Interview mit Drehbuchautoren Bernd Lange und Hans-Christian Schmid

Drei Fragen an Drehbuchautor Bernd Lange

Bernd Lange und Hans-Christian Schmid
Drehbuchautoren Bernd Lange und Hans-Christian Schmid | Bild: rbb / Gerald von Foris

Sie haben zusammen mit Hans-Christian Schmid das Drehbuch geschrieben. Wie kann man sich die Zusammenarbeit von zwei Autoren an einer Geschichte vorstellen?

Es gibt sicher viele Wege, wie man zu zweit an einer Geschichte arbeiten kann. Über unsere langjährige Zusammenarbeit haben Hans-Christian Schmid und ich für uns herausgefunden, dass wir uns ausführlich besprechen müssen, um die Geschichte im Groben vor Augen zu haben. Mit den Notizen dazu teilen wir uns die Arbeit hälftig auf. Am Ende setzen wir die beiden Teile zusammen und überarbeiten, wenn uns etwas unstimmig erscheint. Dies zieht sich als Prozess bis zum drehfertigen Buch durch.

Was ist für Sie das Besondere an diesem Drehbuch?

Das Besondere an dieser Geschichte ist für mich, dass sie an der deutsch-polnischen Grenze spielt und wir Einblicke in die sehr unterschiedlichen Lebensentwürfe der Menschen bekommen, die nur einen Steinwurf voneinander entfernt leben. Die Biografien von Sikorski und Heise, die sich so unterschiedlich entwickeln, ihr Ressentiment und das sich gegenseitige Beäugen.

Sie haben schon mehrfach mit Hans-Christian Schmid zusammengearbeitet. Was schätzen Sie an ihm?

Ich glaube, Hans-Christian Schmid und ich haben meistens eine sehr ähnliche Vorstellung, was das für uns Interessante an einer Geschichte ist und wie wir sie erzählen wollen. Wir sind in der Lage, im guten Sinne so lange über eine Geschichte zu streiten, bis wir beide zufrieden sind. Da Hans-Christian die Drehbücher auch meistens inszeniert, herrscht bei mir ein blindes Vertrauen, dass der Film der Intention des Drehbuchs folgt. Über unsere langjährige Zusammenarbeit ist natürlich eine wichtige Freundschaft entstanden.

Drei Fragen an Drehbuchautor und Produzent Hans-Christian Schmid

Der Polizeiruf 110 aus Brandenburg zeichnet sich dadurch aus, dass er immer an der Grenze zwischen Polen und Deutschland spielt. Folglich gibt es in den Geschichten auch immer Polen, die in Deutschland leben und Deutsche, die in Polen leben. Was glauben Sie – ist die Integration von Deutschen in Polen einfacher als anders herum? Mit welchen kulturellen Konflikten müssen die jeweiligen Nationen im anderen Land rechnen?

Es gibt Vorbehalte auf beiden Seiten. Bei den Deutschen ist das Klischee, dass die Polen alles klauen, was nicht niet- und nagelfest ist, noch immer weit verbreitet. Viele Polen, gerade aus der älteren Generation, sehen die offene Grenze mit Skepsis, weil sie die Gräueltaten der Deutschen im Krieg nicht vergessen haben. In beiden Ländern nehmen derzeit bedauerlicherweise rechtsradikale und fremdenfeindliche Strömungen zu. Man schottet sich lieber ab, statt aufeinander zuzugehen.

Wie sind Sie – zusammen mit Bernd Lange – auf die Geschichte zum Drehbuch "Der Fall Sikorska" gekommen? Beruht diese auf einer wahren Begebenheit?

Ich hatte vom jahrzehntelangen Streit zweier älterer Männer erfahren, von denen der eine dem anderen vorwarf, er habe seine Tochter getötet. Dies zu beweisen wurde zu einer Lebensaufgabe, die alles andere dominiert hat. Wir haben diese Geschichte um einen Gegenwartsfall ergänzt und sie an die Gegebenheiten des Formats angepasst.

Haben Sie eine persönliche Verbindung zum Land Polen? Was zeichnet dieses Land aus?

Seit den Dreharbeiten von "Lichter", einem Spielfilm, der ebenfalls an der deutsch-polnischen Grenze spielt, habe ich großes Interesse an diesem Land und seinen Menschen. Mit "Lichter" habe ich vor fünfzehn Jahren die Zusammenarbeit mit dem polnischen Kameramann Bogumił Godfrejów begonnen und von ihm viel über die Mentalität der Polen gelernt. Unter anderem auch beim Dokumentarfilm "Die wundersame Welt der Waschkraft", in dem es um eine polnische Wäscherei geht, in der Berliner Hotelwäsche gewaschen wird. Mit Robert Thalheim als Regisseur haben wir bei 23/5 "Am Ende kommen Touristen" produziert. Ein Film, der die Geschichte eines deutschen Zivildienstleistenden in Auschwitz erzählt. Das Land ist voller Kontraste und hat sich seit der Wende rasant entwickelt. Eine vergleichsweise junge Demokratie, die derzeit gefährdet ist.

Sie haben schon mehrfach mit Bernd Lange zusammengearbeitet. Was schätzen Sie an ihm?

Auf beruflicher Ebene sein Talent als Autor, seine Bereitschaft, bereits gewonnene Erkenntnisse über eine Figur oder eine Handlung in Frage zu stellen und so lange an einem Text zu arbeiten, bis wir beide das Gefühl haben, wir haben die beste Lösung gefunden. Wir haben eine ähnliche Haltung zu vielen Aspekten, die das Schreiben – und sicher auch das Leben – ausmachen. Auf privater Ebene ist er über die letzten fast eineinhalb Jahrzehnte auch zu einem guten Freund geworden.

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