Gespräch mit Anneke Kim Sarnau

Anneke Kim Sarnau
Anneke Kim Sarnau | Bild: dpa

Eoin Moore hat mit "Familiensache" eine eindrucksvolle Tragödie vorgelegt ...

Man hört ja häufiger mal von solchen oder ähnlichen Fällen, und tatsächlich hatten wir nach einer dieser Geschichten, die in den letzten Jahren durch die Presse gingen, gedacht, dass es spannend wäre, wenn wir uns mal mit dieser Thematik beschäftigen würden. Eoin Moores Story ist auch von realen Fällen inspiriert. Besonders gut gefiel mir an seinem Buch, dass man diese Geschichte als Zuschauer so begleitet, dass man die ganze Entwicklung hautnah mitbekommt und die ganze Zeit hofft, dass Licht in die Sache kommt und die Ermittler noch etwas verhindern können.

Während die Kollegen erst einmal ratlos vor dieser Tat stehen, beginnt Katrin König sofort damit, die Umstände und Motive des Täters zu analysieren. Wie wichtig ist Ihnen dieser aufklärerische Teil Ihrer Figur?

Ich fand’s toll, dass meine Figur hier wieder stärker als Profilerin zu sehen ist und sie sich auf ihre psychologischen Stärken besinnt. Sie versucht zu verstehen, wie der Täter tickt und wie es überhaupt zu diesem Verbrechen kommen konnte. Und sie weiß in dem Moment, dass es wichtig ist, schnell zu sein im Kopf, weil es darum geht, noch Schlimmeres zu verhindern. Insofern erfüllt sie hier eine sehr wichtige Funktion.

Wie sah Ihre Auseinandersetzung mit dem Thema in der Vorbereitung aus?

Andreas Schmidt und Eoin Moore haben uns in den Vorbesprechungen von den Texten erzählt, die ihnen geholfen haben, sich in diese Thematik reinzudenken. Ich habe dann "Intimizid" von Andreas Marneros gelesen und war völlig gebannt von diesen Fallbeispielen, weil das Thema plötzlich ganz greifbar und plastisch wurde. Man begreift dabei, dass so etwas aus dem Alltag heraus geschehen kann und dass die Entscheidung zu einer solchen Tat langsam reift. Und man fragt sich natürlich sofort, warum keiner was gemerkt hat und wie es so weit kommen konnte. Wobei offenbar eine wichtige Rolle spielt, dass diesen Tätern ein Halt fehlt, dass sie zu wenige ausgleichende Faktoren in ihrem Leben haben. Das gedanklich nachzuvollziehen und die innere Logik, die in diesen Taten steckt, zu verstehen war eine wichtige Vorbereitung für die Dreharbeiten.

Als Bukow von der Affäre seiner Frau mit Thiesler erfährt, ist das eine für alle peinliche Situation. Katrin König versucht hier, deeskalierend zu wirken. Erwartet sie, dass Bukow ausrastet? Wie schätzt sie ihn ein?

Ich finde diese Szene ganz großartig und sehr, sehr lustig. Eoin Moore hat ein tolles Gespür für Nuancen. Dass er das hier enggeführt hat mit dem Fall, in dem ein Mann so zerstörerisch gegen seine Familie wütet, ist unglaublich spannend und gut. Katrin König glaubt auf jeden Fall, dass diese Enthüllung eine Menge mit dem Kollegen macht. Und sie weiß natürlich sehr genau, dass eine Situation, wie Sascha Bukow sie hier erlebt, zu völlig irrationalen Verhaltensweisen führen kann, bei denen man sich selbst nicht mehr im Griff hat. Dem versucht sie entgegenzuwirken, indem sie sich bemüht, Bukow in seiner Reaktion zu bremsen; sie weiß schließlich, dass er ein hochimpulsiver Typ ist.

König fällt die Aufgabe zu, die Schwester des Täters zu befragen, weil Hoffnung besteht, dass sie zur Aufklärung beitragen kann. Eine mühsame Aufgabe, die eher selten gezeigt wird ...

Ich persönlich finde es immer gut, wenn man innerlich gegen etwas kämpfen muss, und ich hatte beim Lesen und bei meinen Vorbereitungen gemerkt, dass mich die Figur dieser Schwester eigentlich ziemlich anstrengt und nervt. Auf der einen Seite tut sie mir leid, und ich weiß als Katrin König natürlich, dass ich ruhig bleiben muss, weil Miriam Kreuz die Einzige ist, die uns Informationen geben kann, aber auf der anderen Seite möchte ich sie am liebsten schütteln. Am liebsten würde ich die Informationen, die ich als Katrin König brauche, aus ihr herausschütteln, weil der Zeitdruck so groß ist, unter dem König steht. Die Zeit arbeitet hier gegen die Ermittler, aber die Schwester des Täters ist emotional viel zu stark involviert, um das begreifen zu können. Für mich war die Arbeit an diesen Szenen daher davon geprägt, dass meine Figur gegen innere Widerstände ankämpft; sie muss sehr geduldig bleiben und sich in diese Schwester hineinversetzen, um schließlich das zu bekommen, was sie braucht.

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