "Wir wollen den Tieren die Möglichkeit lassen, sich zu vermehren", erklärt der stellvertretende Zoodirektor Helmut Mägdefrau diese Praxis, "auch wenn wir dadurch in den sauren Apfel beißen müssen, immer wieder Tiere zu töten." Das Töten geschieht hinter den Kulissen, die Besucher können aber zusehen, wenn die toten Tiere mit Haut und Haaren in die Raubtiergehege gelegt werden.

Warum gibt man Zootieren nicht die Pille?

Schneeleopard frisst Fleischstück, in dem Hormonpille versteckt ist.
Indra bekommt die Pille. | Bild: WDR

Gibt es zum Töten keine Alternative? Empfängnisverhütende Hormone können Zootiere daran hindern, überhaupt erst Nachwuchs zu bekommen. Doch die Pille für Zootiere ist unter Experten umstritten. „Wenn wir die Tiere am Züchten hindern“, meint Helmut Mägdefrau, „berauben wir sie um das gesamte Familienleben, also um ein wichtiges natürliches Verhalten.“ Zudem steht die Pille im Verdacht, bei manchen Tieren, besonders bei Raubkatzen, Gebärmutterkrebs auszulösen. „Wir haben schmerzlich erleben müssen, welche Nebenwirkungen das haben kann. Wir mussten drei Löwinnen einschläfern, die Krebs hatten aufgrund der Pille. Deswegen machen wir das extrem ungern.“ Momentan bekommt in Nürnberg nur die Schneeleopardin Indra die Pille - und auch nur auf ein Jahr befristet. Indra hat schon zweimal geworfen. Für weiteren Nachwuchs gibt es in Nürnberg zurzeit keinen Platz.

Warum gibt man Tierbabys nicht in andere Zoos?

Giraffe im Tiergarten Nürnberg
Giraffen sind schwer vermittelbar. | Bild: WDR

Zoos versuchen in der Regel, den Tiernachwuchs an andere Tiergärten abzugeben. Doch nicht immer geht das. Giraffenbullen beispielsweise sind untereinander aggressiv und deshalb schwer vermittelbar. Auch müssen Zuchttiere genetisch zu einander passen. Inzucht soll so vermieden werden. Für manche Zootiere findet sich deshalb kein neues Zuhause. Stattdessen werden sie verfüttert. Mägdefrau findet das nicht unmoralisch: "Auch in der Natur fallen Antilopen Löwen zum Opfer. Zudem haben wir dadurch echtes 'Biofleisch'. Wenn wir eigene Tiere verfüttern, kaufen wir kein Fleisch aus Massentierhaltung und wir haben keine Tiertransporte. Es sind also auch Tierschutzargumente, die dafür sprechen, so vorzugehen."

Warum trennt man nicht Männchen und Weibchen?

Helmut Mägdefrau vor Eselgehege
Helmut Mägdefrau ist stellvertretender Zoodirektor in Nürnberg. | Bild: WDR

Kann es Sinn eines Zoos sein, erst Tiere zu züchten, um sie dann zu töten? Eine sichere Methode, garantiert Nachwuchs zu vermeiden, ist es, Männchen und Weibchen voneinander getrennt zu halten. Der Tiergarten Nürnberg hat das schon versucht: Der Somali Wildesel ist in der Natur vom Aussterben bedroht. Im Zoo leben immer ein Zuchthengst mit einem Harem von Stuten zusammen. Andere Hengste werden nicht toleriert und deshalb sind junge Hengste im selben Gehege ein Problem. "Wir hatten Hemmungen", erinnert sich Mägdefrau, "so seltene Tiere zu töten und haben Hengste und Stuten getrennt gehalten, um Nachwuchs zu unterbinden. Als wir wieder Nachwuchs brauchten, hat es aber fünf Jahre gedauert, bis die Zucht wieder losging. Das wollen wir kein zweites Mal erleben. Wir können Zucht nicht wie einen Lichtschalter ein- und ausschalten." Um die Art zu erhalten, muss Mägdefrau ab und zu einen der seltenen Esel töten lassen. Was paradox klingt, ist für den Biologen die beste Lösung.

Darf jedes Zootier getötet werden?

Gorilla hinter Glasscheibe
Menschenaffen sind tabu. | Bild: WDR

Rechtlich darf ein Zoo jedes Tier töten, wenn es einen guten Grund dafür gibt. Trotzdem machen die Tiergärten im deutschsprachigen Raum das nicht. Die Zoodirektoren haben sich darauf geeinigt, Affen, insbesondere Menschenaffen wie Gorillas, Orang Utans und Schimpansen nicht zu töten. Auch Helmut Mägdefrau findet das richtig: "Menschenaffen stehen uns gefühlsmäßig einfach derart nahe, dass da die Hemmschwelle extrem hoch ist. Das heißt, an die Tiere würde man einfach nicht rangehen."

Autor: Frank Nischk (WDR)

Stand: 13.04.2014 17:00 Uhr

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