Gespräch mit Jana Klinge

Zollt ihrer Vorgängerin Respekt: Hannah Wagner (Jana Klinge)
Zollt ihrer Vorgängerin Respekt: Hannah Wagner  | Bild: NDR/ARD Degeto / Sandra Hoever

»Ich habe versucht, mich darauf zu konzentrieren, Hannah Wagner eine eigene Note zu geben.«

Frau Klinge, was hat Sie überzeugt, in der Reihe "Nord bei Nordwest" die Rolle der Hannah Wagner zu spielen?

Ich mochte das Format schon immer. Mir gefallen die skurrilen Charaktere, die herbe norddeutsche Ästhetik. Alle Figuren, allen voran die Schwanitzer selbst, verhalten sich ein wenig sonderbar. Man denkt, dort sei der Hund begraben, aber was die Autoren in diesem kleinen Ort immer an die Oberfläche spülen, ist herrlich. Ich habe mich daher sehr gefreut, als die Einladung zum Casting kam, zumal ich schon ein Fan von Hinnerk war, seit ich damals den Film "Der Boxer und die Friseuse" gesehen habe. Natürlich war mir bewusst, dass ich ein schweres Erbe antreten würde. Henny Reents schätze ich sehr, und ich mochte ihre Lona Vogt, die sie über zehn Filme auf ganz besondere Weise verkörpert hat. Aber ich habe versucht, mich darauf zu konzentrieren, Hannah Wagner eine eigene Note zu geben. In gewisser Weise war es für uns beide – für Hannah und für mich – ein Neustart in dieser Reihe. Hannahs Überlegungen deckten sich mit meinen: Wie werden wir von dem bestehenden, eingespielten Team empfangen, welche Widerstände kommen möglicherweise auf uns zu, nimmt man zunächst Rücksicht auf uns? Mir als Person brachten alle Vertrauen entgegen, man empfing mich herzlich und offen, fast so, als wäre ich schon immer dabei gewesen. Besonders mit Marleen, die ich bereits kannte, habe ich das Gefühl, die gleiche Sprache zu sprechen. Hannah dagegen muss von Anfang an kämpfen. Hauke gibt ihr zunächst überhaupt keine Chance und lässt sie abblitzen, wann immer er kann. Nur Jule empfängt sie unvoreingenommen und versucht, zwischen Hannah und Hauke eine Brücke zu schlagen.

Wie haben Sie die Figur angelegt?

Vieles hatten sich bereits die Autoren für sie ausgedacht. Hannah kommt aus der Stadt und hat zunächst gar keine Lust, in dieser vermeintlich verschlafenen Provinz heimisch zu werden. Eigentlich strebt sie nach höheren Aufgaben und lässt das die Bewohner auch spüren. Sie tritt am Anfang scheinbar tough auf, will aber unbedingt alles richtig machen, um neben Hauke zu bestehen. Sie ist ehrgeizig und lebt ausschließlich für ihren Beruf. Dabei schießt sie manchmal über das Ziel hinaus, anstatt sich ein bisschen zu entspannen. Ich habe versucht, Hannah eine gewisse Direktheit zu geben, sie aber trotzdem auch ihre neue Umgebung aus der Defensive beobachten zu lassen. Mit der Zeit erfährt man, warum sie in manchen Situationen so angespannt reagiert. Hannah kann humorvoll und einfühlsam sein und gut zuhören. Und sie ist eine rasante Autofahrerin – eine schöne Idee der Regisseurin Nina Wolfrum. In einer horizontal erzählten Reihe mitspielen zu dürfen, bietet eine reizvolle Möglichkeit, eine Figur über einen längeren Zeitraum zu entwickeln.

Sie sind nun seit vier produzierten Filmen dabei – was sind Ihre Erfahrungen?

Das Problem mit dem schweren Erbe hat sich inzwischen gelegt. Und ich denke, obwohl alle drei Figuren sehr unterschiedlich sind, sind Hauke, Jule und Hannah zu einem Team zusammengewachsen, in dem man sich gegenseitig vertraut. Jeder Film hatte für mich seinen eigenen Reiz. Die Schauspieler, die die Casterin Marion Haack für die einzelnen Filme zusammenstellt, sind immer großartige, spannende Kollegen. In den absurden Konstellationen und Situationen ist es oftmals schwierig, ernst und bei sich zu bleiben. Auch bei Hinnerk, der es liebt, einen zu überraschen und zu fordern, muss man stets wach und offen sein. Meine persönliche Herausforderung liegt immer darin, loszulassen: sich alle Fragen gestellt und alle beantwortet zu haben und dann einfach mal zu machen.