Interview mit Tobias Oertel

BOZEN-KRIMI: Kommissarin Schwarz (Chiara Schoras) und "Capo" Zanchetti (Tobias Oertel)
Aufatmen bei "Frau Commissario" Sonja Schwarz: Endlich tauchen Indizien für die Unschuld von Ehemann Thomas auf, der wegen Mordverdachts an einem jungen Mädchen in U-Haft sitzt.  | Bild: ARD Degeto / Marco Nagel

Wie schwer ist es, Chef zu sein?

Ich hatte mir das schwerer vorgestellt, weil ich in meinem Privatleben wirklich nicht die Tendenz habe, andere anzuleiten. Aber ich freue mich, diesen Capo zu spielen. Im besten Fall kann ich privat etwas von ihm lernen. Der Zanchetti ist so schön linear in seinem Denken und strukturiert in seinem Handeln. Dafür bewundere ich ihn, weil ich es von mir nicht kenne.

Haben wir das richtig verstanden? Die Kunstfigur Zanchetti dient als Kompass für ihr normales Leben?

Ganz richtig. Wenn ich einen Weg finde, das in mir zu imaginieren, dann bekomme ich eine Ahnung, woher die Figur das nimmt und finde eine Entsprechung in mir selbst. Im besten Fall kann ich dann in Zukunft so reagieren wie Zanchetti: eine Art Rollenspiel. Laut C.G. Jung hat jeder Mensch alle Qualitäten in sich. Die Eigenarten, die er auswählt, machen seinen Charakter aus. Wenn ich eine Figur spiele mit herausragenden Qualitäten, dann suche ich die in mir. Da ist vielleicht auch der Chef Zanchetti versteckt.

Was zeichnet denn diesen Zanchetti aus?

Er ist selten emotional in einer Ein- zu-eins-Situation. In den meisten Szenen hatte ich das Gefühl, dass er erst in sich geht, nachdenkt und dann antwortet. Ebenfalls ist für mich klar, dass Sonja Schwarz nicht der einzige Grund war, warum er von Bari nach Bozen gekommen ist und nicht mehr für die Spezialeinheit arbeitet. Da ist noch viel zu erwarten. Zanchetti ist ein sehr gewissenhafter Polizist mit einem großen Bedürfnis nach Gerechtigkeit. Weil er außerdem sehr empathisch ist und menschlich viel Verständnis hat, sind ihm die kleinen Verbrecher fast sympathisch. Aber das gibt ihm Tiefe und mir die Gelegenheit, die Figur dreidimensional zu gestalten.

Was zeichnet den Regisseur Thorsten Näter aus?

Thorsten bringt einen wahnsinnigen Erfahrungsschatz mit und ist für Schauspieler ein Riesengeschenk. Er ist sehr präzise, er sieht sehr viel und ich fühl‘ mich als Schauspieler extrem gut reflektiert und als wichtiger Teil des Films. Das erlebt man nicht so häufig.

Mögen Sie die horizontale Erzählweise von Autor Jürgen Werner?

Absolut. Seine Schreibe ist ein großes Plus. Von Teil eins zu zwei und drei findet eine enorme Entwicklung in der Figur statt. Zanchetti zeigt Farben, die man nach dem ersten Teil nicht erwartet hätte. Aber so richtig werden wir ihn erst in den nächsten Folgen kennenlernen. Da muss er sich ja in die Karten gucken lassen.

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